Saltatio Mortis

  • Spectaculum Mundi, München
  • 18. April 2008

Ein Jahr und ein weiterer Besetzungswechsel sind ins Land gezogen, seitdem Saltatio Mortis zum letzten Mal im Spectaculum Mundi in München zu Gast waren, um am jährlichen „Musica Antiqua Viva“-Festival teilzunehmen.

Dass sich besonders Frontmann Alea der Bescheidene noch an jenen „schicksalhaften Ort“ erinnert, bewies er direkt zu Beginn in seiner ersten Ansage. Doch dieses Mal mussten die anwesenden weiblichen Fans auf Stripeinlagen vollständig verzichten. Stattdessen lag der Fokus vollständig auf der Musik und der Setliste, die geprägt war vom neuesten Album „Aus der Asche“. Alle Lieder bis auf „Kelch des Lebens“ wurden von SaMo gespielt und vom Publikum frenetisch gefeiert. Dazu gab es die Klassiker „Dunkler Engel“ und „Falsche Freunde“ sowie „Des Königs Henker“ vom vorletzten Studioalbum mit dem gleichnamigen Titel. Im Gegensatz zum letzten Jahr wurden im Spectaculum Mundi die Stühle und Tische dieses Mal vollständig abgebaut, so dass einerseits Platz für Menschen und andererseits Raum für eine bessere Stimmung geschaffen wurde. Letztendlich war die kleine Halle sogar ausverkauft und die Spielmänner wurden noch wesentlich mehr umjubelt als im Vorjahr. Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein gab sich sogar ein doppeltes Stelldichein und vertonte seine beiden Lieder „Dessous le pont de Nantes“ und „Choix des dames“, einschließlich sehr individuellem französischen Akzent.

Wie immer kam auch die spontane Situationskomik nicht zu kurz: So ersetzte Lasterbalk am Schlagzeug spontan die letzte Strophe von „Des Königs Henker“ durch ein Schlagzeugsolo mit Begleitung durch Bruder Frank am Bass. Doch diese Freundschaft wehrte nicht lange, denn die Geschichte rund um den Werwolf („Varulfen“) wurde vom Lästerlichen spontan umgemünzt auf japanische Bassisten, von denen sich die Frauen besser fernhalten sollten. Alea berichtete zwischenzeitlich von der ersten Spielmanns-WG (mit nur einem heterosexuellen Teil) bestehend aus El Silbador und dem neuesten Gitarristen Samoel, bei denen in der Küche der Schimmel von den Tellern „Tritt ein“ spricht. Im Vergleich zum Vorjahreskonzert ließ sich Lasterbalk dieses Mal ungewohnt viel Zeit, bevor er vor die Menge trat, um den relativ kurzen rein mittelalterlichen Teil mit „Equinox“ einzuläuten.

Im Bereich der mittelalterlichen Bands gibt es nur sehr wenige, die eine ähnliche Spielfreude und Ausdauer an den Tag legen wie Alea und Co. So wirkte Cordoban völlig am Ende, während dem Publikum in der überaus heißen Location bereits im ersten Teil der Schweiß in Bahnen am Körper herunter lief. Am Ende gab es noch ausführliche Zugaben und wieder einmal bewiesen SaMo, warum sie live bereits zur Spitze ihres Genres zählen. Jetzt fehlen nur noch die entsprechenden CD-Verkaufszahlen, um in den Mittelalterolymp zu Bands wie Schandmaul, In Extremo und Subway to Sally vorzustoßen. Dazu muss allerdings erst einmal endlich eine Besetzung gefunden werden, die langfristig gleich bleibt.

Derweil möchte ich noch einmal erwähnen, dass das Münchner Publikum meiner Meinung nach deutschlandweit zumindest im Mittelalterbereich unterschätzt ist. Von zurückhaltenden Bayern war an diesem Abend gar nichts zu sehen. Stattdessen wurde fast jeder Ton gefeiert und man merkte, wieviel Freude die Protagonisten daran hatten. Ein großes Lob dafür von einem Konzertkritiker, der an solchen Abenden gerne Fan bleibt und sich vom subjektiven Kollektiverlebnis tragen lässt.

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