Celeste Assassines Coverart 2022
Januar 2022

Review Celeste – Assassine(s)

Schroff und doch „groovy“, straight und trotzdem nicht „true“, melodisch aber nicht melancholisch: Auf bislang sechs Alben haben die CELESTE ihre ganz eigene Form von Härte etabliert. Fünf Jahre nachdem sie diese auf „Infidèle(s)“ zuletzt unter Beweis gestellt hatten, legen die Franzosen nun nach: „Assassine(s)“ lautet der bandtypisch abgefasste Titel des neuen Werkes, dessen Coverbild der Fotografin Mira Nedyalkova ganz in der Tradition der kraftvoller Einzelportraits von Martyna Dziekan auf „Morte(s) Nee(s)“ und „Animale(s)“ steht.

Zumindest in zwei Punkten ist dieses siebte Full-Length aber auch untypisch: Nie zuvor in ihrer 15-jährigen Karriere war der Abstand zum vorangegangenen Album so groß – und erstmalig erscheint mit „Assassine(s)“ ein CELESTE-Release nicht über Denovali Records. Ein Zusammenhang ist zumindest denkbar: Bei einem Major wie Nuclear Blast genießt das sicher keine Vorzugsbehandlung mehr – und müssen sich vermutlich in einen lang vorausgeplanten Release-Kalender einreihen.

Doch was erwartet den Hörer nun, da es endlich da ist, auf „Assassine(s)“? Was neben dem herausragenden Artwork direkt auffällt, ist die Weiterentwicklung im Sound bassbetonter und damit druckvoller und „sludgeiger“ denn je wuchtet sich der Opener „Des Torrents De Coups“ aus den Boxen. Da der Song auch musikalisch ein stark doomiges Feeling hat, liegen Vergleiche zu Post-Metal-Bands wie Hemelbestormer, Cult Of Luna oder Gloson auf der Hand. Und doch ist es mehr als der Sound, der „Assassine(s)“ von seinen Vorgängern abhebt. Hinter der vordergründig aufrechterhaltenen Wand aus schroffer Härte verstecken CELESTE mehr ruhige Momente denn je: Breaks und kurze melodische Einsprengsel, aber auch ausladende Leadmelodien („Elle Se Répète Froidement“) oder sogar Frauengesang („Le Coeur Noir Charbon“). Auch einen vorwiegend ruhigen Song wie das Instrumental „(A)“ hätte man von CELESTE bislang wohl als unvorstellbar erachtet.

Zugleich bleiben CELESTE aber unverkennbar CELESTE: Das liegt in erster Linie natürlich am gewohntermaßen auf Französisch gescreamten Gesang, aber auch am charakteristisch gezogenen Post-Metal-Riffing. Dass dieses mit seinem hohen Groove-Metal-Anteil mitunter stark an ihre Landsmänner von Gojira erinnert („De Tes Yeux Bleus Perlés“), folgt der inneren Logik von „Assassine(s)“ – auch dieser Aspekt nimmt dem Album ein Quantum schroffer Rohheit, gibt ihm dafür eine ganz neue, kalte Härte und sorgt, aufs Album wie auch die Bandkdiskografie gesehen, für erfreulichen Abwechslungsreichtum.

Damit ist man beim springenden Punkt: Wer an CELESTE vornehmlich ihre kompromisslose Aggressivität mit Wurzeln im Screamo und Post-Hardcore gefeiert hat, könnte von „Assassine(s)“ irritiert sein. Seine Aggression kanalisiert sich nämlich oftmals eher in sludgeiger Wucht denn in rasendem Post-(Black-)Metal. Mit etwas Umgewöhnungszeit liegt jedoch gerade darin die Stärke des Albums. Denn CELESTE gelingt diese Transformation durch das Manipulieren nur weniger Stellschrauben: Wenngleich nun oft anders herbeigeführt, bleibt die unverkennbare CELESTE-Atmosphäre doch erhalten. Das ist eine reife Leistung – und straft all jene Lügen, die den Franzosen bislang eine zu geradlinige Herangehensweise vorgeworfen haben.

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Anmerkung der Redaktion: In einer frühen Version des Textes hieß es fälschlicherweise, Produzent Chris Edrich sei auch für Gojira und Tesseract tätig gewesen.

Wertung: 8.5 / 10

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