The Domination Tour 2006 (Cryptopsy w/ Grave, Dew-Scented, Aborted, Vesania, Hurtlocker)

  • Hanau, Halle 2
  • 26. Februar 2006

Und wieder zog es die ganze Mannschaft aus Schwaben ins westdeutsche Hanau bei Frankfurt am Main, diesmal um den Todes-(und Schwarz-) Metallischen Klängen von HURTLOCKER, VESANIA, ABORTED, DEW-SCENTED, GRAVE und CRYPTOPSY auf einem der Konzerte der „The Domination Tour 2006“, auf der die Bands erneut halb Europa bereisten, zu lauschen. Nach einer etwa 7stündigen Zug- und Taxifahrt kam man dann endlich pünktlich zum Konzertbeginn in der Halle2 an. Nach dem auch das Gepäckproblem gelöst war, enterten wir das industriell anmutende Gebäude und das Konzert war schon im Gange. Alina (a) und Moritz (m) berichten…

Als Opener der diesjährigen „The Domination Tour“ fungierte die Band HURTLOCKER. Wenig motiviert gaben sie den ersten Song „I Am Everything Nothing“ zum Besten. Das Publikum blieb eher ruhig und da den meisten die Band nicht bekannt war (was ja auch nicht ungewöhnlich ist, da die Guten ja erst ein Album im Jahre 2005 auf den Markt geschmissen haben), werden vorerst noch ein paar Bierchen gekippt. Nach dem ersten Song gab Sänger Grant Belcher uns zu verstehen, was er von dem wenig begeisterten Publikum hält (nicht besonders viel).Noch nie vor deutschem Publikum aufgetreten? Mit weniger Motivation als zuvor folgten die Songs „Painted Red“, „I Don’t Need You“, „No One Know What“, „Goddamn „Reflection“, „Absolution“ und „End Of An Age“, wobei alle bis auf den letzten ziemlich monoton klangen. Weiterhin blieb nur die erste Reihe in Bewegung. Der abschließende Song „End Of An Age“ war gut gewählt. Ein schneller Song, der auch die bisher wenig Begeisterten zum Headbangen aufforderte (mich eingeschlossen). Dann war die Show vorüber und HURTLOCKER verließen ziemlich schnell die Bühne… (a)

Eine Dreiviertelstunde später standen dann auch schon die polnischen VESANIA auf der Bühne. Die Band um BEHEMOTHs Orion und VADERs Daray konnte schon im Vorfeld über die wenigen Jahre hinweg ein wenig von sich reden machen. Nun begab sich die Allgemeinheit nach dem eher uninteressanten ersten Act doch nach vorne in die erste Reihe, um die Mähne zu schütteln und VESANIA enttäuschten mich mit ihrem melodischen Black Metal in keinster Weise. Hörte ich im Nachhinein einige über den Sound des Sechsers meckern, empfand ich ihn als spitzenmäßig. Die Gitarren tönten deutlich durch die Boxen, das Keyboard war gut zu hören und auch Orions Gesang konnte kaum besser sein. So hatte man das komplette Set der Band, das sowohl Songs des aktuellen Outputs „God The Lux“, als auch des Vorgängers „Firefrost Arcanum“ enthielt, Spaß am Bangen und auch die Bühnenperformance wusste zu gefallen. Auch der etwas arrogante Spucker des Behemoth-Gitarristen trübte nicht über die insgesamt sehr gute Stimmung hinweg, und die Band konnte mich dermaßen überzeugen, dass ich mir kurzerhand etwas Merch zulegte. (m)

Nun war – nach einer kleinen Umbaupause – der von mir so lang herbeigesehnte Moment des Auftritts der belgischen Brutal Death Götter ABORTED gekommen. Ich war durchaus gespannt auf das Lineup, dem der Emeth- und Ex-Agathocles-Gitarrist Matty Dupont (als Live-Sessiongitarrist) und die Balrog- und Ex-No Return-Bassistin (!) Olivia Scemama hinzustießen. Besonders letztere beeindruckte schon vor der Show beim einspielen ihres bundlosen Basses. Man staunte nicht schlecht, als die etwas zierlich und noch etwas gelangweilt wirkende vermeintliche Französin ihre Fingerfertigkeit bewies, indem sie ganz locker mit den Fingern ein paar Tremolos runterspielte. Nun hatte sich also die gesamte Truppe auf der Bühne gesammelt, die Hardware überprüft und dann ertönte auch schon das aus American Psycho stammente Intro des aktuellen Outputs „The Archaic Abbatoir“. Die Spannung stieg … Wurde aber abrupt unterbrochen, als „Dead Wreckoning“, der Opener aus dem aktuellen Album ertönte. Sofort entbrannte eine Bangorgie und man merkte, dass es der Band genausoviel Spaß machte, wie den Fans. Auch der Moshpit ließ nicht lange auf sich warten und als dann „Meticulous Invagination“ ertönte hüpfte mein Herz erst recht. Der Sound war Prima, die Stimmung perfekt und auch die Songauswahl war sehr gut. Von Songs wie „Gestated Rabidity“ über „The Saw And The Carnage Done“ bishin zu „The Holocaust Incarnate“ war von fast allem Material der Band etwas geboten. Eine derartige Stimmung erreichte – meinem Empfinden nach – keine Band mehr an jenem Abend. Keine wurde enttäuscht und schon hier wusste ich, dass sich die lange Reise gelohnt hatte. Genial. (m)

Die Bühne wurde für die deutschen Thrasher DEW-SCENTED geräumt, von denen ich nur ab und zu etwas gehört hatte, was ich auch recht akzeptabel fand. Anfangs war alles noch recht lustig, der Sound war okay, die Songs tönten gut und auch die Musiker scheinten gut gelaunt zu sein. Nur irgendwann klang alles völlig eintönig, immer die selben Drumbeats und kaum auseinanderzuhaltende Soli und Riffs. Auch die Jungs an den Instrumenten begannen es mit dem Heavy-Metal-Klischee irgendwie zu übertreiben, hüpften etwas sinnlos auf der Bühne rum und klopften doofe Sprüche. Aber hier ist es wohl das selbe wie bei HURTLOCKER, wer sowieso auf die Musik steht, wird auch seinen Spaß gehabt haben. Denn die Fans der Band schienen hin und weg zu sein, mich persönlich beeindruckten DEW-SCENTED aber wirklich nicht. (m)

Nach einer kurzen Pause betraten die Old School Death Metaller GRAVE die Bühne und schlugen mit ihren groovigen Riffs richtig zu. Bei den drei Bandmitgliedern merkte man deutlich, dass sie sich über den heutigen Auftritt freuten und an Gitarrist und Sänger Ola Lindgren war zu bemerken, dass er sich über die Anwesenheit von DEW-SCENTED freute (Anmerkung: Er trug ein DEW-SCENDTED Bandshirt). Ganzkörpereinsatz ist bei den Schweden gefragt, dennoch bleiben sie dabei, auf der Stelle zu headbangen ohne sich großartig bewegen zu müssen. Man sah am Publikum, dass GRAVE zwar eine gute Show lieferten, die Anwesenden eifrig ihre Haare schüttelten und die Show genossenen, aber alle sehnsüchtig auf die kanadischen Headliner CRYPTOPSY warteten. (a)

Nun sollte der Augenblick kommen, auf den die meisten so lange gewartet hatten, CRYPTOPSY, die kanadische Death Metal Legende, entert die Bühne. Ein paar Umbauarbeiten werden getätigt, die Band schleppt ihr Equipment auf die Bühne und Drummer Flo Mounier entfernt die Abdeckung seines gar übermächtig wirkenden Schlagzeugs. Dies war eines der Dinge, die mich am meisten an der Band reizten, denn Flo Mounier gilt schon lange als einer der besten Drummer auf seinem Gebiet. Die Show beginnt und schnell zeigt sich wer – für die meisten der Anwesenden – den Abend in der Hand hat. Die Songauswahl ist sehr gut, sowohl von alten Werken, als auch vom neuen Album ist einiges Vertreten. Songs wie „Defenestration“, „Abigor“, „Back To The Worms“, „Cold Hate, Warm Blood“, „Phobophile“ oder „Carrionshine“ überzeugten zwar vom Sound her nicht so wirklich, showmäßig dafür aber umso mehr. Die Band besaß eine seltsame aber interessante Ausstrahlung, was wohl auch vom zurückgekehrten Sänger Lord Worm herrührte. Selbiger hüpfte übrigens wie ein Irrer auf der Bühne rum, guckte alle schief an, ließ ein paar klischeehafte Sprüche und agierte wie auf Droge, bat aber das Publikum darum, sich im sofort entstandenen Moshpit möglichst keine Knochen zu brechen. Insgesamt ist also zu sagen, dass gerade Lord Worm dem Auftritt einen gewissen Schliff von krankem Metal Klischee verlieh. Vom ersten bis zum letzten Moment an wurde ordentlich durchgebangt und auch wenn ich von CRYPTOPSY klangtechnisch ein wenig mehr erwartet hatte, war der Auftritt sehr gelungen. (m)

Alles in allem war dieses ganze Konzert der „The Domination Tour 2006“ eine Freude für jeden Metalhead. Mich persönlich überzeugten vor allem ABORTED und VESANIA, aber auch den Auftritt CRYPTOPSYs möchte man im Nachhinein nicht gemisst haben. So verließ man gegen Mitternacht die Location und der wahre Horror sollte erst beginnen. Nachts 9 Stunden in Hanau bei Minusgraden auf einen Zug warten ist wahrlich kein Plaisir, um mal zu untertreiben. Letztenendes war es das dann eigentlich doch wert. Zuletzt noch vielen Dank an Alina für die Beteiligung am Bericht und die zahlreichen tollen Fotos. Und falls die Stadt Hanau das hier zu lesen bekommen sollte: Beheizt verdammt nochmal euren Bahnhof! (m)


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