CD-Review: Cantique Lépreux - Paysages Polaires

Besetzung

Blanc Feu – Gesang, Gitarre
Matrak – Bass
Cadavre – Schlagzeug

Tracklist

01. Le Feu Secret
02. Les Étoiles Endeuillées
03. Paysages Polaires I
04. Paysages Polaires II
05. Paysages Polaires III
06. Hélas...
07. Le Fléau


Schon immer hatte der Winter einen festen Platz im Themenkanon des Black Metals – schließlich nahm die Musikrichtung, die man heutzutage mit diesem Terminus bezeichnet, ihren Anfang in den frostigen Gefilden Skandinaviens. Nachdem Mosaic die kalte Jahreszeit auf „Old Man’s Wyntar“ bereits auf unvergleichliche Weise vertonten, haben sich nun auch ihre kanadischen Labelkollegen CANTIQUE LÉPREUX daran gemacht, den Monaten des Schnees und Eises ihre Ehrerbietung zu erweisen. „Paysages Polaires“ nennt sich das zweite Album des Trios, das nicht nur aufgrund seines Titels und Artworks keinen Zweifel daran lässt, dass der Winter im Norden Amerikas genau so erbarmungslos zu wüten vermag wie in Norwegen oder Finnland.

Schon im Zuge der ersten paar Töne, die CANTIQUE LÉPREUX ihren Instrumenten entreißen, fühlt man sich in den Fängen eines tosenden Blizzards. Rasante, jeden Funken Wärme auslöschende Tremolo-Riffs und überwältigende Blast-Beats bilden eine unüberwindbare Sturmfront, während hymnischer Chorgesang in all dieser Klanggewalt von einer ehrfurchtgebietenden Erhabenheit kündet. Auch nach diesem machtvollen Auftakt kommen die heulenden Winde, die „Paysages Polaires“ heimsuchen, kaum jemals zum Erliegen.

CANTIQUE LÉPREUX spielen praktisch durchgehend auf der höchsten Intensitätsstufe – kompositorische Eintönigkeit kann man den Kanadiern allerdings nicht vorwerfen. Zwar bilden gemäßigtere Nummern wie das schleppende „Le Fléau“ im Zuge der dreiviertelstündigen Laufzeit definitiv die Ausnahme und stilistisch gibt es kaum Einzigartiges zu entdecken, doch die Vielseitigkeit, die hier selbst den rabiatesten Soundexzessen innewohnt, sucht ihresgleichen. Gesanglich gibt es neben den bereits erwähnten Chor-Vocals verschieden hohe Screams, die von kernig knurrend bis verzweifelt kreischend reichen, zu bewundern, während mithilfe der Gitarren die Dramatik des Ankämpfens gegen den drohenden Kältetod eingefangen wird.

Ein besonderer Geniestreich ist CANTIQUE LÉPREUX diesbezüglich mit dem Solo auf „Hélas…“ gelungen, das ebenso gut auf Dissections „Storm Of The Light‘s Bane“ gepasst hätte. Dem ungezähmten Naturell der Songs entsprechend klingt „Paysages Polaires“ rau und ungeschliffen, aber keineswegs zu dünn oder lo-fi. Ungeachtet der Tatsache, dass die Übergänge zwischen den und innerhalb der sieben Tracks bisweilen ein bisschen holprig wirken, haben CANTIQUE LÉPREUX somit ein vollkommen konsistentes und packendes Album geschaffen.

Abgesehen von ein paar wenigen Einschüben wie etwa den Clean-Vocals auf dem Opener „Le Feu Secret“ oder den gelegentlich aus dem Hintergrund ans Ohr dringenden Akustikgitarren weichen CANTIQUE LÉPREUX auf „Paysages Polaires“ praktisch nie von ihrem orkanartigen Grundsound ab. Dass die Kanadier es dennoch bewerkstelligt haben, eine variationsreiche, mitreißende, epische und sogar halbwegs eingängige Platte zu schaffen, ist eine wahrhaft bemerkenswerte Leistung. Aktuell gibt es zwar gewiss innovativere Bands, die eine ähnliche Atmosphäre erzeugen, dennoch brauchen sich CANTIQUE LÉPREUX selbst vor großen Namen wie Dissection oder Immortal nicht verstecken.

Bewertung: 8 / 10

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