Fit For An Autopsy "Oh What The Future Holds"

Review Fit For An Autopsy – Oh What The Future Holds

An FIT FOR AN AUTOPSY dürfte in den letzten Jahren kaum ein Weg vorbeigeführt haben. Von nationaler wie internationaler Presse hochgelobt, hat das amerikanische Sextett im Zweieinhalbjahres-Turnus ein hochklassiges Album dem anderen folgen lassen. Die stetige Weiterentwicklung ihres düsteren, progressiven und modernen Death Metals hat sie schließlich mit den herausragenden Platten „The Great Collapse“ und „The Sea Of Tragic Beasts“ in die erweiterte Spitze der Szene gespült. Mit „Oh What The Future Holds“ erscheint nun das sechste Full-Length der Mannen aus Jersey, mit dem der Siegeszug selbstverständlich fortgesetzt werden soll.

Stilistisch bleiben sich FIT FOR AN AUTOPSY auf ihrer neuesten Veröffentlichung treu: Schwermütige Melodien kreieren eine beklemmende Atmosphäre, instrumentale und vokale Wutausbrüche beklagen immer noch den schmerzlichen Zustand der Welt und stampfende Rhythmen und Breakdowns treiben die Hörer wie eine Herde Büffel vor sich her. Und doch wirkt auch „Oh What The Future Holds“ wieder eigenständig und frisch.

Nicht nur haben FIT FOR AN AUTOPSY ihre eigenen Trademarks perfektioniert, sie reichern diese auch immer wieder mit neuen Elementen an: „The Great Collapse“ überzeugte mit drückenden „Sludge“-Anleihen, „The Sea Of Tragic Beasts“ wurde mit dezenten Klargesangspassagen aufgewertet. Auf „Oh What The Future Holds“ wagt sich die Truppe nun in teils chaotische Gefilde mit vertrackter Rhythmik hervor. Neben dieser Erweiterung des eigenen Soundbilds gelingt es FIT FOR AN AUTOPSY zudem, stets ihre Vorbilder (hier seien vor allem Gojira und Carcass genannt) in Ehren zu halten, ohne deren Sound replizieren zu wollen.

Neu im Hause FIT FOR AN AUTOPSY ist zudem, dass sie nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, sondern mit dem Titeltrack (halb Intro, halb vollwertiger Song) einen langsam in ihren Kosmos voll Zorn und Verzweiflung hineinführen. Geprägt von finsteren Pianoklängen baut sich ein Ungetüm auf, das im Hintergrund mit leisen, vibrierenden Bässen die unheilvolle Thematik einer FIT-FOR-AN-AUTOPSY-Platte aufzeichnet und mit einem donnernden Breakdown als Klimax Knochen zu Staub zermalmt.

Der unheilvolle Sog des atmosphärisch-krachenden Sounds hält glücklicherweise die gesamte Spieldauer über an: Auf der Single „Pandora“ treffen pfeilschnelle Riffs auf ruhige, von leisen Gitarrenmelodien und verspielten Drums getragene Passagen. Mit „Far From Heaven“ würdigen FIT FOR AN AUTOPSY einerseits Gojira, deren musikalischer Einfluss auf die Band seit jeher auszumachen ist. Andererseits entwickelt sich aus dem duplantier’schen Intro-Riff ein verzehrender Brecher mit Ohrwurmcharakter, der auf lange Sicht einen Platz in der Live-Setlist sicherhaben dürfte.

Auch im weiteren Verlauf spielen FIT FOR AN AUTOPSY mit allen ihren Stärken: „In Shadows“ mündet in einem so brutalen wie mitreißenden Breakdown-Finale. „A Higher Level Of Hate“ und „Conditional Healing“ überzeugen mit vertrackten Rhythmen, bei denen Reminiszenzen an Meshuggah und Converge erweckt werden. „Collateral Damage“ und „The Man That I Was Not” bleiben mit ihren dramatischen Melodien im Ohr und drängen dazu, die Repeat-Taste zu missbrauchen.

Drei Elemente sind dabei besonders hervorzuheben: Die aus zwei Gitarren und dem Bass bestehende Rhythmus-Fraktion errichtet stets eine brachiale Soundwand, während die Lead-Gitarre, fast unscheinbar und doch immer präsent, wie ein kleiner Schimmer in der Dunkelheit über dem vernichtenden Geschehen schwebt. Dieser atmosphärische Kniff verleiht beispielsweise „Two Towers“ oder „A Higher Level Of Hate“ eine besondere Schwere.

Als zweites ist vor Schlagzeuger Josean Orta der Hut zu ziehen: Bereits auf zurückliegenden Alben konnte sein abwechslungsreiches und teils von lateinamerikanischer Musik geprägtes Spiel die Tracks auflockern und intensivieren. Dies gelingt ihm auf „Oh What The Future Holds“ nun besser denn je: Ob mit experimentellen Sounds wie im Intro von „A Higher Level Of Hate“ oder seinem durchweg spannenden Beckenspiel – Orta legt nicht nur die Grundlage zur drückenden Rhythmik der Gitarren, er spielt sich selbst gekonnt in den Vordergrund.

Zuletzt ist, wie bereits bei den Vorgängern, Frontmann Joe Badolato zu nennen. Der Sänger verbessert sowohl seine Growls als auch seine Clean-Vocals von Release zu Release und kann in der Zwischenzeit getrost zu den prägnantesten und wiedererkennbarsten Schreihälsen der Szene gezählt werden.

Insgesamt ist FIT FOR AN AUTOPSY mit „Oh What The Future Holds“ abermals ein Album gelungen, das alle Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertrifft. Die Hit- und Ohrwurmdichte mag im Vergleich zu den drei direkten Vorgängern etwas geringer ausfallen, doch ist die sechste Platte der Amerikaner im Gesamtkonzept ihr womöglich reifstes Werk. Denn „Oh What The Future Holds“ entfaltet sich vollständig, wenn man es am Stück hört: Vom Piano-Intro des Titeltracks bis zum letzten atmosphärischen Breakdown in „The Man That I Was Not“, FIT FOR AN AUTOPSY ziehen einen vollständig in ihren dunklen Bann. Sofern man sich diesem ganz hingibt, bleibt nach den letzten Tönen nur die Option, sich nochmal auf diese Reise zu begeben.

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Wertung: 8.5 / 10

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