CD-Review: Al-Namrood - Estorat Taghoot

Besetzung

Mukadars - Gesang
Mephisto - Gitarre, Bass, Percussion
Darius - Schlagzeug, Percussion
Ostron - Keyboard, Percussion

Tracklist

01. Arousal At Nebuchadnezzar Fortress
02. Junood Al Amjaad
03. Estorat Taghoot
04. Ma Kan Mn AlDahr Mundthera
05. Endma Tuqsaf Al Ru'os
06. Ma'dabt Al Audhama
07. Fe Youm Thaqeef
08. Wata'a Bakhtanasar
09. Laylat Ghabra'a
10. Asda' Al Dmar
11. Ajal Babel


Ratlosigkeit stand mir nach meinem ersten Kontakt zur Musik von AL-NAMROOD vor ein paar Monaten ins Gesicht geschrieben – war ich ob der Tatsache, wie sehr sich das unterschiedliche Musikverständnis von Europäern und Arabischern sogar im Black Metal bemerkbar macht, so bass erstaunt, dass ich mich nicht zu einer objektiven Punktwertung für das Debüt-Album „Astfhl Al Tha’r “ befähigt sah… wie soll man schließlich die Qualität einer Melodie, die nach europäischem Musikverständnis schlicht und ergreifend schräg klingt, objektiv bewerten?

Nun liegt nach einiger Wartezeit mit „Estorat Taghoot“ das neue, zweite Album der Saudi-Araber auf meinem Schreibtisch beziehungsweise in meinem CD-Player – neuer Anlauf, neues Glück: „Play“ gedrückt und hinein ins Vergnügen.
Wo mich der Anfang von „Astfhl Al Tha’r“ noch verwirren konnte, erfüllt der Opener „Arousal At Nebuchadnezzar Fortress“ dieses Mal ganz meine aus der Kenntnis des Vorgängeralbums gewachsenen Erwartungen: Ein atmosphärisches Intro, das für den im Okzident heimischen Hörer fast schon klischeehaft orientalisch klingt, eröffnet, begleitet von gekonntem Percussionspiel das Album durchaus gelungen. Die mit dem darauffolgenden „Junood Al Amjaad“ losbrechende Hölle offenbart sogleich zwei Fakten: Zum einen haben AL-NAMROOD kräftig am Sound gearbeitet, klingt das, was hier aus den Boxen schallt, zwar immernoch ziemlich roh und undergroundig, jedoch dabei weitaus druckvoller als noch auf „Astfhl Al Tha’r“, zum Anderen sind AL-NAMROOD, im guten, wie im Schlechten, immernoch AL-NAMROOD. Mit anderen Worten: Auch „Estorat Taghoot“ weiß mit ausgefeilten Riffs und Melodien aufzuwarten, und auch dieses Mal sind nicht alle davon für europäische Ohren gemacht, wie es scheint.
Ob es dabei nur am markigeren Klang oder doch den Kompositionen liegt, ist nicht eindeutig festzustellen… auf alle Fälle wirkt „Estorat Taghoot“ alles in allem einen ganzen Zacken aggressiver als sein Vorgänger. Geblieben ist dabei jedoch, wie bereits angedeutet, der unverkennbare Einfluss des Kulturkreises, dem AL-NAMROOD entstammen: Nicht nur in den mit traditionellen Saiteninsturmenten dargebotetenen Passagen, nein, gerade in den „normalen“, die Songs tragenden Riffs sind für den Europäer gänzlich fremdartige Tonfolgen die Regel. Das mag sich zwar in unseren Ohren nicht immer schön anhören, sorgt aber dafür, dass AL-NAMROOD auf alle Fälle eines sind: Authentisch. Denn wo andere Kapellen ihre durchschnittliche Musik dadurch aufzuerweten versuchen, dass die pseudo-orientalische Passagen einbauen, merkt man AL-NAMROOD ihre Herkunft in jedem Takt ihres Schaffens an.

Auch wenn AL-NAMROOD die Vielseitigkeit des Debüts nicht toppen können, bieten sie auf ihrem zweiten Album doch erneut eine mehr als individuellen Mix aus traditionellen Tonsystemen und skandinavischem True Black Metal, wie zumindest ich sie bislang von keiner anderen Fomation gehört habe. Werde ich auch vielleicht, nicht zuletzt ob des mir in qualvollen Stunden schulischen Musikunterrichts anerzogenen Musikverständnisses, nie der größte Fan des musikalischen Schaffens dieser Band, so ringt es mir doch ein ums andere Mal Bewunderung ab, wie mühelos sich das Konzept Black Metal in andere Kulturkreise transferieren lässt, ohne dabei an Bösartigkeit, Authetizität oder Ausdruckskraft zu verlieren. Sicherlich nichts für jedermann, der interessierte und aufgeschlossene Extreme-Metal-Freak sollte sich diese Bewusstseinserweiterung jedoch keinesfalls entgehen lassen. Konsequenter Weise verbleibe ich jedoch auch dieses Mal wertungsfrei.

Keine Wertung

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