CD-Review: Fit For An Autopsy - The Sea Of Tragic Beasts

Besetzung

Joe Badolato - Gesang
Will Putney - Gitarre
Patrick Sheridan - Gitarre
Tim Howley - Gitarre
Peter "Blue" Spinazola - Bass
Josean Orta - Schlagzeug

Tracklist

01. The Sea Of Tragic Beasts
02. No Man Is Without Fear
03. Shepherd
04. Your Pain Is Mine
05. Mirrors
06. Unloved
07. Mourn
08. Warfare
09. Birds Of Prey
10. Napalm Dreams


God is a lie and man is a failure.“

Mit dieser kurzen wie prägnanten Zeile verdeutlichten FIT FOR AN AUTOPSY anno 2015 im Song „Saltwound“ ihren pessimistischen Blick auf die Welt. Vier Jahre und zwei Alben später hat sich die Gesellschaft leider nicht zum positiven entwickelt und doch könnte man an dieser Zeile zweifeln. Denn was die sechs Kerle aus New Jersey auf ihrem vierten Album „The Great Collapse“ im Jahre 2017 präsentierten, ließ einen beinahe an einen Deathcore-Gott glauben. Nun steht mit „The Sea Of Tragic Beasts“ das fünfte Album auf dem Plan, wozu sich zwei Fragen herauskristallisieren: Erstens, ist es überhaupt möglich den Vorgänger zu übertrumpfen und zweitens, wenn ja, wie?

Bereits im Mai hatte uns die Band in einem Interview erklärt, dass es auf ihrem bevorstehenden Album einige Überraschungen zu entdecken gebe, man dabei allerdings immer nach sich selbst klingen werde. Ein Versprechen, das heutzutage viele Bands abgeben, einige allerdings nicht halten können. Die Truppe um Star-Produzent Will Putney lässt jedoch auf Worte Taten folgen – hier darf niemand eine Art „The Great Collapse Teil 2“ erwarten, jedoch die volle Dröhnung FIT FOR AN AUTOPSY. Dass die Band dabei weiß, wie Weiterentwicklung funktioniert, haben sie zudem mit jedem ihrer Alben unter Beweis stellen können. Nun aber Schluss mit dem Geschwafel und auf „Play“ gedrückt.

Bevor man sich versieht, dröhnen schon die Gitarren des Titeltracks aus den Boxen. Wenn man nicht wüsste, dass es sich hier um FIT FOR AN AUTOPSY handelt, könnte man das Intro glatt mit Gojira verwechseln. Klingt der Start des Openers den Franzosen dabei erschreckend ähnlich, gelingt es der Band noch auf dem selben Song, einen Platz in ihrer ganz eigenen Nische zu finden. Diese befindet sich noch etwas weiter weg vom Deathcore als auf dem Vorgänger „The Great Collapse“ und noch stärker zwischen progressivem und melodischem Death Metal. Dabei geht es der Band nie darum, technische Fähigkeiten zu demonstrieren, besonders hart zu klingen oder auf Gedeih und Verderb im Gedächtnis bleiben zu wollen. Viel mehr setzt das Sextett von Minute eins an auf eine beklemmende Atmosphäre, die sich einerseits in wüster Aggression, andererseits als verzweifeltes Klagen manifestiert. Als bestes Beispiel hierfür dient die erste Single „Mirrors“: Der ruhige, gesungene Start erweckt bereits ein mulmiges Gefühl, bevor Joe Badolato mit seinen markanten Growls einem erst in die Magengrube und anschließend auf den gekrümmten Rücken schlägt.

In Kombination mit den abermals famosen sozial- und gesellschaftskritischen Lyrics kreieren FIT FOR AN AUTOPSY auch auf „The Sea Of Tragic Beasts“ wieder ein musikalisches Konstrukt, das den Hörer verschlingt und ihm die Abgründe der Menschheit aufzeigt. Sei dies mit zermürbenden und eingängigen Refrains („No Man Is Without Fear“, „Mourn“) oder mit eher klassisch schwedischem Death Metal („Shepherd“), der Band gelingt es auf abwechslungsreiche Art und Weise, die düstere Grundstimmung über 45 Minuten aufrecht zu erhalten. Die clever eingestreuten ruhigen Parts bieten dem Hörer die einzigen kurzen Verschnaufpausen – denn auf jedes Highlight folgt gleich das nächste. „Warfare“ scheint als reiner Brecher daherzukommen, überrascht dann jedoch mit Josean Ortas fast schon entspannendem Drumming. Das anschließende „Birds Of Prey“ sorgt mit seinen schnellen Riffs, dem stampfenden Refrain und dem konträr zu den Strophen sehr schleppenden Breakdown für den absoluten Höhepunkt der Platte. Garniert wird das Ganze dazu mit einem tollen Solo.

Neben der Leistung der Instrumentalfraktion muss man unbedingt auch Badolatos Entwicklung hervorheben: Seine Vocals klingen vielseitiger und kräftiger denn je. So überrascht er mehrfach mit fiesen hohen Screams, wie auch mit gefühlvoller Clean-Stimme. Um bei allem Lob auch Kritikpunkte zu „The Sea Of Tragic Beasts“ anzubringen, muss man also sehr tief graben. So könnte man einerseits bemängeln, dass es trotz vermehrt eingesetztem Klargesang weniger zugänglich ist als seine Vorgänger und einige Durchgänge benötigt, um sich voll zu entfalten – andererseits macht es großen Spaß, nach und nach die Vielseitigkeit der Platte zu erkunden und bei jedem Durchgang neue Facetten zu entdecken. Ein tatsächlicher Kritikpunkt ist allerdings, dass sich auf FIT FOR AN AUTOPSYs fünftem Album kein Überhit wie „Black Mammoth“ von „The Great Collapse“ findet. Zudem wirkt die Produktion stellenweise etwas unausgeglichen. Bei dem äußerst hohen Niveau aller zehn Songs verzeiht man allerdings auch das gerne.

Insofern man die Jungs von der amerikanischen Ostküste noch als Deathcore einordnen mag, muss man anerkennen, dass sie in diesem Genre das Maß aller Dinge sind. Lyrisch wie musikalisch kann man FIT FOR AN AUTOPSY auch auf „The Sea Of Tragic Beasts“ zu einer herausragenden Leistung gratulieren. Ob das Album auf lange Sicht besser als „The Great Collapse“ ist, wird die Zeit zeigen. Dass es in den kommenden Wochen die Musik im iPod und der Anlage dominieren wird, steht jedoch außer Frage. So kann man zum Abschluss zwei Dinge festhalten: FIT FOR AN AUTOPSY sind ein Synonym für Qualität und die Menschheit ist genauso Scheiße wie vor vier Jahren – zumindest wenn es nach Joe Badolato in „Shepherd“ geht:

Man is the cancer. We call for death and it answers.“

Bewertung: 9.5 / 10

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