CD-Review: Epica - Omega Alive

Besetzung

Simone Simons - Gesang
Mark Jansen – Gitarre, Growls
Isaac Delahaye - Gitarre
Rob Van Der Loo - Bass
Ariën Van Weesenbeek – Schlagzeug
Coen Janssen – Synthesizer, Keyboard, Klavier

Tracklist

01. Alpha – Anteludium
02. Abyss Of Time – Countdown To Singularity
03. The Skeleton Key
04. Unchain Utopia
05. The Obsessive Devotion
06. In All Conscience
07. Victims Of Contingency
08. Kingdom Of Heaven Pt. 1 – A New Age Dawns Part V
09. Kingdom Of Heaven Pt. 3 – The Antediluvian Universe
10. Rivers – A Capella
11. Once Upon A Nightmare
12. Freedom – The Wolves Within
13. Cry For The Moon – The Embrace That Smothers Part IV
14. Beyond The Matrix
15. Omega – Sovereign Of The Sun Spheres


Epica - Omega Alive - Coverartwork

EPICA teilten mit der Veröffentlichung ihres achten Albums „Omega“ das Leid vieler anderer Bands in diesen Zeiten: Der Release im Februar 2021 fiel in die weiterhin andauernde Corona-Pandemie, folglich war an ein Release-Konzert oder gar eine dazugehörige Tour nicht zu denken. Viele Bands entschieden sich ersatzweise für Streaming-Konzerte. Diese wurden in der Metalgemeinde generell kontrovers aufgenommen, da eben das so wichtige Live-Feeling und der Kontakt zu Gleichgesinnten fehlt. Ist eine Online-Show dann nicht mehr als ein „normales“ abgefilmtes Konzert ohne Publikum, stellt sich nur schwerlich Begeisterung ein. Besser machten es beispielsweise Nightwish („An Evening With Nightwish In A Virtual World“) oder Feuerschwanz („Die letzte Schlacht“), die die technischen Möglichkeiten genutzt und sich etwas Besonderes überlegt haben.

EPICA waren ja nun noch nie dafür bekannt, eine instrumental bescheidene Band zu sein, durchbrechen gerne mal mit viel Anlauf die Kitschgrenze und geizen nicht mit übergroßen Orchestrierungen. „Omega Alive“ wurde folglich nicht nur eine gewöhnliche Online-Release-Show, sondern zum wohl aufwändigsten Projekt, das EPICA bisher erschaffen haben. Unterteilt in fünf Akte mit fünf unterschiedlichen Bühnenaufbauten, die durch kurze Videosequenzen unterteilt sind, bietet „Omega Alive“ eine Abwechslung, die bei einem gewöhnlichen Konzert so nicht möglich wäre.

Dass EPICA Bock auf live haben und das Feuer in ihnen brennt, wird nicht nur durch verschwenderisch eingesetzte Pyros, Feuerschalen und Feuerringe deutlich. Zu einer ausgefeilten Lichtshow und viel Nebel gesellen sich noch viele weitere optische Reize. Immer wieder begleiten Akrobaten die Musik, beispielsweise im Rad oder mit Fackeln an den Füßen an einem Kronleuchter hängend. Die Turner schwingen die Fackeln auch auf dem Boden gerne zu kunstvollen Formen oder schlucken Feuer. Das Keyboard von Coen Janssen steht irgendwann ebenfalls in Flammen – ja, bei “Omega Alive” gibt es wenige Momente, in denen nichts brennt. Frieren mussten die zahlreichen Protagonisten in der großen Halle sicherlich nicht, auch wenn im weiteren Verlauf noch Wind- und Regeneffekte eingesetzt werden. Vor allem Janssen ist überdies ständig in Bewegung. Er hat sichtlich Spaß mit seinem frei beweglichen und durch die Halle fahrbaren Keyboard, außerdem gibt er einige Grimassen zum Besten. Den Spaß an der Sache und die Leidenschaft für das Projekt sieht man aber allen Musikern an. Hier wird nicht nur einfach ein Konzert runtergezockt und daran lassen EPICA von Beginn an keine Zweifel aufkommen.

Als eine der größten und wichtigsten Bands des Genres können die Niederländer auf einen entsprechend prall gefüllten Backkatalog zurückgreifen, der Fokus liegt bei „Omega Alive“ aber auf „Omega“: Immerhin sechs Songs plus das Intro des Albums haben es in die Setlist geschafft und wurden folglich zum ersten Mal live dargeboten. Die starken Singles „Abyss Of Time“ und „The Skeleton Key” eröffnen die Show, besser konnte der Einstieg gar nicht gelingen.

Ihre große Varianz zeigt die Band in den Akten 3 und 4: Akt 3 namens „Eklysia“ mit den beiden Bombast-Epen „Kingdom Of Heaven Part 1“ von „Design Your Universe“ (2009) sowie die Fortsetzung „Kingdom Of Heaven Part 3” vom aktuellen Album. Beide Tracks für sich genommen sind schon eine Machtdemonstration an cinematischem, opulentem und einfach überragendem Symphonic Metal. Direkt hintereinander gespielt ergibt das ein mächtiges Meisterwerk, das das grandiose Herzstück der Show darstellt und seinesgleichen sucht. Diese 27 Minuten sind ganz großes Symphonic-Metal-Kino. Akt 4, „Gravita“, lässt es nach diesen aufregenden Breitwandklängen ganz ruhig angehen: Ein Chor, bedächtig singend, steht im Kreis um Simone Simons, der Rest der Band zieht sich erstmal zurück. Mit ihrer kraftvollen und zugleich zerbrechlichsten Stimme singt sie die „Omega“-Ballade „Rivers“ in einer noch tiefer unter die Haut gehenden A-capella-Version. „Once Upon A Nightmare“ als zweite Ballade direkt hinterher sorgt für einen wundervollen, gefühlvollen Part vor dem Finale.

„Alpha & Omega“ nennt sich Akt 5 und dessen Bedeutung erschließt sich in der einzigen Ansage des Konzertes von Simons: „Cry For The Moon” als allererster EPICA-Track ist der Anfang und damit das „Alpha“ der Band, „Omega“ als aktuell letztes Album schließt einen 20-jährigen Kreis. Zu „Cry For The Moon” bedankt sich die Sängerin bei den Anhängern, zudem werden Bilder von jubelnden Fans eingeblendet, was diesen weiteren Gänsehautmoment nur noch verstärkt. Den Abschluss des Events, das mehr Bühnenstück als nur Konzert ist, kann folglich nur „Omega – Sovereign Of The Sun Spheres“ stellen. Hier wird nochmal alles von Akrobatik über Feuer bis Funkenregen in Kombination mit einer überragenden Darbietung geboten.

In ihren fast 20 Jahren haben EPICA Pionierarbeit geleistet und viel für das Genre des Symphonic Metal getan. Mit „Omega Alive“ haben die Niederländer etwas Großartiges geschaffen. Fünf Akte mit fünf Bühnenaufbauten, fünf unterschiedlichen Outfits und fünf klug unterteilten musikalischen Parts vereinen sich zu einem epischen Gesamtwerk. Das ist mit dem Bild der Blu-ray- oder DVD-Ausgabe ein besonderer Genuss, aber auch die CD-Version überzeugt vollends. Der Sound der Instrumente und auch der Gesang klingen fast schon zu perfekt für eine Liveaufnahme – wer EPICA aber schon mal live erlebt hat, weiß, dass die Musiker dieses Niveau auch auf der Bühne problemlos halten können. Nicht mal das fehlende Publikum fällt hier störend ins Gewicht, da dieser Mitschnitt stets unfassbar viel Action und Schauwerte bietet. EPICA liefern hier mehr als nur eine Konzertaufnahme ab, „Omega Alive“ ist ein perfektes musikalisches Kunstwerk. Besser geht’s nicht.

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