Interview mit Magnus Lindberg von Cult Of Luna

Kaum eine Band hat das Genre des Post-Metal so nachhaltig geprägt wie CULT OF LUNA aus Schweden. Nach einer längeren Pause hat die Band Anfang des Jahres ihr neues Album „Vertikal“ veröffentlicht, das von Fritz Langs Meisterwerk „Metropolis“ beeinflusst wurde und eine bisher ungehörte Kälte ausstrahlt. Bei ihrem Konzert in München trafen wir auf den sympathischen Schlagzeuger und Produzenten Magnus Lindberg, der uns einiges über das neue Album, Festivalshows und Filesharing erzählte.

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Servus Magnus, wie geht es dir? Wie läuft die Tour soweit?
Gut, richtig gut. Nur gute Shows bis jetzt. Naja, okay, es waren vielleicht ein oder zwei nicht so gute dabei. Aber jetzt haben wir eine Woche Deutschland vor uns, was sich immer gut anfühlt, weil es hier immer schöne Locations gibt.

Ist das heute Abend eure erste Deutschlandshow?
Auf dieser Tour? Nein, wir haben bereits in Marburg gespielt.

Wie hat das Publikum bisher reagiert, als ihr Songs vom neuen Album gespielt habt?
Richtig gut. Natürlich, die Leute wollen auch die alten Sachen hören, aber bis jetzt war es echt gut.

Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen?
Am Anfang war es schon komisch. Aber wir haben vor dieser Tour ja schon einige Konzerte gespielt. Inzwischen fühlen wir uns wieder richtig wohl.

Ganz allgemein: Wie wichtig ist es für euch zu touren? Ihr habt gesagt, ihr wollt erst wieder live auftreten, wenn die neuen Songs fertig sind.
Wir werden nie eine Band sein, die 150 Tage im Jahr tourt. So gesehen ist es für uns nicht so wichtig wie für andere Bands, die ständig unterwegs sind. Wenn wir aber mal auf Tour sind, messen wir dem schon eine große Bedeutung bei, es muss schon einfach einschlagen. Es ist also nicht so, dass es uns egal wäre. Es muss einfach gut sein, das ist unser Anspruch an uns selbst.

Was war denn das Highlight der bisherigen Tour? Das Roadburn war bestimmt großartig.
Ja, Roadburn war großartig.

Außerdem wart ihr in Rumänian.
Die Bukarest-Show war echt cool, weil das Publikum total verrückt war. Das hat richtig Spaß gemacht. Auch Göteborg, die erste Show, war toll. Ich glaube, Berlin wird wahrscheinlich ein Highlight werden, weil es die größte Show sein wird.

Um aufs neue Album „Vertikal“ zu kommen: Kannst du uns etwas über das zugrundeliegende Metropolis-Konzept erzählen?
Das ist leider eine der Fragen, auf die ich dir keine Antwort geben kann. Mit den Details usw. kenne mich leider nicht aus.

Okay, was ist denn dann deine Meinung über das Konzept?
Nun, was ich dir sagen kann ist, dass wir uns entschieden haben, von dem ländlichen Thema mehr in Richtung Stadt-Dystopie zu gehen. Das hat viele unserer Entscheidungen beeinflusst, vom Artwork, über die Aufnahmen, bis hin zum Sound. Wir haben uns relativ früh dafür entschieden, dass das die künstlerische Richtung ist, in die wir gehen wollen. Natürlich war Metropolis ein großer Einfluss, vor allem von dem Punkt an, als Johannes und Eric uns das Thema vorgestellt haben und genauer auf die Einzelheiten eingegangen sind.

Was sind eure Pläne nach der Tour?
Wie spielen einige Festivals im Sommer, auch hier in Deutschland. Eine kleine Tour im August. Danach haben wir noch keine festen Termine. Mal sehen was passiert. Irgendetwas, das mit dem aktuellen Album zu tun hat, aber was genau wissen noch nicht.

Ich war überrascht zu lesen, dass ihr auf Festivals spielt. Habt ihr das vorher schon einmal gemacht? Funktioniert eure Musik überhaupt auf Festivals? Es muss komisch sein, eure Musik bei Tageslicht zu spielen.
Ich glaube, wir haben das ganz früher schonmal gemacht. Es ist ein bisschen eigenartig, aber dafür erreichst du mehr Menschen. Es ist nicht unbedingt ideal für uns, aber wir haben auch Sets für kürzere Spielzeiten, eher eine Stunde als 90 Minuten. Es macht schon Spaß, aber es ist schon auch irgendwie seltsam, das stimmt.

Jetzt, ein paar Monaten nach dem „Vertikal“-Release. Wie würdest du das Album in eure Diskographie einordnen?
Ich denke, es ist das beste Album bisher. Ok, es ist immer so, dass du als Musiker das letzte Album am besten findet. Aber das Entscheidende ist, dass es das Werk ist, mit dem ich am zufriedensten bin. Auch jetzt nach einigen Monaten. Im Prinzip ist es ja schon seit neun Monaten fertig.

Würdest du im Nachhinein etwas ändern? Oder ist es genauso geworden, wie du es dir vorgestellt hast?
Klar gibt es immer ein paar Kleinigkeiten, die man anders hätte machen können. Das gilt besonders für mich, weil ich mich auch um die Produktion kümmere. Generell neige ich aber eher dazu, es gut sein zu lassen, wenn es einmal fertig ist. Ich denke, der Hauptunterschied zwischen „Vertikal“ und „Eternal Kingdom“ ist die rohere Produktion. Es ist eher monoton und repetitiv angelegt und irgendwie rauer.


Ihr habt euer Label von Earache nach Indie Recordings gewechselt. Wie kam es dazu? Seid ihr zufrieden mit eurer Entscheidung?
Der Vertrag lief halt aus und danach hatten wir freie Auswahl wo wir hingehen. Wir haben uns dafür entschieden mit Labels zu arbeiten, von denen wir denken, dass sie leidenschaftlich geführt werden und wo Menschen sind, die wir mögen. Wir haben eines für Amerika und eines für Europa. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache.

Was ist der Vorteil daran, zwei Drummer in seiner Band zu haben?
Auf Platte ist natürlich nur ein Schlagzeug zu hören. Aber wenn wir live spielen, gibt das ein gewisses Extra an Power und außerdem ist es auch was fürs Auge. Es sieht einfach cool aus, wenn zwei Drummer gemeinsam abgehen. Aber wir gehen ziemlich vorsichtig damit um. Ich spiele das Hauptschlagzeug. Unser zweiter Drummer spielt zum Beispiel an manchen Still Fill-Ins mit den Toms und kümmert sich bei den Aufnahmen um die Percussion und Overdub-Geschichten. Das sind alles Dinge, die wir nutzen können, weil wir halt zwei Schlagzeuger haben. Live können wir dann auch spontan sein und es insgesamt fetter klingen lassen und der Musik so ein größeres Ausmaß verleihen.

Was hält für grundsätzlich von Visuals? Ich denke dabei an Neurosis und andere Bands, die bei ihren Konzerten Visuals verwenden beziehungsweise verwendet haben. Ihr verwendet ja keine, oder? Könnt ihr euch vorstellen, so etwas bei Liveauftritten mal umzusetzen? Oder wollt ihr da keine Nachmacher sein?
Wir haben eine beeindruckende Lichtshow. Wir bevorzugen es, mit Lichtszenen zu arbeiten, anstatt einen Film hinter uns laufen zu lassen. Mit tollem Licht und bestimmten Abläufen kann man viel erreichen. Was ich gehört habe, gefällt es auch dem Publikum.

Probt ihr direkt mit dem Lichttechniker oder ist es mehr etwas Spontanes, das auf der Bühne passiert?
Wir haben noch nie irgendwelche gemeinsamen Dinge mit ihm geprobt. Er kennt alle unsere Songs und hat alle künstlerischen Freiheiten. Er kommt mit coolen Ideen an, zu denen wir dann unsere Meinung abgeben können. Aber er ist auch schon lange bei uns dabei. Ihr werdet es heute Abend sehen – es ist wirklich beeindruckend.

Ihr habt vor längerer Zeit einen Song auf Myspace hochgeladen und ihn eine Woche später wieder runter genommen, um zu sehen, wie sehr er sich durch illegales Filesharing verbreitet. Wie kam es dazu?
Ich und unser Keyboarder haben mal eine alternative Version von „Marching to the Heartbeats“ , dem Intro auf „Somewhere Along The Highway“ aufgenommen und es zum Download angeboten. Es war ziemlich interessant, das alles zu beobachten. Als er offline war haben richtig viele Fans danach gefragt.
Es ist lustig mit anzusehen, wenn du etwas fertig hast, es teilst und die Leute damit machen können, was immer Sie wollen. Ob sie es nun kopieren wollen oder was auch immer. Das ist echt interessant, wie das Internet dazu in der Lage ist, Dinge zu verbreiten.

Was hältst du persönlich vom Filesharing?
Da gibt es verschiedene Ansichten innerhalb der Band. Ich persönlich habe nichts dagegen. Wenn mir also jemand erzählt, er hat unser Album aus dem Netz gezogen, werde ich jetzt nicht wütend oder so. Heute in Zeiten von Spotify hört sich illegales Herunterladen für mich mehr nach 2005 an. Ich weiß, es war eine lange Zeit ein Problem – wenn man überhaupt von Problem sprechen kann. Ich habe kein Problem damit. Vielleicht kommen die Leute dann eher zu den Shows und kaufen sich ein T-Shirt.

Um beim Internet zu bleiben: Ihr habt einen Videoclip zum Song „Passing Through“. Klar, wir wissen alle, MTV ist tot. Versteht ihr ein Video im Internet als eine Kunstform oder eine gute Möglichkeit der Promotion?
Heutzutage haben Videos nur noch Promotionszwecke. Wie du schon gesagt hast, es gibt kein MTV mehr, wo deine Videos laufen könnten. Der Clip ist wieder von einem Bekannten von Johannes gemacht worden. Ich hatte mit der Produktion nichts zu tun. Aber was dabei rausgekommen ist, gefällt mir sehr gut. Das Video ist irgendwie befremdlich. Es ist Werbung und gleichzeitig cool, ein Video auf Youtube zu haben.

Das Internet wird immer mehr für Promotionszwecke genutzt. Hat sich da die letzten fünf Jahre was geändert, während ihr Pause gemacht habt?
Der größte Unterschied zu früher sind wahrscheinlich Plattformen wie Spotify, wo du zu sämtlicher Musik legalen Zugang hast. Ich persönlich höre fast nur noch über Spotify, weil ich zu faul bin, eine CD in den CD-Player zu schieben.

Noch eine Frage zum Lineup: Euer Sänger Klas Rydberg hat die Band verlassen. Wie waren die Reaktionen darauf in der Band?
Sowas ist natürlich immer traurig. Ich kann ihn aber verstehen. Er war nicht großartig in den kreativen Prozess involviert. Er hat ein Haufen Kinder zuhause und wollte nicht mehr touren und kein Rock’n’Roll-Leben mehr führen. Ich respektiere das total.

Einige eurer Fans waren irritiert, weil es kein offizielles Statement von eurer Seite gab.
Es ist so: Wenn du dich nach mehreren Jahren wieder zusammentust, um ein Album aufzunehmen, dann ist nicht das Erste was du tun willst, zu verkünden, dass der Sänger gerade aufgehört hat. Wir wollten einfach erst mit dem Album anfangen und dann entscheiden was passiert.

Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis ihr das neue Album aufgenommen habt?
Wir haben viele andere Dinge am Laufen – jeder einzelne in der Band. Jeder hat seine eigene Karriere, Kinder und Familien. Für uns war es ein natürlicher Impuls Pause zu machen.

Alles klar, das war es dann auch schon. Vielen Dank für das Interview!
Kein Problem, danke auch an euch. Wir sehen uns gleich bei der Show. Bis dann!