Februar 2008

Review Dark Suns – Grave Human Genuine

Die Promozettel-Schreiber von Prophecy sind nicht dumm. Denn wo andere Labels einem einfach „Britpop“, „Funk Rock“ oder „R ’n‘ B“ als Genre vorgeben, wird hier zwar ein bisschen hier, ein bisschen da über die Aussage des Albums referiert, genau erfährt man aber nie, welche Musik DARK SUNS denn hier nun eigentlich darbieten. Der ein oder andere wird es sich schon gedacht haben, es ist keines der genannten Genres. Der einzige gemeinsame Nenner, der sich dann tatsächlich finden lässt, ist die Progressivität, für manche gleichbedeutend mit schwerer Zugänglichkeit, die sich über das ganze Album zieht. Doch gehen wir mal ins Detail.

„Stampede“ muss trotz seiner drei Minuten hier als Intro gezählt werden, ansonsten siedelt das Trio mit Session-Bassist die Songs nämlich im Raum zwischen sieben und acht Minuten an, die auch vollkommen nötig sind, um eine komplette Entfaltung der Tracks zu gewährleisten. Hiernach wird direkt mit „Flies In Amber“ weitergemacht, auf welches ich etwas näher eingehen will. Das Lied beginnt mit einer unheilvollen, bald von komplexen, verwirrenden Riffs abgelösten Melodie, die dem Song, weil immer wiederkehrend, hohen Wiederkennunsgwert verleiht. Nach kaum anderthalb Minuten schält sich eine sanfte Gitarrenmelodie heraus, die vom zerbrechlichen Gesang Nico Knappes aufgenommen wird und den 10-Minüter in dieser Form eine ganze Weile spannend weiterträgt, bis schließlich Disillusions Andy Schmidt übernimmt und den Song in einen heftigen Riffblock weiterröhrt. Die ursprüngliche Gesangsmelodie wird wieder aufgenommen, ein doomig anmutender Part folgt, der sich in eine weiter ruhige, melancholisch schwelgende Gesangslinie ergießen will, doch da unterbricht Schmidt abermals und leitet wiederum in einen metallischeren Part über, wo man sich ein erstklassiges, leicht frickelig anmutendes Solo zu Gemüte führen darf. DARK SUNS verpacken das alles erstklassig und homogen. Abschließend fehlt nur noch eine weitere ruhige Stelle, die nur von Keyboard, Nico Knappes Gesang und ruhiger Trommelbegleitung getragen wird, schon sind 10 Minuten vorbei. Schon nach dem zweiten von acht Songs haben Nico und Mike Knappe, Torsten Wenzel und Gast-Bassist Kristoffer Gildenlöw technisch wie songrwiterisch beneidenswertes Können unter Beweis gestellt. Gesondert muss erwähnt werden, dass die Wahl Gildenlöws für das Album absolut perfekt war und sein Bassspiel dieses ausschließlich bereichert.In keiner Sekunde langweilig, technisch (rhythmisch) auf mehr als beneidenswertem Niveau, überquellender Abwechslungsreichtum und tiefgreifende Emotionen – Ähnliche Beschreibungen treffen nicht nur auf „Flies In Amber“, sondern auch auf alle anderen Songs auch zu, qualitativ fallen das ruhige, wunderbar gelöste „Rapid Eyes Moment“, das gerade durch technoide Ansätze großartige, bedrohliche „Amphibian Halo“ oder das wirklich abgefahren zwischen jeglichen Stimmungen pendelnde Instrumental „The Chameleon Defect“ keineswegs ab. Im Gegenteil wird man durch sogar noch wachsenden Facettenreichtum immer weiter ergriffen von „Grave Human Genuine“, das sich an Intensität meisterhaft zum Grand Finale „Papillon“ aufschaukelt um hier dann süßlich leicht, befreiend, 58 Minuten Meisterwerk zu beenden.

Ich schreibe und schreibe, und am Ende will es keiner mehr lesen. Und er hat verdammt nochmal recht damit! Ich könnte über den puren Spaß, den es bereitet, „Grave Human Genuine“ zu hören, noch seitenlang schreiben, und das auf Schriftgröße 8! Danach wären aber vielleicht doch einige zu gelangweilt, noch reinzuhören, was ich nicht verantworten will. Deshalb: Tut euch selbst einen Gefallen, hört bei MySpace in die Musik rein, oder bestellt das Album gleich blind, am besten in der Special Edition wo es sogar noch einen Song obendrauf gibt, ihr könnt nichts, aber auch gar nichts mit diesem Album falsch machen, das auch nach längerer Einhörzeit mit jedem Durchlauf immer weiter wächst.

Als Abschluss möchte ich den Promozettel zitieren, der, oft nur übertrieben beweihräuchernd, den Nagel auf den Kopf trifft: „Ein vollendetes musikalisches Mosaik von enormer Ausdrucksstärke“, „ein eindringliches Album voller Eigenständigkeit und instrumentaler Klasse“ und „mit kompositorischem Genie gepaarte Fortschrittlichkeit“. „Die dunklen Sonnen Strahlen. Düster, menschlich und unerhöhrt wirklich“.

Wertung: 10 / 10

Publiziert am von Marius Mutz

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