CD-Review: Cult Of Luna - A Dawn To Fear

Besetzung

Johannes Persson - Gesang, Gitarre
Fredrik Kihlberg - Gesang, Gitarre
Andreas Johansson - Bass
Kristian Karlsson - Orgel, Synthesizer
Thomas Hedlund - Schlagzeug

Tracklist

01. The Silent Man
02. Lay Your Head To Rest
03. A Dawn To Fear
04. Nightwalkers
05. Lights On The Hill
06. We Feel The End
07. Inland Rain
08. The Fall


„Wir wussten genau, was wir wollten, und zwar das Gegenteil all dessen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben.“ Diese Aussage von Johannes Persson, seines Zeichens Sänger und Gitarrist von CULT OF LUNA, lässt aufhorchen, ist die Band doch in den letzten zwei Dekaden ihrem Stil (weitestgehend, wenn man von zum Beispiel „Eternal Music“ mal absieht) treu geblieben. So auch auf dem neuen Longplayer „A Dawn To Fear“, was aber nicht bedeutet, dass die Schweden auf der Stelle treten – denn eine gewisse Evolution ist durchaus spürbar.

Von einer Band wie CULT OF LUNA erwartet man keine grundlegende Neuausrichtung, sondern vielmehr die Ergänzung bewährter Elemente und Funktionsweisen um mal mehr oder weniger subtile Kleinigkeiten. Umso überraschender, dass die Gruppe bereits in den ersten Minuten mit der Tür ins Haus fällt: Double-Time-Schlagzeug und treibende Gitarren- und Bassriffs beherrschen nach einer kurzen, ungewohnt noisigen Feedback-Eskapade das Klangbild vom bereits vorab veröffentlichten „A Silent Man“. So flott war die Truppe zuvor selten unterwegs.

Die Zeiten, in denen CULT OF LUNA nur ein weiterer Neurosis-Klon im aufsteigenden Firmament des Post-Metal waren, sind schon lange vorbei und die Schweden zu einer der wichtigsten Bands des Genres geworden. Trotzdem gibt es auf „A Dawn To Fear“ durchaus wieder Parallelen zu den Sludge-Legenden aus Oakland wie beispielsweise die immer wieder auftauchenden, repetitiven und oftmals latent disharmonischen Leadgitarrenfiguren im analog-dreckigen Soundgewand (wie in der ersten Hälfte von „Nightwalkers“) – man zitiert hier und da, ohne zu kopieren.

Auf der elektronischen Seite fällt auf, dass auf „A Dawn To Fear“ hauptsächlich Orgelklänge im Vordergrund stehen – ergänzt um einzelne klassisch-analoge Synthesizer-Elemente. Diese Wahl hat maßgeblichen Einfluss auf den Gesamtästhetik des Albums: Etwas erhabenes, beinahe sakrales zeichnet „A Dawn To Fear“ in den Momenten aus, in denen die Tasteninstrumente einen großen Teil des Arrangements ausmachen. Das unterstreicht den analogen, gerade im Vergleich zu „Vertikal I + II“, fast schon warmen Charakter der Platte und gefällt rundum. Die Produktion ist CULT-OF-LUNA-typisch fett und durchaus dreckig: Heavy im besten Sinne schweißt sie das achte Studioalbum der Band zusammen und verhilft ihm zu einem ausgesprochenen homogenen Sound – Magnus Lindberg lässt grüßen.

Aber auch kompositorisch zeigt sich „A Dawn To Fear“ ziemlich geschlossen, ohne ein Konzeptalbum zu sein, was Johannes Persson ausdrücklich betont: Spontanität spielte beim Schaffensprozess wohl eine größere Rolle als auf den Alben zuvor, was aber Gott sei Dank keine Auswirkungen auf die großen Stärken der Musiker hatte: die großartigen Soundlandschaften, das akzentuierte und ausladende Schlagzeugspiel oder auch die melancholischen Melodien, die oftmals fragil beginnen, bevor sie in ein Brett sondergleichen münden.

Was mit „Passing Through“ auf „Vertikal“ Einzug gehalten und mit „Approaching Transition“ auf „Mariner“ fortgeführt wurde, findet sich auch auf „A Dawn To Fear“ wieder: Cleanen Gesangspassagen wird deutlich mehr Platz eingeräumt und machen den Titeltrack zu einem Höhepunkt des Albums, während das balladeske „We Feel The End“ entgegen seinem Titel beinahe positiv rüber kommt. Mit dem groovig-schleppenden „Lay Your Head To Rest“ hat die Band sogar einen regelrechten Ohrwurm am Start, so einprägsam ist das Gitarrenriff.

Obgleich es keine Ausfälle in der Diskografie von CULT OF LUNA zu verzeichnen gibt, ist der Band mit „Mariner“ (gemeinsam mit Julie Christmas) eine der vielleicht besten Platten des Genres überhaupt gelungen: Das Resultat ist eine hohe Erwartungshaltung, die erfüllt werden will. Und diese Herausforderung wurde gekonnt gemeistert: Acht Songs zwischen sechseinhalb und etwas über 15 Minuten auf fast 80 Minuten, und trotzdem ist „A Dawn To Fear“ in keinem Moment langatmig oder gar -weilig. Auch wenn die Basiszutaten seit vielen Jahren dieselben sind, hat sich die Band ohne Frage weiterentwickelt – der Teufel liegt wie so oft im Detail. Ohne Frage eins der Metal-Highlights des Jahres, aber auch ein weiteres in der Diskografie der Band. Chapeau, das ist großes Kino.

Bewertung: 9 / 10

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