Slayer w/ Slipknot, Hatebreed

  • Berlin, Arena Treptow
  • 26. September 2004

„The Unholy Alliance“ – So wurde die große Tournee Monate zuvor angekündigt. So ziemlich jede Hauswand in Berlin wurde mit dem Tourplakat tapeziert, so dass auch er letzte Ignorant mitbekam, was am jenen Sonntag in Berlin steigen würde. Niemand geringeres als die Thrash Metal-Kings, namentlich bekannt als Slayer, würden am 26. September 2004 Berlin unsicher machen. Als Special Guests lud man kurzerhand die Maskenbande Slipknot ein. Über den weiteren Gast wurde lange spekuliert, am Ende reihte sich jedoch ein weiterer Genre-Vorreiter ein: Hatebreed, der Metalcore-Import aus den USA. Ein lauter Abend war daher vorprogrammiert. Kurz nach der Ankündigung sicherte ich mir sogleich auch mein Ticket.

An jenem Tag machte ich mich auch auf dem Weg zur Arena, mit zahlreichen Freunden an meiner Seite. Natürlich kleidete man sich vornehm in Slayer- oder Slipknot-Shirts. Warum auch nicht? Man wollte die Euphorie irgendwie zum Ausdruck bringen. Vor der Halle hatten sich schon eine Handvoll Leute eingefunden, wahlweise in Lederkluften oder reichhaltigem Nietenschmuck. Sie waren alle dabei. Kurz vor acht standen wir dann auch vor der verhältnismäßig großen Bühne und beobachteten eine kleine Rauferei zwischen Slipknot- und Slayer-Fans. Man wurde also auch handgreiflich, wenn es darum ging, „seine“ Band zu verteidigen. Irgendwie erschien mir das ganze doch sehr paradox, denn eigentlich wollten alle nur das eine: Auf ein Konzert gehen. Punkt.

Hatebreed ließen nicht lange auf sich warten, gingen ohne große Begeisterung auf die Bühne und noch während einige Konzertgänger am reden waren, fielen die ersten Akkorde und in den ersten Reihen bildete sich ein riesiger Moshpit, der einer Massenschlägerei recht ähnlich sah. Da ich noch etwas weiter hinten stand, bekam ich keinerlei Fäuste oder Tritte ab. Die Halle war aber noch lange nicht voll. Hatebreed spielten einige ihrer bekannteren Songs („This Is Now“). Ihr Set bestand zum größten Teil aus den Songs aus ihrem aktuellen Album, wenn ich mich recht entsinne. Nach einer Dreiviertelstunde gingen sie aber wieder und waren zudem auch nicht besonders gesprächig.

Mittlerweile war die Halle auch ziemlich voll. Jeder wusste, das Slipknot kommen würde und so drängelten sich die Fans der Band auch weiter nach vorne, mich mit eingeschlossen. Zugegeben, eigentlich war ich wegen Slipknot gekommen, so was sollte man als mehr oder weniger großer Fan nicht verstecken. Mit Slayer wurde das Konzert eigentlich nur mehr als bereichert und sehen wollte ich Slayer sowieso schon immer mal.Slipknot enterten nach einer Umbaupause die Bühne und das Publikum schien vom ersten Takt an mittendrin zu sein.
Sie spielten gewohnt brachial und schrecken vor nichts zurück. Corey Taylor zerstörte während der Show ein Mikrophon, was ihn zwischenzeitlich wohl mehr oder weniger aufregte. Das überraschende war nur, dass das anscheinend keiner recht mitbekam.

In meiner Gegend bildete sich ein kleinerer Pit, der wohl allein aufgrund dessen ganz schön heftig war und ich einmal mehr auf die Fresse flog. Corey Taylor band die Menge von der ersten Minute an voll ein und stachelte die Meute dazu an, ordentlich durchzudrehen. Slipknot spielten diverse Hits („Wait&Bleed“, „Duality“). Ihr Set war ziemlich gemischt. Viel vom ersten Album, einige aus „Iowa“ und eher wenigen aus ihrem aktuellen Album. Ich möchte aber keine Garantie draufsetzen, da ich mich eher dunkel an das Set erinnern kann.
Slipknot spielten etwa 90 Minuten.

Viele Slipknot-Anhänger verabschiedeten sich dann auch. Man hatte als Fan scheinbar nicht das Bedürfnis, sich den Headliner anzusehen. Die Tatsache ließ alle sehr kalt.

Slayer kam nach einer längeren Umbaupause auf die Bühne und wurden mit großer Euphorie empfangen. Mir schien, das die Bühne einfach zu groß war. Die Band könnte gut zweimal draufpassen.
Slayer spielten eine intensive, schnelle Show. Ich kenne nicht wirklich viele Songs von Slayer. Sie spielten eben ihre Klassiker, unter anderem „Raining Blood“. Die Slayer-Fans verhielten sich meiner Meinung nach lange nicht so wild wie Slipknot-Fans. So sah man einen großen Teil der älteren Anhängerschaft teils beim leichten Kopfnicken und teils beim brutalen Headbanging. Die jüngeren Fans verausgabten sich derweil beim pogen. Wie lange Slayer gespielt haben, kann ich nicht wirklich genau sagen. Es müssten etwas mehr als zwei Stunden gewesen sein, vielleicht war es auch mehr.

Wer die Tour verpasst hat, sollte unglücklich sein, denn so eine Konstellation gibt es nicht alle Jahre. Auch wenn ich Slayer vor dem Konzert nicht besonders gut kannte – so hat sich mein Interesse aufgrund ihrer Show ziemlich gesteigert und den Kauf einige ihrer Alben bereits gesichert. Hatebreed (auf die ich mich neben Slipknot auch sehr freute) und Slipknot zeigten, dass nicht jede jüngere und härtere Band gleich New Metal sein muss. Hatebreed bewiesen, wie intensiv Metalcore klingen kann und Slipknot stellten unter Beweis, dass eine kranke Show vielleicht sogar so am besten ist. Lob an alle Bands, die den Besuchern einen unvergesslichen Abend bescherten.


Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: