Konzertbericht: Landmvrks w/ Underoath, Pain Of Truth, Split Chain

14.12.2025 München, Zenith

Ob Festivals oder Arenen – die neue Generation übernimmt! Nachdem LORNA SHORE im Münchner Zenith 2023 ihre bis dahin größte eigene Show gespielt hatten, headlinen an gleicher Stelle nun LANDMVRKS. Die gleiche Zugkraft haben die Franzosen aber noch nicht: Nachdem der erste Schwung Fans um 18:00 Uhr in die Halle gelassen wurde, tröpfelt es nurmehr nach. Von einem Pulk vor der Bühne abgesehen ist die riesige Halle, die 5.500 Fans Platz bietet, eher dünn besetzt.

Zumindest der vordere Hallenteil ist zum Beginn von SPLIT CHAIN dann aber doch gut gefüllt – nach Bewegung steht aber scheinbar noch niemandem der Sinn: Die Bitten von Fonter Bert Martínez-Cowles, einen Circle Pit zu starten, Crowdzusurfen oder zu hüpfen, verhallen weitestgehend ungehört: Mitnicken und Achtungsapplaus sind das Maximum dessen, was SPLIT CHAIN heute erreichen können. So richtig bietet sich der insgesamt recht brave Alternative Metal der Briten zum Abgehen allerdings auch nicht an – zumal die Songs heute recht leise und auch relativ undifferenziert erklingen. Und so sympathisch die junge Band sonst auch rüberkommt: Das Publikum immer wieder aufzufordern, keine „fucking pussies“ zu sein, ist sicher nicht der richtige Weg. Statt in jeder Ansage etwas einzufordern, wäre mehr abliefern ja auch eine Option gewesen.

  1. Fade
  2. Subside
  3. Bored. Tired. Torn.
  4. Chalk
  5. Extract
  6. Future
  7. Greyintheblue
  8. Who Am I?
  9. I’m Not Dying To Be Here

Hatte der Opener die Bühne mit „antiken“ Röhrenbildschirmen dekoriert, setzten PAIN OF TRUTH ganz klassisch auf Aufblase-Maskottchen. Warum die jedoch von der Bühne wegblicken, erklärt sich dem Betrachter nicht von selbst. Auch musikalisch bietet das Quartett ganz traditionelle Kost (New York Hardcore) – sofern das bei den Soundbedingungen zu beurteilen ist: Insbesondere in den für basslastigen Sound verrufenen „Seitenschiffen“ der Halle geht die Gitarre komplett im Bassgewitter unter – aber selbst mittig beim Mischer fehlt den Songs die eigentlich nötige Schärfe. Der Stimmung tut das keinen Abbruch: Bereits zum ersten Song öffnet sich der Pit – und bleibt bis zum Ende der Show in Bewegung. Das ist insofern bemerkenswert, als auch PAIN OF TRUTH erst fünf Jahre aktiv sind und mit einem Album und zwei EPs nur einen sehr überschaubaren Backkatalog vorzuweisen haben. Wie im Studio, wo PAIN OF TRUTH immer wieder mit prominenten Gästen überraschen, bekommt die Band auch heute mit einem Gastbeitrag von Timothy McTague (UNDEROATH) Support aus der Szene. In Zeiten alternder und gesundheitlich angeschlagener Szene-Legenden ein starkes Zeichen: (NY)HC lebt in der nächsten Generation weiter! Etwas Neues haben PAIN OF TRUTH dem Genre freilich nichts hinzuzufügen, weswegen die 30 Minuten Stagetime auch wirklich genug sind.

  1. Loss
  2. In Regards To Myself
  3. Breathing In A New Mentality
  4. It’s Dangerous Business Walking Out Your Front Door
  5. All The Love Is Gone
  6. Hallelujah
  7. A Boy Brushed Red Living In Black And White
  8. Writing On The Walls
  9. Generation No Surrender

Angenehm knapp bemessene 15 Minuten später sind UNDEROATH an der Reihe. Schon am nun deutlich dichter gedrängten Publikum merkt man, dass die Band auf einem anderen Level unterwegs ist als die bisher gesehenen. Das manifestiert sich auch im Sound: Die Amerikaner bekommen merklich mehr Dezibel auf die PA – und damit deutlich mehr Energie von der Bühne in den Zuschauerraum. Mit DJ/Keyboarder und Drummer Aaron „Pig“ Gillespie als zweitem Sänger machen UNDEROATH auch in der Umsetzung ihrer Songs einiges anders als die meisten anderen Bands. Optisch knüpft das Quintett an das von SPLIT CHAIN eingeführte Tages-Motto der Bildstörung ein: Auch bei UNDEROATH flimmert die ganze Show lang das Bandlogo in verschiedenen Varianten und mit diversen Glitches über die Leinwand. Obwohl Teile des Publikums mit der Band unüberhörbar vertraut sind, ist der Auftritt für UNDEROATH kein Selbstläufer: Selbst nach knapp 45 Minuten ist das Publikum für den Mitsing-Part in „Generation Surrender“ nur begrenzt zu begeistern – obwohl Sänger Spencer Chamberlain zwischendurch sogar zu den Fans an die Barriere herunterkommt.

  1. Lifeless On The Ground
  2. In Your Heart
  3. The Test
  4. Shattered Past
  5. The Enemy
  6. You And Me
  7. LINYHC
  8. Pain Of Truth
  9. Outro

Für wen die rund 3000 Fans heute wirklich nach Freimann gepilgert sind, wird deutlich, als um 21:45 Uhr der blütenweiße Umbau-Vorhang fällt: Schon beim Opener „The Darkest Place I’ve Ever Been“ werden LANDMVRKS frenetisch gefeiert, bei den darauf folgenden Hits „Creature“ sowie „Death“ singt die Halle wie aus einer Kehle mit. Neben dem musikalisch starken Einstieg begeistert die Show der Franzosen aber auch in allen anderen Aspekten: Der Sound ist differenziert, die Inszenierung mit Video- und Lightshow ausgeklügelt und schon früh im Set um Effekte wie Konfetti und Pyro ergänzt. Mögen manche der „alten“ Bands mit derlei Spektakel fremdeln, wirkt es bei der jungen Band und wohl auch für ihre vorwiegend jungen Fans völlig natürlich: Die „alten Helden“ solcher Bands sind schließlich PARKWAY DRIVE und Co. – Bands eben, die wussten, wonach Social Media giert und das „Show“ in Show wörtlich genommen haben.

Geschickt ziehen auch LANDMVRKS alle Register: Mal gibt sich Fonter Florent Salfati betont aggressiv, mal performt er allein an der Gitarre das sentimentale „Suffocate“, dazwischen betätigt er sich, begleitet vom Interlude „Sombre 16“, als Graffitti-Artist. Über Sinn oder Unsinn dieser Einlage kann man freilich streiten – schlussendlich gilt das aber auch für ein klassisches Drum-Solo, wie Kévin D’Agostino zum Beginn des Zugabenblocks eines abliefert: Erlaubt ist, was unterhält – und daran besteht nicht der geringste Zweifel: Der Pit tobt, die Securities kommen angesichts der unzähligen Crowdsurfer von vorne und der Pyros von hinten mächtig ins Schwitzen, und spätestens, als Salfati beim finalen „Self-Made Black Hole“ Song zu den Fans in der ersten Reihe in den Graben kommt, leuchten die Augen als wäre schon heute Weihnachten.

  1. The Darkest Place I’ve Ever Been
  2. Creature
  3. Death
  4. Blistering
  5. A Line In The Dust
  6. Visage
  7. Sulfur
  8. Say No Word
  9. Scars
  10. Suffocate
  11. La Valse Du Temps
  12. Lost In A Wave
  13. Rainfall
  14. Blood Red
  15. Requiem
  16. Self-Made Black Hole

Ob drei Vorbands wirklich einen Mehrwert bieten – insbesondere an einem Sonntagabend – sei mal dahingestellt. Zumindest UNDEROATH dürften heute aber den einen oder die andere Hörer dazugewonnen haben. Doch auch, wer mit keiner der drei Vorbands etwas anzufangen wusste, bekommt für vergleichsweise faire 56 € Eintrittsgeld ordentlich was geboten.

Was LANDMVRKS auf ihrer bei weitem größten Headliner-Tour abliefern, ist schlichtweg beeindruckend und macht schon jetzt Lust auf alles, was die junge Truppe aus Marsaille künftig live wie im Studio wohl noch abliefern wird: LANDMVRKS in einem Atemzug mit LORNA SHORE, ARCHITECTS oder PARKWAY DRIVE zu nennen, ist keineswegs vermessen. Und spätestens mit ihrer nächsten Tour wird niemand mehr daran zweifeln, dass LANDMVRKS dieser Hallengröße gewachsen sind.

Der Abend macht aber auch deutlich, woran es München mangelt. Alle kleineren Locations der Stadt (speziell die eigenen Räumlichkeiten des die Show veranstalteten Backstage München) wären für diese Show nämlich deutlich zu klein gewesen. Eine Location für Shows mit 3000 bis 4000 Besuchern wäre dringend nötig, um diese Lücke zu schließen.

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