DVD-Review: Destruction - A Savage Symphony – The History Of Annihilation (DVD)

Besetzung

Marcel „Schmier“ Schirmer - Gesang, Bass
Michael „Mike“ Sifringer - Gitarre
Marc Reign - Schlagzeug

Tracklist

Kapitel 1: A Savage Symphony
– The Wacken Inferno

01. Intro
02. The Butcher Strikes Back
03. Curse The Gods
04. Nailed To The Cross
05. Mad Butcher
06. Alliance Of Hellhoundz
07. Soul Collector
08. Deathtrap/Unconscious Ruins
09. Life Without Sense
10. The Antichrist
11. Reject Emotions
12. Thrash Till Death (3 Drumkits Inferno)
13. Total Desaster
14. Eternal Ban
15. Bestial Invasion

Kapitel 2: The History Of Annihilation
Dokumentation

Kapitel 3: Bonus
Video-Clips
Nailed To The Road
Fans Till Death


Eine Band darf ihr 25-jähriges Bestehen feiern und im Zuge dessen auf dem weltweit größten Metal-Festival, dem norddeutschen Wacken Open Air, auftreten. Gibt es eine bessere Gelegenheit für eine Live-DVD als diese? Kaum. Das mussten sich wohl auch DESTRUCTION 2007 gedacht haben, als sie den Wackener Acker unsicher machten und das Ganze vom Haus-Kamerateam des W:O:A und den Roax Film-Leuten festhalten ließen, mit einer satten History-Sektion und einigem Bonus-Material anreicherten und nun unter dem verheißungsvollen Namen „A Savage Symphony – The History Of Annihilation“ veröffentlichten– was Ende Januar noch nicht klar war: Es sollte gleichzeitig das Abschiedsgeschenk von Schlagzeuger Marc Reign werden, der die Band nach acht Jahren verließ.
Bevor die DVD überhaupt ins Laufwerk kommt, bleibt der Blick an der stimmungsvollen Aufmachung hängen. Neben einem gewohnt erstklassigen Artwork dürfte den Fans vor allem das ansprechend illustrierte Booklet der regulären Ausführung gefallen. Wer ein paar Euro mehr in der Tasche hat, kann sich auch die Limited Edition zulegen und bekommt dafür noch eine Bonus-CD geliefert; aber mehr dazu später.

Den Anfang macht dann auch der Wacken-Gig, der mit den Worten „Please welcome the Thrash masters from Germany: DESTRUCTION!“ keiner weiteren Einleitung mehr bedarf. Schnell zeigt sich: sowohl Sound- als auch Bildqualität sind ausgezeichnet und lassen keine Wünsche offen – das Lob geht hierbei in Richtung der Berliner Verantwortlichen von Roax Films.
Wer vor drei Jahren selbst in der brütend heißen Sonne vor der Bühne stand, als sich DESTRUCTION anschickten, den gut und gerne 40.000 Menschen vor ihnen einzuheizen, weiß, wie viel Energie und Aggression dabei in der Luft war. Wenn eine Band bei Wacken auf den Brettern, die die Welt bedeuten, steht, ist klar, dass dabei keine schwache Setlist im Gepäck sein darf. Dementsprechend stark zeigt sich die Songauswahl der Thrasher, die mit wahrhaftigen Klassikern wie „Bestial Invasion“, „Curse The Gods“ und „Life Without Sense“ genau so aufwartet wie mit Songs aus der mittleren bis neueren Schaffensphase, wie etwa „The Butcher Strikes Back“, „The Alliance Of Hellhoundz“ und „Nailed To The Cross“.
Etwas ganz Besonderes wurde der Wacken-Gig vor allem auch durch das Mitwirken aller alten und ehemaligen DESTRUCTION-Mitglieder, die auf Schmiers Bitten gemeinsam mit den aktuellen Mitgliedern der Band im Tourbus anreisten, um ein paar Tage Party zu machen. So wurde „Thrash Till Death“ kurzum das „3 Drumkits Wacken Inferno“, als die beiden ehemaligen Drummer Oliver „Olli“ Kaiser und Sven Vormann einen unheiligen Dreierbund mit Marc Reign eingingen. Ebenfalls mit on stage: ex-Gitarrist Harry, der teilweise mit Gasmaske zu sehen war. Mit freundschaftlicher Unterstützung ging es auch beim Song „The Alliance Of Hellhoundz“ weiter, bei dem sich Peavy (Rage), Olddleif Stensland (Communic), Tom Angelripper (Sodom) und Blitz (Overkill) die Ehre gaben, die Nummer mit ihrem Gesang zu bereichern. Der war letztendlich größtenteils ziemlich schief und die Songtexte mussten vom Blatt abgelesen werden – man sah allen Beteiligten aber an, dass sie viel Spaß dabei hatten; und das sollte schließlich die Hauptsache eines DESTRUCTION-Gigs sein, bei dem man ein Viertel Jahrhundert Bandgeschichte feiern durfte – inklusive Mad Butcher natürlich, der hin und wieder durchs Bild stampfte.

Was dann folgt, ist eine der ausführlichsten, ehrlichsten und informationsreichsten History-Sektionen, die ich bisher auf Band-DVDs gesehen habe. Gerade dadurch, dass keine großen produktionstechnischen Spielereien zum Einsatz kommen und die Band größtenteils in einem stillen Kämmerchen zu Wort kommen darf, entsteht eine sehr ehrliche und authentische Atmosphäre. Zwischendurch werden immer wieder Fotos aus den frühesten Tagen der Band und ihrer Mitglieder eingeblendet – Kult pur! „Ich wollte eigentlich mal wie Lemmy sein. Dazu hats aber nicht gereicht“, hört man dann aus Schmiers Munde und denkt sich anhand dieser geballten Lehrstunde in Sachen Bandgeschichte: Der Mann ist sein eigener Lemmy.
Abermals ein nettes Gimmick: die ehemaligen DESTRUCTION-Männer Tommy und Olli am Schlagzeug und Gitarrist Harry kommen ausführlich zu Wort, beschreiben die Phase, in denen sie selbst noch aktiver Teil der Truppe waren. In Verbindung mit der Entstehung des deutschen Thrash Metals, den Waffenbrüdern Sodom und Kreator wird hier – von A bis Z – alles aufgearbeitet; immer mit Blick auf die Veröffentlichungen der jeweiligen Phase, die spielerischen und technischen Qualitäten, aber auch Ablehnungen von Plattenfirmen (wie etwa den Berliner Noise Records) oder den Vorgängen in der Szene allgemein, gar deren Entstehung überhaupt.

Dass die Situation, die ’89 zum Split zwischen Schmier und den restlichen Bandmitgliedern führte ebenso ehrlich wie selbstkritisch erläutert wird, bringt noch zusätzliche Sympathiepunkte ein. Vor allem Mike Sifringer zeigt sich überraschend reumütig, versucht zu erklären, was damals in den Köpfen der jungen und noch unerfahrenen Musiker vorgegangen ist – inklusive einer kritischen Reflektion der gesamten Vergangenheit am Ende des Dokuteils. Auch dass hierbei nicht alles von vorne bis hinten durchgeplant zu sein scheint, Schmier mal seine verrutschten Notizen zurecht rücken muss, ein anderes Mal kurz das Klingeln eines Telefons zu hören ist und der Zuschauer allgemein das Gefühl hat, selbst Teil der Geschichte der Ausnahme-Thrasher zu werden, macht diese DVD praktisch unbezahlbar.

Das dritte und letzte Kapitel wartet mit Bonus-Material auf, das größtenteils aus einigen Video-Clips, der kurzen on the road-Aufzeichnung „Nailed To The Road“ und „Fans Till Death“, einer Vorstellung von Die Hard-Fans, besteht. Wo andere Bands fünf in ihrem Ablauf gleiche Interviews, langweilige Lückenfüller und überarbeitete Versionen überarbeiteter Songs einstellen, haben sich DESTRUCTION hierbei auf das Wesentliche beschränkt – sehr schön! A propos„das Wesentliche“: Der normale Fan sollte hiermit bereits bestens bedient sein und muss nicht mehr zur Limited Edition greifen. Die beinhaltet nämlich nicht etwa die Audio-Aufnahmen der auf dem Wacken gespielten Songs, sondern eine kurze Zusammenfassung der schon auf „The Curse Of The Antichrist – Live In Agony“ enthaltenen Tracks. Das braucht keiner.

An der regulären Version gibt es jedenfalls nichts auszusetzen. Die deutsche Thrash-Institution DESTRUCTION hat hiermit ein mehr als würdiges Sammelsurium an Banderinnerungen, ein exzellentes Konzert und viel Sympathie auf einen einzigen Silberling gebannt. Wer einen Blick auf satte 25 Jahre DESTRUCTION werfen will, MUSS sich „A Savage Symphony – The History Of Annihilation“ zulegen.

Bewertung: 10 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: