CD-Review: Celeste - Infidèle(s)

September 2017

Besetzung

Johan - Gesang, Bass
Sébastien - Gitarre
Guillaume - Gitarre
Royer - Schlagzeug

Tracklist

01. Cette Chute Brutale
02. Comme Des Amants En Reflet
03. Tes Amours Noirs Illusoires
04. Sombres Sont Tes Déboires
05. À La Gloire Du Néant
06. Sotte, Sans Devenir
07. (I)
08. Entre Deux Vagues
09. De l'Ivresse Au Dégoût
10. Sans Coeur Et Sans Corps


(Post-Hardcore / Black Metal / Sludge) Sucht man nach einem Beispiel dafür, dass die Grenzen zwischen Back Metal und Hardcore mittlerweile fließend sind, sobald man dem Genre-Namen ein „Post“ voran stellt, ist bei CELESTE richtig. Seit nunmehr zwölf Jahren musizieren die vier Herren aus Lyon irgendwo in der Grauzone beider Sparten. Und das absolut mitreißend.

Nach beachtlichen vier Veröffentlichungen in den Jahren 2007 bis 2010 haben die Franzosen ihr Releasetempo zuletzt heruntergeschraubt: Bereits für Album Nummer vier, „Animale(s)“, ließen sich CELESTE drei Jahre Zeit. Für die Fertigstellung des nun erschienenen Nachfolgers „Infidèle(s)“ benötigten sie sogar vier Jahre. Die Zeit scheint jedoch gut investiert.

Bereits der Opener, „Cette Chute Brutale“ ist ein regelrechter Tritt ins Gemächt: Roh und brutal springt der Song dem Hörer förmlich aus den Boxen entgegen. Wie in der Musik, so steckt auch im Mix reinste Aggression – hart, steril und druckvoll untermauert er diesen ersten Eindruck. Die Doublebass, die mit dem Attack einer MG aus den Boxen tackert, ist symbolisch für den aggressiven Ton, den CELESTE diesmal anschlagen.

Sieht man vom Sound ab, ist bei CELESTE vieles beim Alten geblieben: Black-Metal-Schlagzeug fügt sich mit Post-Hardcore-Gesang und Riffs aus dem Sludge- oder Post-Metal-Sektor zum unverkennbaren Stil von CELESTE zusammen: Hinsichtlich der Gitarren prägen weiterhin vornehmlich langatmige, meist durchgehend geschrammelte Akkordfolgen mit wenig Akzentuierungen, dafür massenweise Dissonanzen das Bild. Verschnaufpausen wie die zweite Hälfte von „Sombres Sont Tes Deboires“ eine darstellt gibt es nur selten. Und wenn, bieten diese kaum Gelegenheit für mehr als ein, zwei Atemzüge, ehe der Wahnsinn weitergeht.

Das klingt nicht per se spannend – und tatsächlich ist die Frage, ob „Infidèle(s)“ ein „spannendes“ Album ist, nicht ganz trivial. Durch viele Wiederholungen, quasi kultivierte Monotonie, und den sehr charakteristischen Stil der Band, der auch diesmal in sämtlichen Songs zum Ausdruck gebracht wird, ist es nicht etwa Abwechslungsreichtum oder Innovation, womit CELESTE hier punkten.

Allein die hässliche Attitüde, die unterschwellige Aggression, die den Kompositionen innewohnt, macht „Infidèle(s)“ jedoch zu einem faszinierenden Album, dem nicht nur altgediente CELESTE-Fans den einen oder anderen Durchlauf gönnen sollten. Wer mit der Band jedoch noch nie etwas anzufangen wusste, den überzeugen CELESTE wohl auch im fünften Anlauf nicht.

Bewertung: 8 / 10

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