Saltatio Mortis w/ Feuerschwanz

  • Backstage, München
  • 23. Oktober 2009

Zum wiederholten Male hieß auf der aktuellen “Wer Wind Sät”-Tour von SALTATIO MORTIS: ausverkauftes Haus – und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Die Schlange vor dem Münchner Backstage erreichte kurz vor dem offiziell geplanten Einlass eine Länge, wie ich sie in dieser Form sonst nur von Genregrößen wie Subway to Sally und Schandmaul kannte. Im Vergleich zu früheren Konzerten der Band vor ca. 250 – 500 Zuschauern im Spectaculum Mundi wirkte das anwesende Publikum auch vielschichtiger: Glöckchenträger mit dunkler Schminke mischten sich unter Familienväter mit Kindern und langhaarigen Metalheads. Möglicherweise ein Resultat der Top 10-Platzierung?

Live waren und sind Saltatio Mortis für mich schon am Zenith dessen, was in kleineren Clubs möglich ist. Nach mehreren Umbesetzungen und einer grundlegenden musikalischen Wandlung, die bei den letzten Alben noch weiter forciert wurde, präsentiert sich das Sextett nun als eine gewaltige Einheit von Spielmännern, die ihre Anhängerschaft binnen weniger Sekunden durch krachenden Mittelalterock zum Kochen bringen kann. So geschah es auch dieses Mal: Im Gegensatz zur Studioversion zündeten „Miststück“ und „Rastlos“ als Live-Opener richtig und rissen die Menge mit. Nach einem famosen „Tod und Teufel“ griff Alea schließlich zum ersten Mal zum Mikro, um die Anwesenden in der Münchner Sauna zu begrüßen und für eine kurze Verschnaufpause zu sorgen.
Die stickige Luft tat der stets ausgesprochenen guten Stimmung allerdings keinen Abbruch, so dass ich im Laufe des Abends mehrere Fans bei Sprechchören merklich heiser schrieen. Lediglich anfangs litt das Konzert unter einem relativ schlecht abgemischten Sound und Gesang. Dazu vergeigte Alea bei den ersten Songs einige Töne richtig, doch dies änderte sich ab der Mitte und dem Song „Koma“ schlagartig, bei dem er vom Stil her selbst Eric Fish in den Schatten stellte. Plötzlich lief er zu richtig guter Form auf, die schließlich darin gipfelte, dass er während eines Stagedives eine perfekte Version von „Falsche Freunde“ zum Besten gab. Über sein mannigfaltiges Tai Chi-inspiriertes Gepose, welches wohl auch in Zusammenhang mit den Dreharbeiten für die erste Live-DVD von SaMo stand, kann man geteilter Meinung sein. Einerseits demonstriert er dabei vereinzelt eine ungeheure Beweglichkeit und Lebendigkeit, andererseits wurde es dieses Mal etwas zu viel des Guten.
Absolut positiv ist allerdings die Entwicklung von El Silbador, der nun auch abseits seines Dudelsack- und Schalmeienspiels aufgetaut ist und sowas wie Charisma versprüht. Ansonsten sorgten abseits der Musik wieder einmal Lasterbalks launige Ansagen und die Reaktionen der „Betroffenen“ für Unterhaltung sowie wunderbare Überleitungen zu den einzelnen Songs. Auffällig war, dass die Band dieses Mal auf einen traditionellen Teil komplett verzichtete und ein reines Rockkonzert spielte. Generell brachte die Setliste die Entwicklung und den jetzigen Stil von SaMo perfekt auf den Punkt und enthielt bis auf „Manus Manum Lavat“ alle Songs, die ich mir insgeheim gewünscht hatte. Leider funktionierte „Salomé“ ohne weibliches Gegenstück zu Alea nur halb so gut und „Vergessene Götter“ kann ich immer noch nichts abgewinnen. Dies schmälerte den mittelalterlichen Rockgenuss, der größtenteils mit richtiger Härte kombiniert wurde, allerdings nur unwesentlich.

Als Vorband hatte man sich die Mittelalter-Folk-Comedy FEUERSCHWANZ geholt, die noch vor SaMo für ordentlich Stimmung sorgten. Prinz R. Hodenherz III. hat sich als Ersatz von Ronja Hodenherz seit meinem letzten Konzert wirklich gemacht und die Band an sich entwickelt sich rein optisch immer weiter. Lediglich die Texte sind immer noch auf einem eher flachen Niveau: Von Met und Mietzen über Schnaps und Schnecken ging es schließlich zu Bier und Bräuten. Kurzweilige Feierstimmung ist dabei so gut wie garantiert, nur selbst die geringste Form von Tiefgang und Anspruch wird man vermissen. Ein großes Plus waren hingegen die kleinen, sympathischen Einlagen zum Mitmachen, u.a. im Kampf gegen die Schweinepest – oder wie Feuerschwanz sagen würden: „Hurra, Hurra, die Pest ist da.“

1. Rastlos
2. Miststück
3. Tod und Teufel
4. La Jument de Michel
5. Kaltes Herz
6. Tritt ein
7. Salomé
8. Worte
9. Aus Träumen gebaut
10. Koma
11. Ebenbild
12. Salz der Erde
13. Varulfen
14. Vergessene Götter
15. Prometheus
16. Wir Säen Den Wind
17. Wirf den ersten Stein
18. Uns gehört die Welt

19. Keines Herren Knecht
20. Falsche Freunde
21. Spielmannsschwur

22. Dunkler Engel
23. Letzte Worte

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