CD-Review: Deafheaven - New Bermuda

Oktober 2015

Besetzung

George Clarke - Gesang
Kerry McCoy - Gitarre
Stephen Clark - Gitarre
Shiv Mehra - Bass
Daniel Tracy - Schlagzeug

Tracklist

01. Brought To The Water
02. Luna
03. Baby Blue
04. Come Back
05. Gifts For The Earth


(Black Metal / Shoegaze / Post-Rock) Weg mit dem rosanen Hello-Kitty-Verschnitt, her mit einer Farbe die dem zugrundeliegenden Black-Metal-Konstrukt wesentlich besser zu Gesicht steht. Ganz so einfach ist die Zuordnung des neuen DEAFHEAVEN-Albums und gleichzeitig drittem Studiowerk natürlich oder glücklicherweise nicht. Die fünf Kompositionen in knappen 46 Minuten sollen den Klangkosmos der US-Amerikaner auf ein nächstes und hoffentlich auch weiterhin erfolgreiches Level heben. Die größte Schwierigkeit wird es wohl sein den meisterhaften Vorgänger „Sunbather“ zu übertrumpfen.

Außerdem wuchs das Musikerkollektiv seit dem letzten Full-Length-Album von drei auf fünf Herren an. Neue Musiker können ja bekanntlich, wie die Vergangenheit öfter zeigte, ein Fluch oder ein Segen sein. Gitarrist Stephen Clark und Bassist Shiv Mehra überzeugen jedoch fast von Anfang an. Nach einem mit Glockenschlägen angereichterten Intro vernimmt man kurzzeitig massiv groovende Gitarrenparts, bevor die Band in einem brachialen Hassanfall über den Hörer hereinbricht. Ab der Hälfte von „Brought To The Water“ reißen die Saitentechniker in der bekannt melodiösen Art die Macht an sich, dann übernimmt ein lupenreiner Post-Rock-Einwurf, um den Song in einer Melange aus all diesen Elementen ausklingen zu lassen. Zum Abschluss genehmigt man dem Musikfan noch eine kleine Verschnaufpause in Form eines Klavieroutros. Ich möchte hier aber keine reine Song-By-Song-Kritik verfassen, jedoch eines klarstellen: Was hier in ungefähr neun Minuten äußerst gekonnt funktioniert und in sich stimmig präsentiert wird, das schaffen andere Bands nicht annähernd im Rahmen eines kompletten Albums.

DEAFHEAVEN zeigen sich auch im weiteren Verlauf in hochklassiger Verfassung. Sie setzen auf Double-Bass-Attacken, wechseln zwischen bretternden Black-Metal-Passagen und verträumten Post-Rock-Momenten spielend leicht hin und her und dazu keift sich Frontmann George Clarke Seele, Stimmbänder und den gesamten Frust über eine verkorkste Welt namens „New Bermuda“ aus der Seele. Die fortlaufende Spielzeit offenbart aber auch, dass das Quintett nach der vollendeten Schönheit des Vorgängers, die hier ebenfalls zu finden ist („Baby Blue“), dem hasserfüllten Schwarzmetall vor allem in der ersten Hälfte wieder deutlich mehr Platz einräumt. Die allerwichtigste Offenbarung ist aber eine ganz andere: Die dargebotene Musik lebt immens von vertonten Gefühlen zwischen Wut, Verzweiflung, Anmut und Träumerei oder allem gemeinsam wie kaum etwas Vergleichbares in der aktuellen Musiklandschaft es aufzuweisen vermag. Zwangsläufig wird man aber nicht davon loskommen, es hier mit den nordamerikanischen Alcest zutun zu haben. Dass das aber keine negative Referenz ist, ist mittlerweile hinlänglich bekannt.

DEAFHEAVEN lassen den Hörer innerhalb dieser vertonten Gefühlreise namens „New Bermuda“ durch ein wahres Emotionschaos gleiten, dass durch den präzisen Einsatz von Gesang über Gitarren und Bass bis hin zum Schlagzeug ein in jeder Hinsicht einschneidendes musikalisches Erlebnis bleibt. Ihren Stil erfinden die US-Amerikaner dabei nicht neu, fügen jedoch einige feine und teilweise auch versteckte Nuancen hinzu, die einem ob der gebotenen Perfektion nahezu das Blut in den Adern gefrieren lassen. Das Metal-Jahr 2015 bekommt somit noch kurz vor seiner Vollendung ein Release geliefert, das ohne Umschweife mindestens zu den besten zehn Alben dieser zwölf Monate gezählt werden kann, nein sogar muss.

Bewertung: 10 / 10

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