Konzertbericht: Transatlantic

09.03.2014 Köln, E-Werk

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Als TRANSATLANTIC 2010 nach sieben Jahren Funkstille ihr „Reunion“-Album „The Whirlwind“ live präsentierten, sorgten sie allerorts für prall gefüllte Hallen und offene Münder. Wie beliebt und groß die Prog-Supergroup mittlerweile geworden ist, zeigt auch der sensationelle Charteinstieg ihrer neuen Platte „Kaleidoscope“ auf Platz 6 der deutschen und niederländischen Albumcharts. Wir wollten wissen, ob das neue Material auch live so gut ankommt und waren für euch am 9. März 2014 im Kölner E-Werk, auf dem letzten Deutschland-Konzert der laufenden TRANSATLANTIC-Tour.

Als um 20 Uhr auf der großen Projektionsfläche eine Animation des aktuellen Albumcovers erscheint und dazu orchestral arrangierte TRANSATLANTIC-Themen ertönen, macht sich zunächst ein wenig Ernüchterung breit: Die Projektionsqualität ist miserabel, die Intromusik elendig lang und die Animation eintönig. Zu allem Überfluss ist die Hallenbeleuchtung des E-Werks noch an. Nach gefühlten zehn Minuten geht endlich das Licht aus und die Band betritt zur atmosphärischen Eröffnung von „Into The Blue“, dem Opener des neuen Albums, die Bühne.

Was dann folgt, lässt alle Anwesenden das seltsame Intro schnell vergessen: Keyboarder und Sänger Neal Morse (ex-Spock’s Beard), Gitarrist Roine Stolt (Flower Kings), Bassist Pete Trewavas (Marillion) und Schlagzeuger Mike Portnoy (ex-Dream Theater) überzeugen von der ersten Sekunde an mit einer grandiosen Bühnenpräsenz, großer Leidenschaft und fulminanter Spielfreude.

transatlantic-band2Unterstützt wird das Quartett von Gastmusiker Ted Leonard (Spock’s Beard, Enchant, Affector), der ständig zwischen Backgroundvocals, Keyboards und Gitarre wechselt und seine Sache sehr gut macht, dabei aber größtenteils unauffällig im Hintergrund bleibt. Insofern ist er das ganze Gegenteil von Bühnensau Daniel Gildenlöw, der ursprünglich als Verstärkung von TRANSATLANTIC angekündigt war, aber aufgrund einer schweren Infektion die komplette Tour absagen musste. Seinen stärksten und wichtigsten Einsatz hatte Ted Leonard bei „Written In Your Heart“, einem ruhigen Teilstück von „Into The Blue“, das auf dem Album von Gildenlöw gesungen wird: Ted interpretierte die schwierigen, hohen Gesangspassagen absolut fehlerfrei und hingebungsvoll und drückte ihnen gleichzeitig seinen eigenen Stempel auf – sehr schön!

Die Stimmung im Publikum ist gut, auch wenn es zu Beginn ein wenig Zeit braucht, um warm zu werden. Das ist etwas schade, schließlich nehmen TRANSATLANTIC am heutigen Abend ihre neue Blu-ray/DVD auf. Gerade anfangs motiviert Schlagzeuger Mike Portnoy die anwesende Menge deshalb immer wieder mit Armbewegungen zu mehr Lebendigkeit. Etwa 1600 Fans füllen das E-Werk gut aus, bringen es aber nicht an seine Kapazitätsgrenze; wirklich angenehm, nachdem die Prog-Supergroup vor vier Jahren die Kölner Live Music Hall derart zum Platzen gebracht hatte, dass nach der Hälfte der Show immer noch Leute draußen standen.

transatlantic-kaleidoscope-coverDie Band selbst zeigt sich sichtlich überzeugt vom neuen Album: Jeder Song von „Kaleidoscope“ wird gespielt, sogar die sehr ruhige und nachdenkliche Neal-Morse-Nummer „Beyond The Sun“. Neal trägt das Stück allein vor, in der Mitte der großen dunklen Bühne stehend und nur von einem weißen Strahler erleuchtet. Sein Gesang geht durch Mark und Bein und macht das Lied zu einem emotionalen Höhepunkt des Abends. Weitere Highlights sind das rockige „Black As The Sky“ sowie das „Whirlwind“-Medley mit dem epischen „Rose Colored Glasses“ und dem instrumental rasanten „Is It Really Happening“.

Im Gegensatz zur 2010er-Tour ist die Show dieses Mal eine ganze ¾-Stunde kürzer, mit einer Spielzeit von 160 Minuten aber dennoch überdurchschnittlich lang und dem Slogan „An Evening with Transatlantic“ absolut angemessen. Eine Überraschung ist heute das sehr geschmackvolle Gitarrenduett von Neal Morse und Roine Stolt, das zu großen Teilen improvisiert wirkt. Selbstverständlich darf auch der Bandklassiker „We All Need Some Light“ nicht fehlen, der direkt im Anschluss mit starker Unterstützung des Publikums zum Besten gegeben wird.

transatlantic-bandAls immerhin fast 30-minütige Zugabe kombinieren TRANSATLANTIC die erste Hälfte des Longtracks „All Of The Above“ mit dem Gänsehaut-Ende des Epics „Stranger In Your Soul“ – ein würdiger Abschluss für einen wirklich großartigen Abend mit gleichsam virtuoser wie emotionaler Musik!

Ohne Frage: TRANSATLANTIC können live voll und ganz überzeugen und finden die richtige Mischung aus Qualität und Spaß. Die Spielfreude der Band ist zu jeder Sekunde spürbar und überträgt sich direkt aufs Publikum. Die stellenweise arg verwaschenen und kitschigen Videoprojektionen konnten dieses hohe Niveau zwar nicht halten, trübten das Konzerterlebnis letztendlich aber nicht nachhaltig.

Setlist TRANSATLANTIC:

01. Intro
02. Into The Blue
03. My New World
04. Shine
05. Whirlwind Medley
06. Beyond The Sun
07. Kaleidoscope
08. Guitar Duet (Morse & Stolt)
09. We All Need Some Light
10. Black As The Sky

11. All Of The Above / Stranger In Your Soul (Medley)

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