CD-Review: Eisbrecher - Die Hölle muss warten

  • Veröffentlichung: 2012
  • Label: Sony
  • Spielart: Rock
Besetzung

Alexander „Alex“ Wesselsky - Gesang
Jochen „Noel Pix“ Seibert - Gitarre
Jürgen Plangger - Gitarre
Dominik Palmer - Bass
Maximilian „Maximator“ Schauer - Keyboard
Achim Köster - Schlagzeug

Tracklist

01. Tanz mit mir
02. Augen unter Null
03. Die Hölle muss warten
04. Verrückt
05. Herz aus Eis
06. Prototyp
07. Ein Leben lang unsterblich
08. Abgrund
09. In meinem Raum
10. Keine Liebe
11. Exzess Express
12. Rette mich
13. Atem
14. Treiben
15. Böser Traum


Mit „Eiszeit“ ebneten sich EISBRECHER vor rund zwei Jahren den Weg in die deutsche Rockszene. Weg vom ehemals ironisch-sperrig als „Eletronic Trip Rock“ betitelten Genremix bekannten sich Alex, Noel Pix und Co. mit ihrem vierten Studiowerk seit 2003 zu deutscher Rockmusik mit deutschen Texten, die trotz erster Charterfolge immer noch die Eier hat, um in Szenekreisen als authentisch zu gelten. Ähnliches lässt sich dem Nachfolger „Die Hölle muss warten“ bescheinigen, der begleitet von gestiegener Aufmerksamkeit auf ähnliche Art und Weise punktet wie der Vorgänger.

Dabei liegen die klaren Stärken vom neuesten Eisbrecher-Werk im kraftvollen Mittel- und Schlussteil mit melodiösen Rockkompositionen wie „Herz aus Eis“, „Abgrund“, „Prototyp“ und „Böser Traum“, die gerne etwas härter ausfallen und im Ohr bleiben. Auch die Vorab-Single „Verrückt“ präsentiert das „Eiszeit“-Konzept im leicht aufgemotzten Gewand, allerdings mit einem stärker ausgeprägten, gleichmäßigen Fokus auf Synthesizer-Elemente und Gitarrensounds. Spürbare Kompromisse durch den Major-Deal mit Sony BMG gibt es nicht. Eisbrecher klingen immer noch wie Eisbrecher, wenngleich auch „Die Hölle muss warten“ noch Potential für weitere Gipfelstürme erlaubt: So ist besonders der Titeltrack mit Streicherintro im Stile von Thomas Ds „Solo“ sehr an der Grenze zu flauschigem Rock/Pop, während „Exzess Express“ frappierend an Rammstein erinnert und kräftig losmarschiert, bevor im Refrain etwas die Puste ausgeht. Den Balladen heftet hingegen etwas „unheimlich Unheiliges“ an.

Inhaltlich sind die Texte weniger ironisch als früher beispielsweise ein „This is Deutsch“. Mit „Abgrund“ greifen Eisbrecher die deutsche Hörigkeit dieses Mal ohne Zweideutigkeiten auf. „Tanz mit mir“ ist hingegen eine typisch elektronische NDH/Rock-Clubnummer, in der das Wort „Tanz“ im Refrain gefühlt 800.000 Mal auftaucht. U.a. Stahlmann lassen hier grüßen. In Kombination mit der Up-Tempo-Nummer „Augen unter Null“ funktioniert das Paket aber als Albumeinstieg tadellos.

Besonders im letzten Drittel wird „Die Hölle muss warten“ mit Songs wie „Rette mich“, „Keine Liebe“ und „Atem“ beinahe melancholisch. Dieser Teil richtet sich ganz eindeutig an Eisbrecher-Fans, denen Songs wie „Engel“ ans Herz gewachsen sind und wo die Texte deutlich mehr Bedeutung bekommen als für NDH/Rock-Verhältnisse üblich. Es fällt schwer, hier besondere Highlights zu finden: Alle Kompositionen bewegen sich auf einem guten Niveau, schaffen aber nicht den Ausreißer nach oben. „Keine Liebe“ wirkt zu sehr auf Herzschmerz getrimmt, um die beabsichtigte Tiefgründigkeit zu erreichen. Beachtlich insgesamt ist, dass alle Texte und Arrangements sehr homogen wirken, obwohl teilweise bis zur vier Schreiberlinge pro Stück am Werk waren. So ist die Hölle am Ende tatsächlich auf dem Abstellgleis und weicht Tiefgründigem, bevor die Hörer mit dem Rausschmeißer-Dup „Böser Traum“ und „Treiben“ noch einmal ordentlich durchgeschüttelt werden.

Unter dem Strich bietet „Die Hölle muss warten“ dennoch eine überraschend ausgewogene Mischung aus schnelleren Rockkompositionen und langsameren Balladen, in denen viel mit Keyboards gearbeitet wurde. Der Gesang von Alex (jetzt mit einem x) Wesselsky ist die meiste Zeit, besonders in den Refrains der ruhigeren Songs, überraschend klar und vergleichsweise selten wirklich energisch. Oktavensprünge und sonstige stimmliche Verrenkungen gibt es dabei (erwartungsgemäß) zu keiner Zeit und so liefert der Frontmann – ähnlich wie Eisbrecher als Kollektiv – am Ende das, was nach „Eiszeit“ der nächste konsequente Schritt ist. Produktionstechnisch gibt es nichts zu mäkeln und auch die Bonus-DVD mit einer rund zehnminütigen Doku über das Zugspitz-Konzert im November 2011 nebst Livepremiere von „Verrückt“ ist eine empfehlenswerte Zugabe.

Bewertung: 7.5 / 10

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