Counterparts: A Eulogy For Those Still Here Albumcover
Oktober 2022

Review Counterparts – A Eulogy For Those Still Here

Die Liebe zu jeder Band basiert meist auf einem speziellen, eigenen Sound, den sie kreiert. Oft genug entwickeln Bands ihren Stil (zu Recht) weiter. Für eingefleischte Fans häufig rein subjektiv betrachtet zum Schlechteren. Dass stetiger Wandel, ob in der Musik oder in der weiten Welt, insgesamt etwas Gutes ist, ändert jedoch nichts daran, dass sich ein jeder hier und da nach festen Pfeilern in seinem Leben sehnt. Ein solcher sind nun schon seit 15 Jahren die Kanadier von COUNTERPARTS. Wenn man eine Platte der Band kauft, so weiß man seit sechs Alben stets, was einen erwartet: Verspielter, melodischer Hardcore mit erschütternden, grandiosen Texten. Auch die Singles für den neuesten Output „A Eulogy For Those Still Here“ ließen exakt dies erahnen. Und so begegnet man dem siebten Full-Length des Quintetts schon mit einer großen Portion Optimismus.

Den Optimismus, den die Musik von COUNTERPARTS beim Hörer auslöst, sucht man auf den Releases der Truppe seit jeher vergeblich. So schreibt Frontmann Brendan Murphy schon immer äußerst bittere Texte, in denen er seine Depressionen metaphorisch und ungeschönt verarbeitet. Das Besondere an „A Eulogy For Those Still Here“ ist diesmal allerdings, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt: Murphy verabschiedet sich von Personen, von seiner Katze, von Gefühlen und sogar von seiner Band, um möglichen Trennungen zuvorzukommen und mental einen Schritt voraus zu sein. So sagt er selbst: „Viele dieser Songs lesen sich so, als würde ich die Trauerrede auf einer Beerdigung halten, obwohl das Thema, über das ich geschrieben habe, noch sehr lebendig ist – und auch anwesend.“

Bis auf abermalige Wechsel im Line-up ändert sich sonst kaum etwas im Hause COUNTERPARTS. Und selbst die „neuen“ Gitarristen Alex Re und Jesse Doreen waren schon auf den ersten drei bzw. vier Alben der Band vertreten. Gerade durch Res Rückkehr erhöht sich der Klargesangsanteil wieder leicht, wird jedoch nach wie vor nur an wenigen, dafür aber passenden Stellen als sinnvolles Stilmittel eingesetzt. So beispielsweise im abwechslungsreichen „Bound To The Burn“, das im Refrain von schönen Gitarrenleads getragen und in den Strophen von groovigen Riffs getrieben wird.

Die Dichte aus hervorragend arrangierten Melodien und brachialen Breakdowns ist wie immer äußerst hoch, die Grenze zwischen träumerischen und vernichtenden Parts verschwimmend. So auch auf der ersten veröffentlichten Single „Unwavering Vow“, auf der Murphy sich mit äußerst eindrucksvollen Lyrics von einer ihm verhassten Person verabschiedet („In my dreams I watched you die, now I can’t wait to close my eyes“).

Highlights finden sich auf dem angenehme 33 Minuten langen Werk zu Genüge: Da sind die besonders emotionalen und eingängigen „A Eulogy For Those Still Here“ und „A Mass Grave Of Saints“, das flinke „Sworn To Silence“ oder das sich in der Intensität steigernde „Skin Beneath A Scar“. Ein zusätzliches Schmankerl haben sich COUNTERPARTS auch für ihre alten Fans einfallen lassen: „Soil II“ knüpft mit seiner Melodie nahtlos an den letzten Track von „The Difference Between Hell And Home“ von 2012 an. Die Kanadier greifen die ruhige Stimmung des damaligen Outros auf, führen es mit einem emotionalen Solo fort und beenden es mit einem mächtigen Breakdown. „Soil II“ funktioniert nicht nur in direkter Kombination mit seinem ersten Teil, sondern auch auf der Platte brillant: So verbindet es den recht melodischen Track „What Mirrors Might Reflect“ mit dem vielleicht härtesten der Platte, „Flesh To Fill Your Wounds“.

Produziert wurde „A Eulogy For Those Still Here“, wie seit 2012 jedes Album der Band, von Will Putney, Murphys Kollege bei END. Aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit hat sich somit auch ein Sound entwickelt, der klar und druckvoll klingt und perfekt auf die Musik von COUNTERPARTS zugeschnitten ist. Und bei der Musik stimmt dieses Mal wirklich alles! Sie ist hochemotional, birgt famose Melodien und knallt an den richtigen Stellen mit unbändiger Wucht. Murphy gibt an, dass er ein Album schreiben wollte, mit dem er glücklich sei, wenn es ihr letztes wäre. Und tatsächlich wirkt „A Eulogy For Those Still Here“ wie das perfekte Finale, wie ein Feuerwerk zum Abschluss. Auch wenn es das hoffentlich noch lange nicht ist.

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Wertung: 10 / 10

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