DVD-Review: Exodus - Shovel Headed Tour Machine (DVD)

Besetzung

Rob Dukes – Gesang
Gary Hold – Gitarre
Lee Altus – Gitarre
Jack Gibson – Bass
Tom Hunting – Schlagzeug

Tracklist

DVD1 (bei Ltd. Edition auch Audio-CD)
Live At Wacken 2008

01. Bonded By Blood
02. Iconoclasm
03. Funeral Hymn
04. A Lesson In Violence
05. Children Of A Worthless God
06. Piranha
07. Deathamphetamine
08. Blacklist
09. War Is My Shepherd
10. Strike Of The Beast
11. Shovel Headed Kill Machine

DVD 2 – Documentary-DVD
01. Zweistündige Tourstory / Bandhistory
02. Bonusmaterial:
- Deleted Scenes
- Musikvideos
- Live Performances
- Photogalerie
- Vintage Interview (1985)


30 Jahre Bandgeschichte und keine einzige DVD? Wo Genrekollegen wie Slayer mittlerweile alle paar Jahre einen Livemitschnitt in Bild und Ton auf einen Silberling pressen, haben die Thrash-Urgesteine EXODUS sich mit ihrer ersten derartigen Veröffentlichung reichlich Zeit gelassen – doch dafür kann man zumindest nicht sagen, das Produkt wäre lieblos oder halbherzig zusammengestellt:

Teil eins des Packages stellt dabei die Live-DVD (in der Limitierten Version zudem als Live-CD enthalten) dar, auf welchem der Gig vom Wacken Open Air 2008 verewigt wurde.
Zwar war an dieser Show sicherlich nicht alles perfekt – beispielsweise wurde sie mehr oder minder spontan in der Running-Order nach vorne geschoben und dies nicht ausreichend publik gemacht, so dass der ein oder andere Fan wohl erst im Nachhinein erfahren hatte, dass EXODUS bereits auf der Bühne gestanden und den für Rob Dukes und Konsorten die dato größten Gig absolviert hatten – aber dafür kann die Band ja reichlich wenig.
Der Stimmung tut das jedoch genauso wenig Abbruch wie der strahlende Sonnenschein, an den sich die Wackengäste 2008 erfreuen druften – einzig die wohl dem amerikanischen Patriotismus entsprungene Anti-Islamismus-Fuck-Terrorism-Ansage von Rob Dukes (mit welcher auch Gary Hold nicht ganz glücklich war, wie der Bonus-DVD zu entnehmen ist) sorgt kurz für ratlose Gesichter beim Publikum und Betrachter, ist jedoch bereits mit den ersten Tönen des folgenden „Children Of A Workless God“ vergessen, kann Frontsau Dukes hier selbst bei den klar Gesungenen Parts auf ganzer Linie überzeugen – da sieht man auch den modischen Fail, den er sich mit dunkler Sonnenbrille und einer Stars&Stripes-Boxershort geleistet hat, gerne nach.
Auch die restliche Performance lässt keine Wünsche offen: Spielfreudig, topmotiviert und beinahe so tight wie auf Album prügeln EXODUS hier mit einer gelungenen Mischung aus alten Klassikern und neuen Hits das letzte Fünkchen Energie aus der schwitzenden Masse vor der Bühne – ständige Moshpits und eine beeindruckende Wall Of Death beim finalen „Shovel Headed Kill Machine“ sind der Lohn.
Lediglich die Tatsache, dass insgesamt nur eine runde Stunde Live-Show geboten wird, mag dem ein oder anderen Anlass zu Kritik bieten – ich jedoch muss sagen, habe lieber eine komplette Show mit einer Spielzeit von 60Minuten, denn diese gerade in letzter Zeit arg in Mode gekommenen Zusammenschnitte ganzer Touren, die dann natürlich auch gerne mal zwei Stunden dauern, jedoch nicht den Bruchteil der Atmosphäre einer „echten“ Show bieten können – zumal das Bonus-Material auf DVD 2 nochmals ein knappes Dutzend Live-Clips zu bieten hat.

Doch wo man bei anderen Veröffentlichungen mit der Live-DVD schon alles gesehen hat, hat man bei „Shovel Headed Tour Machine“ noch nicht einmal die Hälfte des gesamten Inhalts gesehen. Denn ist die Live-DVD schon unterhaltsam, ist der fast zweistündige EXODUS-History-Film ein Paradebeispiel für eine unterhaltsame und informative History. Hier wird nicht übertrieben ernst die Diskographie abgefeiert – auch wenn diese ähnliches sicher nahelegen würde – sondern ausschließlich durch Interviewsequenzen und Behind The Scenes-Material erfrischend ehrlich und offen über den Werdegang einer Legende berichtet: Langweiligen Dokumentarfilmcharakter mit der noch langweiligeren Standard-Dokumentarfilm-Erzählerstimme sucht man hier vergebens, statt dessen erzählt ein reichlich angetrunkener Lee Altus im Tourbus Geschichten aus dem Bandleben, man sieht Rob Dukes auf 180, nachdem man der Band auf dem Rockhard-Festival wegen Spielzeitüberziehens den Strom abgestellt hatte und wird Zeuge diverser skurriler Zwischenfälle, wie sie man sie auf der Welt wohl nur auf Tour erleben kann – aufgelockert wird das ganze durch die „EXODUS Non Metal Moments“, kurze Zwischensequenzen, in denen DVD-Regisseur Rob Dukes die eher „untruen“ Momente seiner Bandkollegen präsentiert: Gary Hold mit der Anti-Aging-Creme nach dem Duschen oder Lee Altus und das Haarspray, um nur einige zu nennen.
Diese kleinen Details sind es, die bewirken, dass man das Material als Fan nicht nur vor den Latz geknallt bekommt, sondern fast zwei Stunden lang das Gefühl hat, mit auf Tour und ein Teil der EXODUS-Familie zu sein.
Entscheidend hierfür ist wohl vor Allem die Natürlichkeit, mit der sich alle Beteiligten präsentieren – wobei „auftreten“ wohl das passendere Wort wäre, denn von „präsentieren“ im negativen Sinne kann keine Rede sein: Hier versucht niemand, die coole Rocksau zu spielen, hier lässt niemand den arroganten Superstar raushängen. Statt dessen stellen sich im Laufe des Films alle involvierten Musiker selbst und gegenseitig vor, erzählen gnadenlos ehrlich von gemeinsamen Erlebnissen und Karrierehöhe- wie auch tiefpunkten.
Dass zudem sogar das darüber hinaus auf der DVD beinhaltete Bonusmaterial (Deleted Scenes, Musikvideos, weitere (qualitativ hochwertige!) Liveclips und natürlich die obligatorischen Diashows etc.) wirklich hochwertig und sehenswert ist, zeigt die Liebe, die hier im Detail steckt.

Mit ihrer ersten DVD-Veröffentlichung machen EXODUS alles richtig: Nicht nur die Live-Show kann durch Performance, Audio- und Bildqualität vollends überzeugen, sondern vor Allem die zweite DVD weiß zu begeistern, wird hier weit mehr als die übliche Behind-The-Scenes-Schnipsel-Ansammlung, die man nur all zu oft als Beiwerk dazugepackt bekommt, geboten.
Ganze 30 Jahre hat es gedauert, bis der geneigte Fan seinen Bay-Area-Helden nun auch vor dem heimischen Bildschirm huldigen kann – aber dafür gilt hier definitiv:
Was lange währt wird doppelt gut.

Bewertung: 9.5 / 10

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