Konzertbericht: Project Pitchfork w/ Stahlmann

2012-02-04 Backstage, München

Seit über 20 Jahren haben sich PROJECT PITCHFORK in der hiesigen Synth Rock/Dark Wave-Szene etabliert. Grund genug für das neu formierte Trio (Live-Gitarrist Carsten Klatte stieg voriges Jahr aus) erneut auf Headlinertour zu gehen. Mit dabei hatten die Hamburger die Szenenewcomer Stahlmann.

Das Münchner Backstage füllte sich erst langsam, als STAHLMANN in Silber geschminkt zu mechanischen Introklängen die Bretter betraten. Die Live- und Clubtauglichkeit ihres zweiten Studiowerks „Quecksilber“ sollte in den kommenden 35 Minuten auf Herz und Nieren geprüft werden. Nach dem eher rockigen „Willkommen“ vom ersten Album „Stahlmann“ erwies sich „Spring nicht“ als erste neue Liveinstitution der Göttinger. Sänger Mart ging mehrfach auf Tuchfühlung mit seinen Mitmusikern und bezog auch das Publikum erfolgreich in die Show mit ein, die lediglich unter einem katastrophalen Licht litt. Außerdem kann der Frontmann gerne öfter seine natürliche Stimme klingen lassen, ohne betont tief zu sprechen oder zu singen. Dies könnte auch eher langsamen Kompositionen wie „Am Grunde“ zu noch mehr eigener Identität abseits von Eisbrecher, Oomph und Konsorten verhelfen. Dass STAHLMANN eine Mitmach-Band ist, hatten die ersten Reihen bereits vor der passenden Ansage dazu gemerkt und sprangen fröhlich im Takt zu „Hass mich, lieb mich“ und der obligatorischen Singleauskopplung „Tanzmaschine“. Zwischendrin mutierte das brave „Stahlwittchen“ live noch zum eher unzüchtigen „Stahlflittchen“. Und wie schon im Vorprogramm von Eisbrecher/Mono Inc. bewiesen die Szenenewcomer, dass zukünftig in elektronisch-geschwängerten NDH-Gefilden mit ihnen zu rechnen ist, besonders in der Clublandschaft.

01. Willkommen
02. Spring nicht
03. Stahlmann
04. Am Grunde
05. Hass mich, lieb mich
06. Stahlwittchen
07. Tanzmaschine

Eine Gemeinsamkeit von Stahlmann und PROJECT PITCHFORK besteht im gemeinsamen Support von Eisbrecher in den letzten Jahren. Allerdings beschränkten sich die norddeutschen Headliner des Abends auf einen Auftritt auf dem Münchner Tollwood 2011, der unter sehr mäßigen Soundbedingungen in der Zeltkonstruktion litt. Die Voraussetzungen im Backstage schienen zunächst besser zu sein und vor einem merklich gewachsenen Auditorium eröffneten Pitchfork 2012 so, wie sie ihr München Gastspiel im Vorjahr beinahe beendeten – mit den pulsierenden „Continuum Ride“ und „Timekiller“. Sofort begannen sich die Körper im nun gut gefüllten Rund im Takt der elektronischen Klänge zu wiegen, bevor es bei „Run for cover“ und „Souls“ zu den ersten technischen Pannen kam, worunter die Qualität der Songs merklich litt. So musste Jürgen Jansen mehrfach seine Arbeit an den Synthesizern unterbrechen, ehe gar nichts mehr ging und er von der Bühne verschwand. Sänger Peter Spilles und seinem langjährigen Weggefährten Dirk Scheuber merkte man anschließend die umfangreiche Bühnenerfahrung an, denn statt betretenem Schweigen improvisierten die beiden Männer sozusagen unplugged mit einer Beatbox/Rap-Nummer und dem Text „Scheiß drauf, wir lassen das so“. Der Saal tobte. Leider blieb es gleichzeitig das einzige Highlight in den rund zwei Stunden. Bei PROJECT PITCHFORK verhält es sich wie bei vielen Gruppen aus diesem Genre: Wer einen Song mag, kann mit dem restlichen Programm ebenfalls etwas anfangen. Wer allerdings keinen Bezug zu den ersten Kompositionen herstellen kann, dem wird dies auch im späteren Verlauf des Abends nicht gelingen. Zu ähnlich ist das Gesamtbild. Im Gegensatz zum Tollwood schafften es auch politisch-angehauchte Texte wie „K.N.K.A“ in die diesjährige Live-Setliste, doch um auf die tieferen Botschaften zu achten, musste man die Studioproduktionen kennen. Der Klang von Peters Stimme reichte leider nicht, um die Inhalte zu transportieren. Und so ergingen sich die Norddeutschen in einem musikalischen Einerlei, das – mit Ausnahme der Impro-Einlage – auch keine stimmungstechnischen Highlights zuließ. Grundsolide spielten sich PROJECT PITCHFORK durch ihre Bandgeschichte. Das mag langjährige Fans freuen, aber anno 2012 können gestandene Szenengrößen und Bühnenveteranen ihren Status in der Musikwelt so bestenfalls aufrechterhalten. Neue Ufer sind ohne neue Entwicklungen in weiter Ferne. Es darf aber bezweifelt werden, dass Pitchfork auf ihren alten Tagen diese überhaupt noch in Angriff nehmen wollen. So wurden immerhin ihre eingefleischten Fans mit dem bedient, was die Elektrokombo seit Anbeginn ihrer Karriere auszeichnet – sozusagen eine Live-„First Anthology“-Werkschau, die im Vergleich zum Studioprodukt allerdings nicht 2001, sondern 2012 endete.

01. Intro
02. Continuum Ride
03. Timekiller
04. Lament
05. Requiem
06. Run For Cover
07. Souls
08. Scheiß drauf-Impro
09. Endless Infinity
10. I Am
11. K.N.K.A.
12. The Queen Of Time And Space
13. Carrion
14. Dividing Line
15. Lam Bras
16. The Island
17. Beholder
18. Existence

19. Conjure
20. Mine / Beast of Pray
21. Fire and Ice
22. Tempest

23. Rescue

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.