Interview mit Gary Holt von Exodus

EXODUS waren kürzlich mit ihrem neuen Album „The Atrocity Exhibition: Exhibit A“ auf Europatour. Wir trafen Thrash-Legende und Bandkopf Gary Holt beim Konzert in München zum Interview und der Mann erzählte uns einen Schwank von Maschinengewehren, Atombomben und seiner Einstellung zu Amerikas Außenpolitik.

Hallo Gary! Erzähl uns doch, wie die Tour bisher so gelaufen ist!
Es war großartig, aber leider viel zu kurz. Aber wir gehen ja im Juli und August noch auf eine längere Tour. Ich bin jetzt bloß noch nicht bereit, nach Hause zu fahren, weil die Shows bisher alle so geil waren.

Also gab’s viele ausverkaufte Hallen?
Yeah! Wir haben drei komplett ausverkauft und die restlichen zumindest voll gestopft. Für die Show heute Abend wurden bisher die wenigsten Tickets verkauft.

Wie viele denn?
200. Wir haben unsere Show jetzt mit der von AGNOSTIC FRONT, die eigentlich nebenan spielen sollten, zusammengelegt. Jetzt ist das ein verdammt hartes Package aus mehreren Genres.

Was war der bisher beste Moment auf der Deutschland-Tour?
Gestern in Saarbrücken war es irre! Es musste während der Show eine Absperrung aufgebaut werden. Es war der Wahnsinn: Die Kids sind so abgegangen, dass die Monitore zwei Meter zurückgeschoben wurden. Wir mussten die Menge dann dazu bringen, ein bisschen Abstand zu nehmen, damit die Absperrung aufgestellt werden konnte. In Essen hatten wir auch eine geniale, ausverkaufte Show.

Das neue Album ist jetzt schon eine Weile erhältlich… Wie ist es bei den Fans angekommen?
Wirklich gut. Wir hätten es uns nicht besser wünschen können.

Wenn ich mir Songs wie „Children Of A Worthless God“ anhöre, habe ich das Gefühl, dass Ihr auf dem neuen Album alles etwas melodischer angeht?
Das liegt daran, dass Lee jetzt dabei ist. Er steht ziemlich auf Melodien und ich war auch immer ein Fan davon, aber jetzt versuchen wir, alles ein bisschen anders zu machen. Wenn „Shovel Headed Kill Machine“ ein Maschinengewehr war, dann ist das neue Album eine Atombombe.

Also Alles ein bisschen langsamer und heavier?
Genau! Aber wer weiß schon, wie das nächste Album klingen wird, abgesehen von den Songs, die schon fertig sind? Alles, woran ich im Moment arbeite, ist verdammt schnell.

Du sagtest, dass Lee Altus den Sound des neuen Albums beeinflusst hat. Wie?
Alleine schon, weil wir jetzt wissen, was wir im Bezug auf die Gitarren für Möglichkeiten haben und dass wir das auch live wirklich gut umsetzen können. Wir taten uns teilweise bei den Rhythmus-Parts schwer, aber mit Lee muss ich mir keine Sorgen mehr über den Live-Sound machen, wenn ich Melodien spiele, wie in „Children Of A Worthless God“. Dass er dabei ist, gibt uns die Möglichkeit, mehr mit Melodien zu arbeiten.

Für das neue Album kam Tom Hunting in die Band zurück. Wart ihr mit der Arbeit von Paul Bostaph nicht mehr zufrieden?
Nein, damit hat das gar nichts zu tun. Aber Paul wusste, dass Tom zurückkehren würde, wenn es ihm wieder besser geht. So kam es dann auch und Paul verstand das. Es ist ja auch für jeden gut gelaufen, denn Paul spielt ja jetzt bei TESTAMENT. Dazu kommt noch, dass der Wechsel vollzogen wurde, als wir gerade von der Tour zu „Shovel Headed Kill Machine“ zurück kamen und das Geld etwas knapp war. Paul wollte sich dann auf ein paar andere Dinge konzentrieren, wie etwa seine Finanzen in den Griff zu bekommen. Jetzt haben wir Tom wieder und alles ist bestens. Die US-Tour war sogar die beste seit den 90ern.

Es gibt zwei Artwork-Versionen für das Album – wie kam es dazu?
Ganz einfach: Wir haben vom Künstler mehr als ein Artwork bekommen und wollten sie alle verwenden.

Das Album hat den Untertitel „Exhibit A“. Wird es ein „Exhibit B“ geben und wird das auch so heißen?
Ja, mit Sicherheit. Wir werden es dann auch „Atrocity Exhibition: Exhibit B“ oder vielleicht einfach nur „Exhibit B“ nennen.

Was haben „Exhibit A“ und „Exhibit B“ gemeinsam?
Angefangen hat es damit, dass wir einfach zu viele Songs für ein Album hatten. Wir hatten dann überlegt, ein Doppelalbum zu machen, aber das hat sich dann nicht ergeben, also entschieden wir, ein zweiteiliges Album daraus zu machen. Musikalisch gesehen gibt es ein paar Dinge, die die beiden Platten verbinden, wie z.B. Intros und Outros, die letztendlich alles zusammenbringen. Sie könnten auch textliche Gemeinsamkeiten haben, aber es ist nicht wirklich ein ausgewachsenes Konzept dahinter.

Was genau ist die „Atrocity Exhibition“?
Das ist organisierte Religion. Da werden der Welt seit Jahrhunderten Grausamkeiten aufgetischt.

Würdest Du also sagen, dass das neue Album politisch ist, wenn Ihr über Dinge wie Religion sprecht?
Ich red’ bloß Scheiße!
(lacht) Das können wir wirklich gut: Scheiße reden über Scheiße, die uns ankotzt.

Was für Themen werden also in den Texten behandelt? „As It Was As It Soon Shall Be“ scheint beispielsweise etwas mit der Krise im mittleren Osten zu tun zu haben.
Ja, es hat mehr mit meiner Sicht auf die Welt zu tun. Ich glaube nicht an diesen Krieg und ich glaube, dass er ein Fehler ist, aber ich denke das aus anderen Gründen als die meisten Menschen, nämlich weil es mir am Arsch vorbei geht. Es ist mir scheißegal, wer befreit wird, denn das ist nicht mein verdammtes Problem und wir hätten da gar nicht erst einmarschieren sollen. Im Moment regen sich alle Kriegsgegner über die Verletzung der Menschenrechte auf und die Gegenseite ist der Meinung, dass wir den Menschen helfen, wenn wir diesen Krieg fortsetzen, aber mir ist das ganz einfach egal.

Rob sagte kürzlich in einem Interview, dass gegen Ende des Jahres eine EXODUS-DVD erscheinen würde. Was dürfen wir erwarten?
Das ist Robs kleines Projekt. Er hat wirklich hart daran gearbeitet. Das Ganze wird ein bisschen anders, als die Leute erwarten, aber wirklich witzig. Es zeigt seine Sicht auf die Welt von EXODUS und wie es ist, der neue Sänger der Band zu sein.

Also wird das keine Live-DVD?
Nein, es zeigt mehr Behind-The-Scenes-Material und die Perspektive der Musiker. Da hat sich schon wirklich cooles Zeug angesammelt. Chaos garantiert!

In letzter Zeit gibt es in den vereinigten Staaten eine Menge junger Thrash Metal-Bands, die alle EXODUS als ihr größtes Vorbild nennen. Was hältst Du von dieser Entwicklung?
Ich finde das toll! Die Kerle sind jung, sie spielen mit einer Menge Enthusiasmus und man merkt, dass sie Bock drauf haben. In kurzer Zeit werden sie anfangen, einen Stil zu entwickeln, der ein bisschen individueller ist und nicht mehr ganz so altmodisch klingt. Ich meine, ich weiß nicht mal, wo die diese Tennisschuhe herbekommen…die sehen aus, als hätten sie 1985 mir gehört. Geil!
(lacht)

Eine letzte Frage noch: Was hat es mit dem versteckten Banjo-Song auf dem neuen Album auf sich? Wer singt dort?
Tom singt und spielt Schlagzeug, Jack spielt Bass und Maultrommel und ich spiele Gitarre. Tom und ich singen diese Version schon seit zwanzig Jahren, weil die Gesangslinie so gut auf einen Hillbilly-Song passt. Also dachten wir, wir könnten es auch mal aufnehmen.

Vielen Dank für deine Zeit und viel Spaß bei der Show!
Danke für das Interview!

Dieses Interview wurde persönlich geführt.

Publiziert am von und

Fotos von: Moritz Grütz

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