Konzertbericht: Ragnarök’s Aaskereia Tour (Tyr, Hollenthon, Alestorm & Svartsot)

2008-10-09 Hamburg

Portugal, Dänemark, Schottland, Österreich und die Färörer – internationaler hat man einen einzelnen Konzertabend selten erlebt. So machten auf der RAGNARÖK’S AASKEREIA Tour gleich vier Bands unter Napalm Records‘ Banner plus ein weiterer Supoort halt in der Hansestadt, wovon zwei zumindest meinen Nerv treffen und ich mich entschloss mal wieder in die Markthalle zu ziehen.

Da es bei fünf Gruppen auch entsprechend früh losging, verpasste ich gleich die Portugiesen von Gwydion, die mir jedoch eh kein Begriff waren und sich daher dieser Verlust in Grenzen hielt. Viking Metal aus Portugal erscheint einem dann doch ohnehin etwas abwegig.
SVARTSOT aus Dänemark jedoch war mir schon mal begegnet und hatte zwar keine Freudenstürme ausgelöst, aber zumindest war ich an diesem Abend neugierig auf eine Portion partylastigen Folk Metal. Wer das nun auch auf der Bühne erwartete, wurde sicherlich massiv enttäuscht. Nicht nur, dass sich Song an Song reihte ohne dass man Unterschiede dazwischen ausmachen konnte, vor allem aber die „Show“ war ein gewaltiger Flop. Von Bewegung waren bei den sechs Dänen überhaupt keine Spur zu sehen, Sänger Claus dachte wohl, es genügt, mit Brustpanzer und mannslanger Axt auf der Bühne zu stehen und halb-grimmig zu gucken. Von einer Band, die immerhin schon drei Jahre existiert, sollte man mehr erwarten dürfen, dafür gibt es immerhin zu viele Gruppen aus der Spielart, die das besser können. Dem Publikum gefiel’s auch nicht so recht, zumindest war der Platz vor der Bühne nicht gerade prall gefüllt und an Bewegung kam auch unterhalb der Bretter nichts so richtig in Gang.
Nunja, Gerstensaft getankt und auf zum persönlichen Headliner des Abends: ALESTORM. Mit deutlich mehr Begeisterung wurden die schottischen Freibeuter in der Markthalle empfangen, und schon die ersten Klänge von „Over The Seas“ setzte sich eine kleine und junge, aber ziemlich enthusiastische Meute in Bewegung und ließ Köpfe, Bierbecher und Hörner kreisen. Zu Recht, denn trotz ihrer Verkaterung, die Sänger und Keyboarder Christopher Bowes bald zugab, wussten die Piraten showmäßig, wo der Besanmast steht. Bewegung, Interaktion und Energie – da kann man auch über einen reichlich dröhnigen Sound hinwegsehen. Nachdem er den Piratenmantel aufgrund der Hitze abgelegt hatte, erwies sich der kleine Frontmann schnell als ein Energiebündel, das auch vor grandioser Selbstironie (mit dem Aufschrei „Fatality“ eingeleitetes Keyboardsolo) nicht zurückschreckte.Songmäßig machten die Schotten keine großen Experimente, was auch bei erst einem Album in der Hinterhand schwer möglich ist. Klar, dass bei „Nancy The Tavern Wench“ vor und auf der Bühne geschunkelt wurde, das Sicherheitspersonal hatte sichtlich Mühe alle Fans von den Brettern zu schubsen, logisch, dass bei „Wenches And Mead“ getanzt und gehüpft wurde, und verständlich, dass man sich zu „Terror On The High Seas“ die Kehle aus dem Leib schrie. Besonders gespannt erwartete ich den Titeltrack „Captain Morgan’s Revenge“, der jedoch leider hinter den Erwartungen zurück blieb. Die Epik und der Bombast der CD ließen sich leider nicht besonders gut in den Konzertsaal transportieren, viel ging durch die Soundprobleme verloren. Gern hätte ich auch noch den Demosong „Heavy Metal Pirates“ gehört, doch die Spielzeit war nun mal begrenzt, und so blieb ALESTORM dennoch als bester Auftritt des Abends in Erinnerung.

HOLLENTHON kannte ich bisher auch mehr vom Hörensagen als vom selber Hören, aber ein Ohr wollte ich den Österreichern doch mal schenken. Der Pungent Stench-Ableger verschreckte jedoch mit der Tatsache, dass ein gewaltiger Teil der eigenen Musik vom Band kam. Kein Keyboarder und keine Sängerin auf der Bühne, aber Orchester und Frauengesang schallen aus dem Boxen. Das ist für mich spätestens seit dem schwachen Turisas-Auftritt auf dem diesjährigen Ragnarök-Festival ein echtes No-Go, meiner Einschätzung nach soll nur das auf die Bühne, was man dort auch selbst spielen kann.
Von daher war mir dieser Auftritt zu blöd und ich begab mich zurück ins Foyer. Zu einem Bier kam auch bald der Sturm, und so liefen bald Captain Bowes und Basser Dani Evans dort herum und stellten sich den Fans zum Plausch. Ein sympathischer Zug der Band, die somit bewies, dass sie trotz ihres sprunghaften Erfolges noch nicht abgehoben ist. Es wurde später, und bald war nun auch der Headliner dran. Mit neuem Album „Land“ im Gepäck standen gegen 23 Uhr die vier halbnackten Schafsinsulaner von TÝR bereit. Da ich mit dem neuen Material nicht vertraut war, verzichtete ich aufs Mitschreiben, was sich aber als Fehlkalkulation erwies: Nur der Opener entstammte dem jüngsten Werk, sonst gab es nur Lieder der ersten drei Scheiben auf die Ohren. So ließ man natürlich nicht die bekannten Nummern wie „Regin Smiður“, „The Edge“, „Wings Of Time“ oder das auf gefühlt jedem Album vorkommende „Hail To The Hammer“ aus. Der Sound stimmte, insbesondere „Regin…“ bestach durch eine mächtige Herrenchor-Wand. Doch musste ich nun, spätestens bei diesem dritten erlebten Týr-Konzert, feststellen, dass die schleppende Musik der Färöer nicht das größte Livepotential hat. Sichtlich hatte die Band auch mit der Uhrzeit zu kämpfen, denn viele Gäste hatten offensichtlich bereits den Heimweg angetreten und der Saal war kurz vor Schluss schon gähnend leer. Sänger Heri entging das nicht, er wisse ja, dass ein großer Teil den nächsten Tag arbeiten müsse, aber ein wenig mehr Kraft müsse man doch mobilisieren können. Tatsächlich war der Auftritt der Prog-Wikinger alles andere als begeisternd, was gar nicht mal an der Band selbst lag, die sich durchaus Mühe gab. Aber die Musik der Gruppe an sich in Verbindung mit schwach motiviertem und geringem Publikum lädt eben nicht zu Begeisterungsstürmen ein.
Unterm Strich blieb ein durchwachsener Abend. ALESTORM war der Gewinner, wogegen die anderen Bands sich weniger Ru(h)m bekleckerten. Vielleicht war der Preis mit 22 Euro/Abendkasse auch etwas hoch, so dass es eben an Publikum fehlte, aber Schnitzer wie die von SVARTSOT oder HOLLENTHON könnte das auch nicht ausbessern.

Tracklist Alestorm:

Over The Seas
Huntmaster
Nancy The Tavern Wench
Terror On The High Seas
Wenches And Mead
Captain Morgan’s Revenge

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.