CD-Review: Crystal Viper - Possession

Besetzung

Marta Gabriel – Gesang, Gitarre
Andy Wave – Gitarre
Michal Badocha - Bass
Golem – Schlagzeug
Gastmusiker: Sataniac - Gesang
Harry Conklin - Gesang

Tracklist

01. Zeta Reticuli
02. Voices In My Head
03. Julia Is Possessed
04. Fight Evil With Evil
05. Mark Of The Horned One
06. Why Can’t You Listen?
07. You Will Die You Will Burn
08. We Are Many
09. Prophet Of The End
10. Thundersteel (RIOT-Cover)


Heavy Metal ist Familiensache, zumindest im Falle von CRYSTAL VIPER. Dabei ist die Aufgabenverteilung ziemlich klar geregelt. Während sich Frontfrau Marta Gabriel für die Texte und das Songwriting verantwortlich zeigt, übernimmt ihr Ehegatte Bart die Produktion der Platten und kümmert sich mal ganz nebenbei noch ein wenig um das Management der Truppe. Wenn man bedenkt, wie umtriebig die gute Marta sich in der Metalwelt zeigt, ist es umso erstaunlicher, dass „Possession“ bereits das fünfte Studioalbum innerhalb von 10 Jahren Bandgeschichte ist.

Die Frage, ob das polnische Quartett sich zum Jubiläum zu Experimenten hat hinreißen lassen, ist bereits nach dem ersten Hördurchlauf beantwortet, denn wie bereits auf den Vorgängeralben wird dem Hörer wieder einmal klassischer Heavy Metal serviert. Nicht mehr und nicht weniger. Ebenfalls sehr auffällig ist, dass „Possession“ wieder etwas straighter und weniger verspielt daher kommt, als es „Crimen Excepta“ noch getan hat. Die Songs bewegen sich größtenteils konstant entweder in mittleren oder schnelleren Lagen, wobei die Variation innerhalb der Stücke sehr zurückhaltend ist.
Ein weiteres Trademark von Crystal Viper war schon immer die Arbeit mit Gastmusikern und so verwundert es wenig, dass auf „Possession“ gleich zwei bekannte Gäste zu bewundern sind und eine große Menge unbekannte Gäste. Bei den bekannten Musikern handelt es sich zum einen um Sataniac, seines Zeichens Sänger bei Desaster, der im Refrain zu „Julia Is Possessed“ einen Gesangspart hat und zum anderen begrüßt man noch Harry Conklin als Gastsänger bei „Fight Evil With Evil“. Letztgenannter Song wurde ja bereits speziell zu Halloween veröffentlicht. Die unbekannten Beteiligten am Album sind diejenigen, ohne die es die Band wohl nicht gäbe, nämlich die Fans. CRYSTAL VIPER hatte im Vorfeld der Aufnahmen einen Aufruf gestartet, dass die Fans ihre Schreie einsenden sollen und mitgeteilt, dass diese dann auf dem Album verarbeitet werden. Zur Belohnung finden sich die „Sänger“ dann namentlich genannt im Booklet der CD wieder. So spektakulär sich diese Aktion auch anhören mag, ist es am Ende aber einfach nur ein nettes Gimmick. Musikalisch könnte man für „Possession“ Quervergleiche durch alle Bereiche des klassischen Heavy Metal suchen, seien es die US-Bands wie Manilla Road, die alten NWOBHM-Helden oder „modernere“ Vertreter aus den 90er Jahren.
Die präsentierten Riffs sind sehr einfach und vor allem klassisch gehalten, was der Eingängigkeit des Albums natürlich äußerst dienlich ist. Interessanter sind da schon die Leadgitarren, denn hier haben CRYSTAL VIPER einmal mehr bewiesen, dass ihr Songwriting sehr ausgereift ist. Beispiele hierfür sind „Mark Of The Horned One“ und „You Will Die You Will Burn“, mit seinem wirklich epischen Intro. Die sehr gut ausgeprägten und vor allem präsenten Bassläufe runden das gute Bild, das die Saitenfraktion hinterlässt, ab. Einen Punktabzug müssen die Polen jedoch beim Drumming hinnehmen. Während das Schlagzeugspiel selbst durchaus gut gelungen ist, lässt der Sound hier zu wünschen übrig, da er an einigen Stellen zu weich und schwammig klingt.
Das absolute Markenzeichen der Band ist und bleibt aber der Gesang von Marta Gabriel, welche auch auf „Possession“ wieder beweist, wie variabel sie singen kann. Egal ob hohe Schreie, klarer melancholischer Gesang oder ihre typisch raue und aggressive Gesangsart, sie meistert es hervorragend.

CRYSTAL VIPER haben sich auch mit „Possession“ wieder ein Stück weiterentwickelt und beweisen das klassischer Heavy Metal immer noch begeistern kann. Zumindest finden sich hier, ohne Intro und dem obligatorischen Coversong, acht Beweise dafür. Abzüge gibt es wie bereits angesprochen leider einmal mehr für kleinere Schwächen in der Produktion. Freunde des – Ohoh, jetzt kommt das böse Wort – True Heavy Metal können bedenkenlos zugreifen.

Bewertung: 9 / 10

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