Cult of luna the long road north cover

Review Cult Of Luna – The Long Road North

Seit der Auflösung der Bostoner Post-Metal-Legenden Isis im Jahr 2010 sind CULT OF LUNA so etwas wie die Könige des Post-Metal – ein Status, der durch die letzten beiden herausragenden Alben „Mariner“ (mit Julie Christmas von Battle Of Mice/Made Out Of Babies am Mikrofon) und „A Dawn To Fear“ fraglos untermauert wurde. Die Erwartungshaltung ist also ein weiteres Mal groß und die Frage, inwieweit der neueste Streich „The Long Road North“ diese erfüllen kann, durchaus gerechtfertigt.

Konzeptionell neu im CULT-OF-LUNA-Universum: „The Long Road North“ ist nicht nur ein Album, sondern auch der Soundtrack zu einem Computerspiel. Erste Eindrücke der Welt, die die schwedische Spieleschmiede Arctic Game Lab für die Musik der Post-Metal-Band erschaffen hat, gibt es in der Videoauskopplung „Cold Burn“. Technologisch ist das multimediale Konzept hinter dem nunmehr zehnten Album der Schweden hochinteressant – man darf gespannt sein, inwieweit es wirklich einen Mehrwert bietet.

Musikalisch bewegt man sich erst einmal in gewohnten Gefilden: Die bereits erwähnte Singleauskopplung stellt auch den Opener von „The Long Road North“ und geht gut vorwärts. Die durchdringende Synthedrone zu Beginn erklingt in Verbindung mit den CULT-OF-LUNA-typischen Gitarrenbrettern fett, beinahe majestätisch, während ab Mitte des Songs eine durchaus gewohnt cineastische Atmosphäre im Vordergrund steht. So weit, so unspektakulär, wenn auch ziemlich cool.

Dieser Eindruck setzt sich mit „The Silver Arc“ fort: Handwerklich ohne Frage gut gemacht, bereitet das über die gesamten sieben Minuten schon Spaß – wirklich überrascht wird man aber auch nicht, denn das Arrangement ist schon ein klein wenig vorhersehbar. Der dritte Song „Beyond I“ schlägt dagegen in eine völlig andere Kerbe: Ruhige Klänge und der melodische Klargesang von Mariam Wallentin, Sängerin des schwedischen Jazz-Duos Wildbirds and Peacedrums, lullen den Zuhörer gekonnt ein und sorgen für eine Atempause nach den ersten beiden CULT-OF-LUNA-typischen Post-Metal-Walzen.

Das fast 13-minütige „An Offering To The Wild“ bietet wieder alles, was man von CULT OF LUNA grundsätzlich erwartet – und das in höchster Qualität. Leise Passagen zu Anfang, ein Post-Metal-Crescendo gegen Ende, nur so richtig im Ohr hängenbleiben will auch diese Nummer nicht – von diesem einen Über-Riff einmal abgesehen, das auch auf Albumlänge ein absolutes Highlight darstellt. Die zweite Singleauskopplung „Into The Night“ mit ihren melodischen und durchgehend cleanen Vocals fällt wiederum aus dem Rahmen und verbreitet eine ungewohnt David-Lynch-artige Atmosphäre. Auch das anschließende Instrumental „Full Moon“, der Titeltrack oder das Album-Outro „Beyond II“ zeigen: Spannend und interessant sind vor allem die melodischen Ausflüge Richtung Rock und avantgardistischer Elektronik, erstmals ergänzt durch klassische orchestrale Passagen – wenn auch ausgesprochen sparsam dosiert. Die fetten Post-Metal-Riffs dagegen wirken immer wieder mal ein wenig generisch, auch wenn das insgesamt auf hohem Niveau gemeckert ist.

„The Long Road North“ ist ein tolles Post-Metal-Album und wird sicher seine Freunde finden. Für eine Position auf dem Treppchen in der extrem hochwertigen Diskografie der Schweden reicht es dagegen nicht. CULT OF LUNA sind weit entfernt von völliger Belanglosigkeit, entwickeln sich aber nur in kleinen Schritten weiter, während sie sich über weite Strecken ein bisschen zu sehr auf bewährte Elemente verlassem – das haben die durchaus artverwandten Briten Bossk auf dem letztjährigen Album „Migration“ besser gemacht. Aber wie auch auf „Dawn To Fear“ liegt der Teufel im Detail und „The Long Road North“ bietet für Freunde der härteren atmosphärischen Gitarrenmusik viel Schönes – aber es bleibt ein kleines Geschmäckle.

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Wertung: 7.5 / 10

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