CD-Review: Epica - The Quantum Enigma

Besetzung

Simone Simons - Gesang
Mark Jansen - Gitarre, Gesang
Isaac Delahaye - Gitarre
Rob van der Loo - Bass
Coen Janssen - Keys
Arien van Weesenbeek - Drums

Tracklist

01. Originem
02. The Second Stone
03. The Essence Of Silence
04. Vicitims Of Contingency
05. Sence Without Sanity - The Impervious Code
06. Unchain Utopia
07. The Fifth Guardian - Interlude
08. Chemical Insomnia
09. Reverence - Living In The Heart
10. Omen - The Ghoulish Malady 11. Canvas Of Life
12. Natural Corruption
13. The Quantum Enigma - Kingdom Of Heaven Part II


Symphonic Metal ist für viele alteingesessene Rocker immer noch ein rotes Tuch. Zu viel aufgeblasene Epik, zu viel pompöser Kitsch haben das Genre mehr oder weniger zu Recht in Verruf gebracht. EPICA waren in diesem Bereich stets ein Vorreiter: Während die Genrebegründer Nightwish zu Beginn die symphonischen Elemente noch sehr dezent nutzten, trugen die Niederländer schon von Anfang an ziemlich dick auf. Und nein, daran ändert sich auf „The Quantum Enigma“ nichts. Im Gegenteil: Wer mit der Band vorher schon nicht viel am Hut hatte, wird dieses Album hassen, denn die Truppe um Simone Simons hat all das, was dem Genre vorgeworfen wird, konsequent auf die Spitze getrieben. Für EPICA-Fans dagegen hält der überlange Longplayer mehr als eine Stunde auf Hochglanz polierten, mitreißenden Bombast bereit.

Das erste, was beim Durchhören von „The Quantum Enigma“ auffällt, ist die extrem fette Produktion, die geradezu vor Epik zu triefen scheint. Man könnte sagen, dass es sich damit ähnlich wie mit einem Bild verhält, dessen Sättigung man erhöht: Je intensiver die Farben werden, desto ausdrucksstärker und beindruckender sieht es aus, bis man einen bestimmten Punkt erreicht, ab dem das Ganze dann überzogen und künstlich wirkt. Und EPICA schrammen ziemlich knapp an eben diesem Punkt vorbei. Natürlich bleibt das dem Geschmack des einzelnen überlassen, aber meiner Meinung nach wäre hier der altkluge Spruch „weniger ist manchmal mehr“ tatsächlich angebracht. Das alte Symphonic-Metal-Problem eben. Allerdings ist es ja diese „Nicht kleckern, klotzen!“-Einstellung, die den Sound von EPICA ausmacht und die damit ihre Anhänger auch perfekt bedienen.

Zunächst überrumpelt einen dieser Sound etwas, es fällt schwer unter der dicken Schicht aus Chören, Blastbeats und Geigen-Crescendos den Kern, die musikalische Aussage zu finden. Nach den ersten Durchgängen wird aber schnell klar: EPICA haben nicht nur hinter dem Mischpult ganze Arbeit geleistet, sondern präsentieren auch ein ausgeklügeltes, komplexes Songwriting, das die bisherige Arbeit der Niederländer mühelos in den Schatten stellt. Nie hat die Mischung aus Simones kraftvollem Gesang und Marks etwas unorthodoxen, aber intensiven Grunts eine derartige Dynamik erzeugt, nie wirkte das Ganze so rund und durchdacht. Dabei halten die Niederländer perfekt die Wage zwischen anspruchsvollen Arrangements und poppiger Eingängigkeit… So viel Spaß hat Physik selten gemacht! Physik? Richtig gehört! EPICA beschäftigen sich auf „The Quantum Enigma“ (Das Quanten-Rätsel) mit Themen wie der Schöpfung bzw. der Entstehung des Universums oder dem Begriff Realität an sich und zeigen sich damit nicht nur musikalisch sehr ambitioniert.

Epischer, bombastischer, härter, schneller, komplexer… „The Quantum Enigma“ ist tatsächlich ein Album der Superlative! Aber selbst dem überzeugtesten Symphonic-Metal-Fan dürfte klar werden: Viel weiter können EPICA dieses Spiel nicht mehr treiben. Daher beenden wir das Review mit einer weiteren Weisheit, um bei den altklugen Sprüchen zu bleiben: „Manchmal muss man ja einen Schritt zurück machen, um zwei voran zu gehen!“

Bewertung: 8 / 10

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