Konzertbericht: Six Feet Under w/ Nile, Finntroll, Belphegor, Necrotic Flesh

2007-11-30 Hollfeld, Stadthalle

Was können Six Feet Under, Nile, Finntroll, Belphegor und Necrotic Flesh dafür, dass zwei Tage zuvor mich Turbonegro in Nürnberg beglückt haben und ich somit irgendwie im Unterbewusstsein beide Konzerte vergleiche. Richtig, nichts. So I still got some erection, jedoch schon mit dem Vorwissen, dass selbst fünf hochkarätige, namhafte Bands gegen die Denim Demons aus Oslo nicht wirklich anstinken werden können. Nichtsdestotrotz hatte sich eine Schlange vor dem Eingang der Hollfelder Stadthalle gebildet, die mich von der Länge her ein wenig an die vom Ragnarök II Festival an selber Stelle im Jahr 2005 erinnerte. Auch wenn es immerhin recht milde 5°C hatte, dürfte sich der Großteil ohne Jacke doch so einiges abgefroren haben. Erfreulicher Weise schien diese Veranstaltung endlich mal wirklich gut besucht zu sein, was für die Hollfelder Stadthalle leider eher die Ausnahme ist. Anscheinend war das Paket für viele doch interessanter als eine der achso tollen Coverbands in der nächsten Dorfdisco.

Die Wartezeit hielt sich zwar in Grenzen, jedoch verpasste ich trotzdem die Hälfte vom Opener NECROTIC FLESH, die sich gegen eine Hand voll anderer Bewerber um den ersten Spielplatz per Onlinevoting durchsetzen konnten. Zudem wurden auch Varg, Wolfchant und Sintech für das Metalfest in Hollfeld ursprünglich vom lokalen Veranstalter gebucht, dem dies aber nachträglich verboten wurde. Auch wenn ich mit Sicherheit kein Fan von zwei dieser drei Gruppen bin, ist das eine kleine Frechheit. Bedanken darf man sich hierfür beim Tourveranstalter Rock The Nation, dessen „Politik“ mich sehr negativ an Baysis erinnert, die für das Earthshaker Festival, Burning Fall und Co. verantwortlich sind. Welchen ersichtlichen Grund gibt es drei weitere Bands nicht spielen zu lassen um der Masse kostenlos mehr Value for Money zu bieten? Einzig eine kleine Herabwertung ihres eigenen, eher als kostenlose Marketingmasche ausgelegten, Openervotings steht hier vielleicht im Raum. Dazu passen auch noch gesalzene Merchandise-Preise von 20€ für ein T-Shirt. Doch warum hier weiter nörgeln, wenn das indirekt ein wenig die Leistung des Openers schmälert, denn NECROTIC FLESH haben, von den 3 Songs her, die ich gehört habe, eine ordentliche Leistung abgeliefert und konnten hier und da schon Leute zum Bangen animieren, während sich der Rest noch dezent zurückhielt oder mit Bier versorgte. Nach knappen 25 Minuten Spielzeit war dann auch schon Schluss und der Ruhm somit eher von kurzer Dauer.

Nach einer zügig von statten gehenden Umbaupause machten es sich die österreichischen Sickos von BELPHEGOR auf der Bühne bequem, angeführt natürlich von Frontmann Helmuth, die es aber erstaunlich verhalten angehen ließen. Zwar tobte aus den Boxen ein Orkan, den man mit „The Goatchrist“ entfachte und alles in der Stadthalle nieder walzte, aber die Herren wirkten doch sehr statisch auf der Bühne. Auch nach dem Auftritt schien man nicht unbedingt verschwitzt gewesen zu sein, was ich so aus nächster Nähe sah. Das scheint auch logisch, denn vom bloßen Herumstehen und Saitenzupfen kriegt man höchstens platte Füße. Einzig Torturer hinter der Schießbude machte seinen Namen mal wieder alle Ehre und knüppelte sich in die Nähe des Drummer-Olymps. Zum Glück befanden sich mit „Belphegor – Hell’s Ambassador“ und „Seyn Todt in Schwartz“ nur zwei Songs vom schwachen aktuellen Album „Pestapokalypse VI“ auf der Setlist, die den Abschluss der ersten Hälfte bildeten, welche nicht sonderlich überzeugen konnte. So kann man es es dem zur Bühnendekoration mitgebrachten Ziegenschädel garnichtmal verdenken, dass er es sich ein wenig schief liegend vor dem Drumkit bequem gemacht hatte. Dafür entschädigte Teil zwei, der mit „Bleeding Salvation“, dem Übersong „Swarm of Rats“ und „Lucifer Incestus“ drei der absoluten Bandhymnen bat, schon eher. Für einen kleinen Moment schien das erzkatholische Hollfeld ein Stückchen näher an die Hölle gerückt zu sein. Trotzdem haperte es gewaltig an der Interaktion zwischen Band und Publikum, so dass Helmuths auffordernde „höj höj“-Rufe (österreichsch für „hej“) ein paar Augeblicke im Raum verhallten, ehe das Publikum überhaupt registrierte was zu tun war.

Wenn bei Pagan Metal zur Zeit von einem Hype zu sprechen ist, dann sind FINTROLL mit Sicherheit einer der Zugpferde für diese Entwicklung. Gespannt war ich vor allem auf den neuen Sänger Mathias „Vreth“ Lillmåns, der seine Sache von Beginn an exzellent gemacht hat und immer wieder versucht hat das Publikum zu animieren, das ihm auch gut aus der Hand fraß. Nur mit dem sich in der Mitte bildenden Pogo schien er nie ganz zufrieden gewesen zu sein. Die Mehrheit beließ es lieber beim Mitklatschen, Bangen und Hörnerzeigen. Aber auch dem Rest der Band, der mit viel Spielfreude am werkeln war, konnte man zufrieden sein. Mit „Ur Jordens Djup“ hatte man zudem ein starkes aktuelles Album im Gepäck, was sich leider etwas zu sehr auf die Setlist auswirkte. Über die Hälfte der Songs kamen von eben jenen Werk, so dass Songs wie „Midnattens Widunder“, „Försvinn Du Som Lyser“ oder der Klassiker „Rivfader“ garnicht gespielt wurden. Magere drei Songs von älteren Alben verirrten sich ins Set, darunter natürlich „Trollhammaren“, was jedem im Saal bekannt gewesen sein dürfte. Entsprechend stieg auch die Stimmung um gefühlte 100%, die sogar noch beim karibisch angehauchtem „En mäktig här“ anhielt. Am Ende gab es für die Band massig Applaus, auch wenn mir für diese Art von Musik an diesem Abend einfach mindestens drei Bier gefehlt haben, und unüberhörbare Rufe nach einer Zugabe, die es aber nicht gab. Warum bleibt mir unverständlich, wenn man bedenkt, dass man gut im Zeitplan lag und das Konzert selbst schon kurz nach 0 Uhr zu Ende sein sollte.

Schade natürlich für alle Finntroll-Fans, jedoch kam für mich nun das eigentliche Leckerli des Abends: NILE, die amerikanischen Hobby-Ägyptologen, die mit „Ithyphallic“ eine Granate von Album in diesem Jahr veröffentlicht haben. Der Titel beschreibt übrigens die vergrößerte Nachahmung des Phallus und wir wollen ja nicht übertreiben, doch in Sachen bandtechnischer Schwanzvergleich war man bereits nach dem ersten Song, auch wenn hier „Sacrifice Unto Sebek“ vom Album „Annihilation of the Wicked“ gespielt wurde, ganz groß im Geschäft. Schlichtweg eine Art Demonstation auf der Bühne, was es heißt technisch perfekten, brutalen Death Metal zu spielen. Die Präzision, mit der beispielsweise „Cast Down The Heretic“ gezeigt wurde, ist mehr als nur beeindruckend und kann nur mit dem Wort „perfekt“ beschrieben werden. Wie alle Bands an diesem Abend hatte man auch einen sehr guten Sound, der der Band die nötige Durchschlagskraft verliehen hat. Während ich die Songs auf Platte „nur“ gut finde, sind NILE live einfach eine Klasse für sich, was erwartungsgemäß nicht ganz so sehr gewürdigt wurde wie bei Finntroll zuvor. Zu vertrackt und technisch anspruchsvoll dürfte es dem ein oder anderen gewesen sein. Alle Fans der Band dürften aber vor Freude ein feuchtes Höschen bekommen haben. Beschränkt hat man sich fast nur auf Abrissbirnen von den letzten beiden Alben, was aber in meinen Augen kein Fehler war, so dass darüber hinaus nur „Black Seeds of Vengeance“ vom gleichnamigen 2000er Album gespielt wurde. Zugaberufe wurden auch hier einfach überhört, wobei ich stark bezweifle, dass dies die Schuld der Band war.

Für den Endspurt ging es noch einmal kurz zum Dank „Ortskundigenbonus“ in kürzester Entfernung geparkten Auto um sich einen Schluck Wasser zu gönnen. Fast pünktlich um 23:15 begannen dann SIX FEET UNDER ihr einstündiges Set. Mehr todesmetallischen Kontrast als zwischen Nile und SFU kann man kaum haben: Erst technisches Hochgeschwindigkeitsgefrickel und nun die ordentliche Portion primitiver Grooves – und ja – beides kann absolut genial sein. Während das Material auf Platte eher eintönig und auf Dauer langweilig wirkt, grooven SIX FEET UNDER auf der Bühne einfach wie Pommes in der Fritöse. Allen voran „Hippie“ Chris Barnes zeigte an diesem Abend jedem, was man unter dem Wort „Bühnenpräsenz“ wirklich versteht. Wie ein Hurrikan auf der Bühne und am Mikro – Bo Summer möge mir verzeihen – der personalisierte Subwoover, was für ein zufriedenes Grinsen bei mir sorgte. Kein Wunder, denn „Deathklaat“, „The Shadow of the Reaper“ oder „Feasting on the Blood of the Insane“ zünden live ohne Frage. Das Publikum bzw. die „Crazy Motherfuckers“ wussten dies auch bis in die hinteren Reihen und auf der Empore entsprechend zu würdigen und siehe da es wurde sogar dieses Mal eine Zugabe von zwei Songs gespielt.

Was bleibt, ist ein feiner Konzertabend mit einem Paket an Bands, das mit großen Namen gespickt war, das man so nicht jeden Tag sieht. Trotzdem hatte man an manchen Stellen einen kleinen faden Beigeschmack, der aber nicht übermäßig störte, so dass geschätzte 800 Leute ihre Freude an den Bands hatten.

Geschrieben am 30. November 2007 von Metal1.info

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