Review Carpenter Brut – Leather Temple

  • Label: No Quarter Prod
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Electronic

Nun ist es also so weit: Franck Hueso aka CARPENTER BRUT schickt seinen Protagonisten „Leather Teeth“ auf ein letztes großes Abenteuer – in die Rebellion gegen den finalen Antagonisten „Iron Tusk“. Vom Rockstar über den Antihelden zum wiedererweckten Cyborg – was für ein Weg. 2018 mit „Leather Teeth“ gestartet und 2022 durch das düstere „Leather Terror“ fortgesetzt, liegt nun mit „Leather Temple“ der finale Teil dieser Trilogie vor.

Die „Overture (Deus Ex Machina)“ eröffnet diesen letzten Akt durch die Verschmelzung opulenter Orgelklänge mit den für CARPENTER BRUT typischen Retro-Synthesizer-Flächen und formt einen fast zeremoniell anmutenden Einstieg. Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: Wer sich an Orgeln stört, könnte mit „Leather Temple“ durchaus Probleme bekommen. Dem zum Trotz präsentiert sich das folgende „Major Threat“ als nächste Eskalationsstufe der Platte. Eine einzelne Synth-Line schleicht sich vorsichtig aus der Defensive, um – von einem straighten Drumbeat getragen – vielseitige Auswüchse anzunehmen. Schön ist zudem, dass es CARPENTER BRUT gelingt, die Bedrohlichkeit von „Leather Terror“ mit der Eleganz von „Leather Teeth“ zu kombinieren und dabei die Epik der „Overture“ im Blick zu behalten.

Die Opulenz seiner beiden Vorgänger kontert das titelgebende „Leather Temple“ mit einer regelrechten Wand fieser Synths. Die Drums treiben den Druck hier auf ein Maximum. In seiner Durchschlagskraft hätte dieser Titel hervorragend in den zweiten Teil der Trilogie gepasst – im Kontext des neuen CARPENTER-BRUT-Albums ist „Leather Temple“ einer der kompromissloseren Songs. Demgegenüber wirkt ein Stück wie „Neon Requiem“ beinahe konträr. Durch die Verlagerung des Fokus von prägnanten Beats hin zu sanften, aber erhabenen Melodien fühlt man sich wie in einem futuristischen Actionfilm. Ein stilvoll eingesetztes Saxophon setzt dabei nicht nur einen gelungenen Kontrast, sondern unterstreicht auch den schmissigen Retro-Drive der Nummer.

Stimmungstechnisch anders gelagert, aber nicht minder stimmig setzt Hueso auf „Iron Sanctuary“ weniger auf heroische Synth-Türme. Ganz im Gegenteil: Das Stück treibt gewaltig an, ohne an Größe einzubüßen. Ein Eindruck, den „The Misfits The Rebels“ und „Speed Or Perish“ unterstreichen. Beide Tracks preschen mit ungeheurer Kraft vorwärts und lassen mit ihren (er)drückenden Synth-Layern kaum Luft zum Atmen. Das kaschiert zugleich den im Grunde oft ähnlichen Rhythmus von „Leather Temple“. Ein Gefühl, das der anmutige wie gewaltige Schlusspunkt „The End Complete“ mit seinem epischen und melodisch feinen Finale beiseitewischt. Das Stück fühlt sich an wie das letzte Aufbäumen von Bret „Leather Teeth“ Halford vor der großen Stille nach dem Aufstand.

Man kann es nicht anders sagen: Ein würdigeres Ende hätte die „Leather“-Trilogie kaum finden können. CARPENTER BRUT gelingt es, die vorherigen Alben schlüssig in „Leather Temple“ kulminieren zu lassen. Herausgekommen ist ein Album, das Härte, Tanzbarkeit und Epik überzeugend vereint, ohne sich zu stark vom Gesamtwerk abzusetzen. Zwar ist „Leather Temple“ etwas weniger mutig als sein Vorgänger und auch auf Gesang muss man diesmal verzichten, dennoch wirkt das Ende der Reise von „Leather Teeth“ wie eine auserzählte Geschichte. Nach drei so spannenden wie unterschiedlichen Alben darf man gespannt sein, was auf „Leather Temple“ folgen mag.

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Wertung: 8.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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