CD-Review: Counterparts - Nothing Left To Love

Besetzung

Brendan Murphy - Gesang
Adrian Lee - Gitarre
Blake Hardman - Gitarre
Tyler Williams - Bass
Kyle Brownlee - Schlagzeug

Tracklist

01. Love Me
02. Wings Of Nightmares
03. Paradise And Plague
04. The Hands That Used To Hold Me
05. Separate Wounds
06. Your Own Knife
07. Cherished
08. Imprints
09. Ocean Of Another
10. Nothing Left To Love


Würde man jemandem die Aufgabe stellen, ein Wort zu finden, das sowohl Produktivität wie auch Qualität bedeuten soll, dann wäre eine der Möglichkeiten mit Sicherheit COUNTERPARTS. Gegründet im Jahr 2007, haben sich die Kanadier über den Status als Geheimtipp zu einem der wichtigsten Akteure im modernen Melodic Hardcore gemausert. Dabei stehen mit ihrem neuen Album „Nothing Left To Love“ seit 2010 sechs Studioalben, eine Split sowie eine B-Side-EP zu Buche. Ein beeindruckendes Arbeitspensum, das die Mannen um Sänger Brendan Murphy vorzuweisen haben – zudem immer auf höchstem Niveau. Nachdem mit „You’re Not You Anymore“ im Jahr 2017 der zwischenzeitliche Höhepunkt erreicht wurde, stellt sich nun also die Frage, ob es COUNTERPARTS gelingt, mit „Nothing Left To Love“ die eigenen Fußstapfen zu füllen.

Diese beeindruckende Konstanz in Sachen Qualität mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass die fünf Jungs aus Ontario bereits früh in ihrer Karriere ihren ganz eigenen Sound gefunden haben. Dabei gelang es ihnen durch das Drehen an kleinen Stellschrauben bislang bestens, ihrer Musik immer wieder neue Impulse zu geben und so für ausreichend Abwechslung zu sorgen. Getreu dem Motto „never change a running system“, haben sich COUNTERPARTS auch auf ihrem neuesten Output jegliche Experimente gespart und geben dem eingefleischten Fan genau das, was er will: Melodischen, hochemotionalen Hardcore, der nicht nur tief ins Herz, sondern auch durch Mark und Bein geht.

Im Gegensatz zum Vorgänger haben COUNTERPARTS besagte Stellschrauben jedoch etwas gelockert und gehen insgesamt etwas melodischer zu Werke. Richtige Hardcore-Brecher, die es auf den Vorgängern immer wieder gab, werden die Hörer auf „Nothing Left To Love“ nicht finden. Dafür aber umso mehr der verspielten Melodien, die den Sound der Band seit jeher ausmachen. Mit „Wings Of Nightmares“ und „Paradise And Plague“ geben COUNTERPARTS gleich zum Start die klare Marschrichtung vor: Blake Hardman und Adrian Lee kombinieren Chug-Riffs mit technisch feinen Melodien, während Brendan Murphy seine poetischen Lyrics mit atemberaubender Intensität ins Mikrofon keift. Dabei zeigen sich sofort die Alleinstellungsmerkmale der Band: Mit für Hardcore-Verhältnisse sehr filigranen Riffs vereinen sie die Härte von Bands wie Stray From The Path mit der Emotionalität von Being As An Ocean. Die Instrumente verschmelzen dabei mit Murphys phänomenalen Shouts zu einem Soundteppich, der den Hörer erst mit den letzten Tönen wieder los lässt.

Neben den erwähnten Songs gibt es genug weitere musikalische Highlights: Auf „Your Own Knife“ fesseln COUNTERPARTS den Hörer mit einem düsteren, post-metallisch angehauchten Breakdown, während im darauffolgenden „Cherished“ wieder einprägsame Melodien sowie ein atmosphärischer Spoken-Word-Part aufgeboten werden. Zum Abschluss fahren die Kanadier mit dem Titeltrack sogar den melodischsten Song ihrer Bandgeschichte aus und beenden das Album mit einem emotionalen Höhepunkt. Dass „Nothing Left To Love“ dennoch kein Album zum ruhig sitzen und entspannen ist, verdankt es seinen zahlreichen Breakdowns. Mit diesen sorgen COUNTERPARTS für ein kontrastreiches Programm, das sowohl den Schmerz, als auch die Verzweiflung der Lyrics musikalisch wiedergibt.

Während die Musik alleine den Hörer schon in seinen Bann zieht, gehören jene Lyrics seit dem ersten Album zur absoluten Speerspitze der gesamten Metal- und Hardcore-Szene. So bieten sie einerseits einen tiefen Einblick in die innere Leere des Sängers und wirken darüber hinaus wie das Werk eines modernen Dichters. So malt Murphy abermals mit einer Vielzahl an Metaphern ein lyrisches Gesamtwerk, das viel Raum für individuelle Interpretationen lässt und einem dennoch mit direkter und nach Hilfe schreiender Botschaft wie mit einem Messer durch die Hand schneidet. „Abandoned at conception, feeding off affection left behind. I’ll never know acceptance if people only come to me to die.“ oder „Will the ones I love forgive me for leaving too soon? Caught in the space between paradise and plague, there’s nowhere I’d rather be than with you.“ sind nur zwei Beispiele einer Vielzahl an beeindruckenden und bedrückenden Textzeilen.

COUNTERPARTS gelingt es somit auch mit „Nothing Left To Love“, ein eigenständiges und hochwertiges Melodic-Hardcore-Album zu veröffentlichen. Dabei bleiben sie sich abermals zu 100% treu, drehen wieder an den richtigen Rädchen und erschaffen dadurch ein Werk, das Melodie und Härte noch besser vereint als jeder ihrer Vorgänger. Die Zweifel, ob ihr Sound nicht irgendwann langweilig wird, können somit ohne Probleme bis zum nächsten Album aufgeschoben werden. Insofern die sympathischen Jungs dieses Niveau auch in Zukunft halten können, sollten allerdings auch für die nächsten zehn Jahre und sechs Alben die Sterne gut stehen.

Bewertung: 9 / 10

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