Parkway Drive, Despised Icon & Support

  • Saarbrücken, Garage
  • 29. April 2010

Es war wahrlich ein guter Zufall, dass ausgerechnet der Tag, an dem ich die weite Reise zu PARKWAY DRIVE und DESPISED ICON aufs Konzert nach Saarbrücken von Mainz aus antrat, der bisher wärmste des Jahres war. Es bestanden also beste Vorraussetzungen für einen gelungenen Abend vollgepackt mit einer Menge Hard-/Death-/Metal-/Wasauchimmer-Core. Schon im Vorfeld aufgefallen war mir der sehr frühe Termin, der selbst für Studenten wie mich nicht ganz einfach einzuhalten ist. Vielleicht wollte man auf diese Weise dem generell sehr jungen Publikum (auch heute befand sich der Altersschnitt wieder bei maximal 16 Jahren) auf Hardcore-Konzerten Tribut zollen.

Nachdem ich um kurz nach 18 Uhr ankam, waren 50 LIONS & THE WARRIORS bereits dabei, ihre ersten Songs zu spielen. Diese fünf Jungs aus Byron Bay praktizierten eine äußerst gangshout-lastige Version des New York Hardcore, durchaus anschaulich und als Launemacher für das, was noch zu kommen war, gut geeignet – ebenso wie THE WARRIORS, die ihrerseits ebenfalls recht klassischen Hardcore zu spielen pflegten. Ihre Interpretation gestaltete sich allerdings deutlich breakdown-fixierter, sodass sich die Violent-Dancing-Fraktion, die auch an diesem Abend wieder die vernünftigen Leute gnadenlos aus dem Moshpit verdrängte, schonmal warmprügeln konnte. Zu allem Überfluss verweigerte meine Kamera, die ich zwecks Foto machens mitgenommen hatte, den Dienst, nachdem sie von einem verfehlten Spinkick getroffen wurde…dumm gelaufen.

Weiterhin wurde schon zu diesem Zeitpunkt deutlich, dass die Veranstalter wohl allen Bands sehr restriktive Vorgaben bezüglich ihres Programms gemacht hatten. Quasi ohne zu reden schredderten sich die ersten beiden Bands durch ihr Set, was ein bisschen schade war, denn es ließ das Aufkommen von Stimmung nicht zu.

Als dritte Band von fünf und als heimlicher Tiefpunkt des Abends traten WINDS OF PLAGUE auf. Ich hatte mir wirklich vorgenommen, den Jungs (und der Keyboarderin) eine Chance zu geben. Bisher kannte ich von ihnen nur zwei Songs und einige negative Kritiken. Live gestaltet es sich bei WINDS OF PLAGUE in optischer Hinsicht so, dass sie versuchen, ihre musikalischen Mängel mit einem muskulösen Frontmann und einer gutaussehenden Keyboarderin wettzumachen – in akustischer Hinsicht so, dass sie im Prinzip stinknormalen Deathcore spielen, der hin und wieder sogar einige ganz gute Ansätze zeigt. Einige ihrer Songs begannen ganz ansprechend etwas ruhiger, nur mit Gitarre und Keyboard, andere bestachen zwischendurch mit wirklich coolen Grooves. WINDS OF PLAGUE bringen es aber fertig, dies stets mit einer unaufhaltsamen Welle von deplatzierten Breakdowns, dazu passenden Pig-Squeal-Orgien und Null-Acht-Fünfzehn-Moshparts zu überfluten. Trotzdem wurde die Stimmung unaufhörlich besser, wahrscheinlich hatte das schon angesprochene sehr junge Publikum nicht so hohe Ansprüche an WINDS OF PLAGUE. Trotzdem war ich ganz froh, als sie letztendlich nach etwa acht oder neun Songs zum Ende kamen – trotzdem eine Schande, dass diese wirklich enttäuschende Band fast mehr Spielzeit bekam als die deutlich überzeugenderen DESPISED ICON.

Diese waren nämlich als Nächstes an der Reihe. Ihre für Ende des Jahres angekündigte Auflösung erwähnten sie mit keiner Silbe, genauso wenig wie die Tatsache, dass ihr Lead-Gitarrist Eric Jarrin nicht anwesend war und von einem mir unbekannten Menschen ersetzt wurde – gut möglich, dass dies bereits erste Auflösungserscheinungen sind. Nichtsdestotrotz schienen DESPISED ICON hochentschlossen, die viel zu kurze, ihnen zugemessene Spielzeit (siehe Setlist) bestmöglich zu nutzen. Leider wollte das Publikum zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, entweder war die Vorfreude auf PARKWAY DRIVE oder die Erschöpfung nach WINDS OF PLAGUE schon zu groß, aber zu großen Circle Pits oder gar einer Wall Of Death, wie man sie sonst von DESPISED ICON-Auftritten kennt, war diesmal niemand im Stande. Im Großen und Ganzen ließen sich die Kanadier davon aber nicht beeindrucken und lieferten eine wirklich solide Vorstellung ab, die sich hauptsächlich aus Songs ihrer letzten beiden Alben und dem sehr grindigen Kracher „Retina“ zusammensetzte. Als DESPISED ICON schließlich ihr Programm absolviert hatten, war es gerade mal 21.10 Uhr.

Setlist DESPISED ICON:
01. All For Nothing
02. A Fractured Hand
03. Retina
04. Day Of Mourning
05. In The Arms Of Perdition
06. Furtive Monologue
07. MVP

Zum Ende hin wurde dann der Vorteil des Konzepts der Veranstalter deutlich, das Konzert so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen: So zog das Warten auf Headliner PARKWAY DRIVE nicht so sehr. Diese begannen schließlich um kurz vor 21.30 Uhr , wie ich es schon von ihnen gewohnt bin – mit der äußerst heftigen Single „Boneyards“ von ihrem aktuellen Album. Zwei Songs später verkündete Fronter Winston McCall, dass PARKWAY DRIVE’s neues Album fertig gestellt sei, was die Stimmung in der Halle nochmal um einiges anheizte. Gleichzeitig wurden die Rufe nach PARKWAY DRIVE’s neuem Song „Unrest“ laut, der schon seit einigen Monaten auf Youtube rumgeistert. Ein sichtlich gut aufgelegter Winston lachte erst einfach nur und antwortete mit den Worten: „No, that song sucks.“ Schließlich, nach einigen Minuten sehr intensiver Kommunikation mit dem Publikum tat er dann lustigerweise so, als wäre nichts gewesen und nach den Worten „Alright, we’ll play a new song for you.“ bekam das Publikum doch seinen Wunsch erfüllt.

Das restliche Programm war wohl eine Kombination aus PARKWAY DRIVE’s breakdownlastigsten und moshtauglichsten Songs, mit Ausnahme nur von „Horizons“ : Dass PARKWAY DRIVE das Konzert (scheinbar) mit diesem Song abschlossen, schien mir sehr passend, es stellt ja schon auf „Horizons“ einen sehr guten Abschluss der CD dar. Allerdings, wie konnte es auch anders sein, zogen PARKWAY DRIVE nach dem vermeintlichen Ende der Show die übliche „Wir gehen hinter die Bühne und tun so, als wär das Konzert vorbei, und eine Minute später spielen wir noch ein Lied“ – Nummer ab; ich weiß nicht, ob das wirklich sein muss. „Romance Is Dead“ entschädigte allerdings für diesen kleinen Makel.

Setlist PARKWAY DRIVE:
01. Boneyards
02. Idols & Anchors
03. Smoke Em If You Got Em
04. Carrion
05. Unrest
06. Guns For Show, Knives For A Pro
07. Mutiny
08. Dead Man’s Chest
09. The Siren’s Song
10. Horizons
11. Romance Is Dead

Insgesamt war es also ein wirklich lohnenswerter Abend mit annehmbaren Vorbands und einer tollen Performance von DESPISED ICON und PARKWAY DRIVE – einzige Makel waren, wie schon angesprochen, der zu lange Auftritt von WINDS OF PLAGUE , die hohen Bierpreise und gewalttätige Mosh-Pit-Teilnehmer. Jeder Hardcore-Fan dürfte an diesem Abend trotzdem auf seine Kosten gekommen sein.

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