Konzertbericht: Lordi w/ The Dogma

10.10.2006 Graz, Orpheum

Im Orpheum herrschte Platznot. Ein bunt gemischtes Publikum drängte sich in dem ausverkauften Konzerthaus. Etwa 700 Nasen, vom offensichtlichen Un-Metaller über Kinder bis hin zu gestandenen Hardrock-Schlachtschiffen mit dicker Plauze, transpirierten wartend vor sich hin. Und warten sollten sie noch etwas länger. Denn eigentlich sollten um 20 Uhr die italienischen Prog-Powermetaller THE DOGMA das Publikum anheizen. Doch auf der Bühne passierte nichts. Etwas später passierte immer noch nichts. Und dann noch weniger. Beim Bierholen fiel mein Blick auf den Merch-Stand: Nix von THE DOGMA zu sehen. Was passiert ist? Keine Ahnung. Mich hat’s nicht sonderlich gestört, aber die Leute, die 27 Flocken für zwei Bands hingeblättert haben, dürften sich schon geärgert haben.

Um Punkt neun wurde es dunkel, ein Spot beleuchtete die Turmuhr in der aufwändigen Bühnendekoration und „God Of Thunder“ von Kiss schallte vom Band, gefolgt von dem Nachrichten-Intro von „The Arockalypse“. Keine Frage, es war Monsterzeit. Meine anfängliche Sorge, es würde keine Pyros geben – das Orpheum ist nicht groß und die Grazer Feuerwehr ist für ihre Pingeligkeit bekannt – wurden schnell zerstreut, als „Bringing Back The Balls To Rock“ mit viel Esprit und Feuer über uns hereinbrach. Sofort kochte die Bude und die Haare flogen in allen Ecken. Kein Vergleich zur unterkühlten Publikumsreaktion am Earthshaker Fest. Chefmonster Lordi war zum Glück gut bei Stimme und brüllte sein „Hail In The Name Of Rock’n’Roll“ richtig satt in die Menge. Auch der Gesamtsound war ein Hammer, differenziert und druckvoll, wie es sein muss. Etwas lauter hätte die Mucke allerdings sein können. Lordi fegten in etwa 90 Minuten durch ein gut gewähltes Set, das sich natürlich hauptsächlich auf Kracher vom aktuellen Album bezog. Besonders gefreut habe ich mich aber über „Rock The Hell Outta You“ und „Biomechanic Man“, bei dem Lordi im Automaten-Stil über die Bühne zuckelte. Natürlich gab es allerhand Gimmicks auf der Bühne (die Macher der Yps-Hefte hätten ihre helle Freude): Lordi im Fleischer-Outfit, Lordi mit Flex, Lordi mit rauchendem Schädel, Lordi mit Körperteilen an einer Kette und, mein persönlicher Favourit, Lordi knutschend mit lebensgroßer Zombie-Cheerleader-Puppe. Den Vogel schoss aber Bassist Ox ab: Als bei seiner Vorstellung das Publikum nicht seinen wünschen entsprechend reagierte, holte er sich vom Bühnenrand eine Bazooka und feuerte das Ding in die Gegend. Meine Herren, was für ein Aufwand da betrieben wurde.

Auf der Negativseite haben wir eine wirklich schwache Interaktion mit dem Publikum. Es gab zwar das eine oder andere Mitsingspielchen, aber mehr als „Hello Graaaaaaz“ brachte das Frontmonster nicht über seine verschrumpelten Lippen. Klar bleibt bei einer dermaßen durchgestylten Show die Spontanität etwas auf der Strecke, aber Gwar kriegen das doch auch hin. Also Lordi, in Zukunft weniger Steif in der Hüfte und etwas gesprächiger, bist ja kein Poppstar (Tippfehler inbegriffen). Eine absolute Nullnummer war aber das Drumsolo von Kita. Ich meine, ich habe nichts gegen ein gutes Drumsolo, wenn Herren wie Terrana oder Portnoy hinter der Schießbude sitzen. Aber was Kita da absemmelte, könnte mein 70-jähriger Opa besser. Zum einschlafen! So müde war die Aktion sogar, dass die Bandkollegen abseits der Bühne ihre Gitarren bearbeiten mussten, damit das Publikum nicht vollends wegratzte. Ach ja, und die offiziellen Tour-Shirts schlugen mit satten 25 Euro zu Buche. Das, meine Herren, ist dann doch ein bisserl viel.

Zum Abschluss kam „Hardrock Halleluja“ im zweiten Zugabenteil, wobei das Publikum noch einmal mächtig aufdrehte und teilweise lauter war, als die Band. Vor allem der vielzählige Nachwuchs (ein paar konnten nicht älter als zehn gewesen sein) gebärdete sich ausgesprochen wild, was mich irgendwie mit Stolz erfüllte. Lordi sind Nachwuchsförderung allererster Güte. Alles in allem ein gelungener Konzertabend.

Setlist:
Intro
Bringing Back The Balls To Rock
Get Heavy
Who’s Your Daddy?
Not The Nicest Guy
Pet The Destroyer
Rock The Hell Outta You
Blood Red Sandman
Biomechanic Man
The Kids Who Wanna Play With The Dead
It Snows In Hell
Drum Solo
Deadite Girls Gone Wild
Dynamite Tonite
Devil Is A Loser

They Only Come Out At Night
Would You Love A Monsterman?

Hard Rock Hallelujah
Outro

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.