CD-Review: Al-Namrood - Astfhl Al Tha'r

Besetzung

Mukadars - Gesang
Mephisto - Gitarre, Bass, Percussion
Ostron - Keyboard, Percussion

Tracklist

01. A'hd Al Jahiliyah
02. Ebadt Al Bashar
03. Entesarat Al Ashawes
04. Fe Al Diajee Td'hudh Nafs Rakhisa
05. Fe Zafrat Al Mout
06. Naqoos Alkhatar
07. Ya'jooj Wa Ma'jool
08. Jabaroot Al Shar
09. Seher Aswad
10. Sadam, Ramz Al Btula


Ein verdutzter Gesichtsausdruck war, als ich AL-NAMROODs Debüt-Album „Astfhl Al Tha’r“ das ersten Mal hörte, unvermeidlich: Dass der Vorspann des legendären „Asterix bei Cleopatra“-Zeichentrickfilms das erste sein könnte, was mir zum Debüt einer Black-Metal-Band aus Saudi-Arabien in den Sinn kommt, kam auch für mich überraschend. Andererseits: Was hätte man hier sonst erwarten sollen? Vielleicht überraschte auch schlicht die Tatsache, dass das Beiwerk, das sich hier um den gewöhnlichen Black Metal rankt, genau so klingt, wie man sich das eben aus der arabischen Welt erwartet.

Denn „Astfhl Al Tha’r“ bedient sich bereits in den ersten Klängen dessen, was wir wohl als Paradebeispiel für den Oberbegriff „orientalische Musik“ heranziehen würden. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe von Musikern und westlichem Konsument offenbaren sich dabei jedoch ebenfalls schon bei den ersten Tönen – sind die traditionellen Instrumente, auf denen AL-NAMROOD musizieren, entweder einem anderen Tonsystem folgend gestimmt (die Gitarren jedoch offensichtlich nicht) oder aber schlicht und ergreifend garnicht. Für ein westlich geprägtes Ohr bereits klingt hier jedenfalls einiges je nach Auffassung grob schief oder aber verdammt exotisch.

Dies mag nicht immer einfach zu verkraften sein, wirkt die ein oder andere Passage doch auch für Ottonormalschwarzmetaller ohne absolutes Gehör etwas arg sinister. Andererseits verleiht das dem Album ein großes Maß an Authentizität: AL-NAMROOD gelingt es spielend, die traditionellen Melodieführungen und Instrumente mit Black Metal, wie man ihn auch aus Skandinavien kennt, zu verbinden. Hier wirkt nichts aufgesetzt, gekünstelt oder gewollt – stattdessen verschmelzen traditionelle Elemente und Schwarzmetall, als wäre arabischer Black Metal das Natürlichste der Welt. Neben den gewöhnungsbedürftigen Tonfolgen schreckt dabei vor allem der Sound von „Astfhl Al Tha’r“ zunächst etwas ab, klingt dieser doch an westlichem Standard gemessen doch wirklich sehr „true“: Die Gitarren sägen quasi nur im Bereich der oberen Mitten und Höhen, das Schlagzeug wummert und klirrt irgendwo im Hintergrund, Bass ist garkeiner zu vernehmen und der Gesang sticht vor allem durch die Menge an Hall, die darauf liegt, hervor – ganz im Geiste des „True Norwegian Black Metal“ also.

Das alles klingt auf den ersten Blick wohl nicht sonderlich positiv, und dennoch weigere ich mich, „Astfhl Al Tha’r“ am Ende schlecht darstehen zu lassen. Aus zwei guten Gründen: Zum einen ist es für eine Metal-Band wohl schwer genug, in einem Land wie Saudi Arabien überhaupt zu existieren, sodass es schlicht unfair wäre, an die Produktion europäische Maßstäbe anzulegen; zum anderen ist „Astfhl Al Tha’r“ bei aller geäußerter Kritik ein wirklich interessantes Album – denn hat man sich etwas in das Material eingehört und ist so in der Lage, die genannten Kritikpunkte auszuklammern, legen AL-NAMROOD ein abwechslungsreiches Debüt vor, das wohl auch dem erfahrendsten und kundigsten Black Metaller noch einige neue Facetten „seines“ Genres aufzuweisen in der Lage ist.

Auf dieser Basis kann „Astfhl Al Tha’r“ kaum objektiv bewertet werden – weder eine sonderlich gute, noch eine sonderlich schlechte Bewertung erscheinen hier treffend. Da das Album aber auch alles, nur kein gewöhnlicher Durchschnitt ist, verbleibe ich dieses Mal ohne Wertung, dafür unter genannten Vorbehalten mit einer klaren Empfehlung an jeden experimentierfreudigen und weltoffenen Black Metaller: Auch wenn ich mich nach multiplen Durchläufen immernoch schwer tue, bei manchen Tonfolgen nicht mit den Zähnen zu knirschen, ist „Astfhl Al Tha’r“ zumindest garantiert horizonterweiternd … denn etwas Vergleichbares gibt es schlicht und ergreifend noch nicht.


Als Vertreter ihrer Heimat SAUDI-ARABIEN sind AL-NAMROOD in unserem Buch „Metallisierte Welt“ vertreten!

>> zum Shop des Hirnkost-Verlags!

>> zur offiziellen Facebook-Page!

Keine Wertung

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: