CD-Review: Firewind - Few Against Many

Besetzung

Apollo Papathanasio - Gesang
Gus G. – Gitarre
Petros Christo - Bass
Bob Katsionis - Keyboards, Gitarre
Jo Nunez – Drums

Tracklist

01. Wall of Sound
02. Losing My Mind
03. Few Against Many
04. The Undying Fire
05. Another Dimension
06. Glorious
07. Edge Of A Dream (feat. Apocalyptica)
08. Destiny
09. Long Gone Tomorrow
10. No Heroes, No Sinners


„Hoppla, das sind FIREWIND?“ war so ziemlich mein erster Gedanke zum neuen Album des griechischen Erfolgs-Exports. Vor, aber vor allem auch nach dem zwar starken, aber nicht überwältigenden „Days Of Defiance“ im Jahre 2010 hat man sich offenbar nochmal grundsätzlich Gedanken über seine Zukunft als Power-Metal-Band gemacht. Hatte dies vor zwei Jahren noch einen düsteren, komplexeren Touch zur Folge, der in Sachen Melodieführung und Riff-Charakter aber weiterhin einen sehr konventionellen Touch hatte, ist „Few Against Many“ eine astreine Heavy-Metal-Scheibe mit deutlich hörbaren Thrash-Elementen geworden.

Mit fortschreitender Spieldauer der Scheibe wird dann immer deutlicher, dass der cheesy Power Metal der Frühphase der Band endgültig Geschichte ist. Doch im Vergleich zum Vorgänger, der doch etwas sperrig daherkam und sich zwischen klassischen (klar ausgedrückt: platten) Elementen des Genres und einer wahrlich finsteren Ausrichtung schlecht entscheiden konnte, ist „Few Against Many“ eine Platte, die in sich konsistenter kaum sein konnte und mit der sich FIREWIND direkt bärenstark in einer benachbarten, aber doch klar anderen Spielart etablieren. Erinnert die Band gerade in der ersten Hälfte stark an das räudige Old-School-Flair Metallicas, stehen für Songs wie „Another Dimension“ Symphony X mit ihrem symphonischen, modernen Thrash Metal Pate. Zum einen hat man somit eine Möglichkeit gefunden, die technischen Fähigkeiten der Mitglieder deutlich songdienlicher einzubauen, zum anderen ist der deutlich rockigere Touch ein Garant für konstant gewaltig groovende und schlicht stylische Nummern. Keine Spur mehr von Keyboard-geschwängertem, durchaus etwas peinlichen Pathos, das hier ist schleicht und ergreifend ein geniales Album in der Tradition der 80er. Da ist es nur folgerichtig, dass Sänger Apollo nur noch in tiefer, testosterongeschwängerter Stimmlage agiert und die Shred-Eskapaden an den Gitarren zurückgefahren wurden – ein Element, das man in der guten alten Zeit nicht benötigt hat, um starke Songs zu schreiben und das bei genauerer Betrachtung ja auch nicht immer zielführend ist. Alle Vorgänger-Werke wirken im direkten Vergleich wie Jugendsünden einer Band, die Prämissen folgten, die den Talenten der Band eigentlich unangemessen waren.

FIREWIND liefern mit „Few Against Many“ ein astreines Rock / Thrash-Album, das Old-School-Sound perfekt in die Gegenwart transportiert – und klingen dabei natürlicher denn je. Denn die genannten Referenzen werden nicht dumm abgekupfert, was zumeist doch sehr aufgesetzt wirkt, sondern werden in eine logisch klingende, aber neue FIREWIND-Basis gebettet, die der Band Individualität garantiert. Meiner persönlichen Ansicht nach kann man alle früheren Scheiben der Griechen getrost vergessen: „Few Against Many“ ist eine neue Messlatte nicht nur, was die Diskographie der Band angeht, sondern auch und vor allem, was Heavy- und Thrash-Metal-Platten im Jahre 2012 angeht. Es bleibt abzuwarten, ob die Genialität, die FIREWIND hiermit an den Lagen, entsprechend rezipiert wird, doch für mich persönlich ist dies völlig unerwartete Kehrtwende eine der besten Überraschungen dieses Jahres.

Bewertung: 9.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: