Konzertbericht: Saltatio Mortis w/ Cumulo Nimbus

2011-11-18 Backstage, München

Der Sturm auf Paradies – für SALTATIO MORTIS ein Eroberungsfeldzug. Auf Platz 3 in den deutschen Albencharts folgte eine vielerorts bestens besuchte Tour im Herbst. In München wagten sich die Musiker erstmals an das größte Gebäude des dreiteiligen Backstage-Komplexes. Und bekamen es beinahe voll. Dies war gleichzeitig der einzige Abstrich, der an diesem Abend gemacht wurde.

Als Support hatten sich Saltatio Mortis in München die Landsberger CUMULO NIMBUS mitgebracht, welche dort in neuer Besetzung zu sehen waren. Nachdem Der Prophet die Band verließ, rückten Bassist Käpt’n Köhler an das Schlagzeug und der ehemalige Sänger Mathis Mandjolin an den E-Bass. Den freien Platz am Mikrofon nahm wiederum die norddeutsche Sängerin Binia ein, welche (vereinzelt unterstützt durch Mathis) bereits im Studio die neue Platte „Schattenjäger“ einsang. Erwartungsgemäß verlagerten CUMULO NIMBUS live den Fokus ebenfalls auf ihre neue Schaffensphase. Nur vereinzelt mischten sich noch ältere Stücke wie „Wirtshaus“ in die Setliste. Passend dazu wurde in den ersten Reihen Met ausgeschenkt – der ewige Stimmungsgarant. Das aktuelle Material benötigte wiederum genau wie die Band einige Anlaufzeit, bis sich auch das größtenteils nüchterne Publikum dafür erwärmen konnte. Beim „Englischen Tanz“ kam schließlich zum ersten Mal Bewegung in die stetig voller werdende Halle. So fiel es unter dem Strich wenig ins Gewicht, dass der Sound bestenfalls überdurchschnittlich war und auch Sängerin Binia noch eine Menge Luft nach oben in dieser Musikrichtung hat.

Seliste:
01. Neumond
02. Traumjäger
03. Wilder Reigen
04. Figura Obscura
05. Tor Im Eis
06. Englischer Tanz
07. Wirtshaus
08. Rastyme

Wer SALTATIO MORTIS von Mittelaltermärkten kennt, weiß, dass die Jungs selten um ein Wort verlegen sind. Umso überraschender, dass die Band zunächst ausschließlich ihr neuestes Album sprechen ließen: Gleich vier Songs von „Sturm aufs Paradies“ eröffneten die Setliste ohne Verschnaufpause – und wurden riesig angenommen. Gemeinsam mit einem tobenden Münchner Publikum feierten SaMo den „Sündenfall“ und zelebrierten die „Ode An Die Feindschaft“. Besonders live geht das simpel gestrickte Rockkonzept des neuesten Albums auf. Bis in die hintersten Reihen wurden entschlossen die Fäuste geballt und laut im Kollektiv „Hey“ geschrien.
Doch auch bei etwas älteren Stücken der Vorgängeralben wie „Wirf den ersten Stein“, „Miststück“ oder „Koma“ zeigten sich die bayerischen Fans textsicher. Zuvor ergriff Schlagzeuger Lasterbalk zum ersten Mal das Mikrofon und erzählte u.a. vom kleinen, japanischen Bassisten Bruder Frank, der durch Strahlung zum großen, grünen Monster namens Godzi mutierte. Später versuchte der Riese ein weiteres Mal erfolglos Dudelsackspieler Luzi Das L zu vermitteln. Als die weiblichen Reaktionen gar zu verhalten ausfielen, wurden erstmals sogar Männer in die engere Auswahl genommen – sehr zum Missfallen des neuesten Bandmitgliedes und sehr zur Erheiterung der Fans. So unterhaltsam wie diese Ansagen blieb auch die Musik.
Manchmal mussten weder Lasterbalk noch Alea auch nur ein Wort verlieren, es reichten bereits die ersten Takte, um für lauten Gesang in der Halle zu sorgen, so z.B. bei „Eulenspiegel“ – der folkigen Hommage an den größten Narren aller Zeiten. Nach einigen Worten über die Afrikaexkursion von einem Teil der Band leiteten Saltatio mit „Wieder Unterwegs“ kurzzeitig erneut auf ihre bis erfolgreichste Veröffentlichung über. Mit etablierten Bandhits und Livekrachern wie „Tritt Ein“ und „Tod und Teufel“ wurde schließlich der Endspurt eingeleitet, doch auch nach dem vorübergehenden Abschluss „Prometheus“ hatte München an diesem Abend noch lange nicht genug. Nebensächlich, dass der Sound während des gesamten Auftritts kaum über erträglichem Durchschnitt lag.
So holten sowohl die Musiker als auch ihre bayerischen Fans im Zugabenblock besonders bei „Uns gehört die Welt“ noch einmal alles aus sich heraus. Nach einem weiteren Abgang folgte der obligatorische Stagedive von Alea bei „Falsche Freunde“ und mit „Spielmannsschwur“ die Saltatio Mortis-Hymne schlechthin als krönender Abschluss. Noch lange, nachdem die Musiker ihre letzten Takte gespielt hatten, stimmte das Publikum die Melodie immer wieder aufs Neue an. Die alles entscheidende Frage hatte Alea zusammen mit einem Fan bereits zuvor geklärt: Auf die Ausführungen des Sängers, was der Grund dafür sei, warum man diese Musik mache, ertönte ein spontanes „Das hier“ und passender hätte man es nicht zusammenfassen können. Saltatio Mortis sind im Paradies eingezogen.

Setliste:
01. Ode An Die Feindschaft
02. Habgier Und Tod
03. Sündenfall
04. Hochzeitstanz
05. Wirf Den Ersten Stein
06. Miststück
07. Fiat Lux
08. Koma
09. Nachtigall Und Rose
10. Manus Manum Lavat
11. Eulenspiegel
12. Wieder Unterwegs
13. Nach Jahr Und Tag
14. Tritt Ein
15. Tod Und Teufel
16. Spiel Mit Dem Feuer
17. Prometheus

18. Rastlos
19. Worte
20. Uns Gehört Die Welt

21. Falsche Freunde
22. Spielmannsschwur

Publiziert am von Uschi Joas und

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