CD-Review: Gamma Ray - Sigh No More (Anniversary Edition)

Besetzung

Ralph Scheepers – Gesang
Kai Hansen – Gitarre
Dirk Schlächter – Gitarre
Uwe Wessel – Bass
Uli Kusch – Schlagzeug

Tracklist

CD 1:
01. Changes
02. Rich And Famous
03. As Time Goes By
04. (We Won't) Stop The War
05. Father And Son
06. One With The World
07. Start Running
08. Countdown
09. Dream Healer
10. The Spirit
11. Sail On (Live) (Japanese Bonus Track)
12. Changes (Live)
CD 2:
01. One With The World (Live at Wacken 2011)
02. Dream Healer (Live in Montreal 2006)
03. Changes (Blast From The Past version)
04. Rich And Famous (Blast From The Past version)
05. One With The World (Blast From The Past version)
06. Dream Healer (Blast From The Past version)
07. Heroes (Preproduction) (Alternative version of "Changes")
08. Dream Healer (Preproduction)
09. As Times Goes By (Preproduction – Kai on vocals)
10. (We Won’t) Stop The War (Preproduction – Kai on vocals)
11. Dream Healer (Demo – Kai on vocals)
12. Rich And Famous (Demo – Kai on vocals)


GAMMA RAY sind umtriebig: Innerhalb eines Jahres wollen sie ihren ganzen back catalogue neu veröffentlichen – aber nicht einfach so. Sämtliche Alben wurden von Eike Freese, dem langjährigen Produzenten der Band, remastered. Dazu gibt es, wie üblich, eine Tonne Bonusmaterial. Hier auf dem Prüfstand steht mit „Sigh No More“ sicher nicht das bekannteste Album der deutschen Power-Metal-Institution. Der Zweitling hat in der Diskografie wahrlich keinen leichten Stand, gilt er doch zwischen dem gefeierten Debüt „Heading For Tomorrow“ und dem letzten Album der Scheepers-Ära, „Insanity And Genius“, als leichter stilistischer Ausreißer. Lohnt dennoch die Investition?

Fest steht jedenfalls, dass „Sigh No More“ auch in der „Anniversary Edition“ einige gefeierte Bandklassiker aufzuweisen hat. Der Opener „Changes“, das schnelle „Rich And Famous“ oder auch der Gassenhauer und Mitsing-Garant „One With The World“ haben ihren festen Platz in der Geschichte der Band und werden auch heute noch immer wieder live gespielt, genau wie das etwas drogenlastige „Dream Healer“. „The Spirit“, obwohl durchaus beliebt bei beinharten Fans, erlebte erst auf der „Skeletons & Majesties“-Tour seine Wiedergeburt.

Dazwischen allerdings befindet sich viel, was man heute eher vergessen hat. Oder erinnert sich noch jemand besonders an „(We Won’t) Stop The War“? „Start Running“? „Countdown“? Selbst das schnellere „As Time Goes By“ klingt etwas in die Jahre gekommen. Aber so ist das nun mal, Lieder auf einem älteren Album repräsentieren immer auch ihre Zeit – und die war 1991 nun mal so, dass man auch im Heavy Metal mal ein Experiment wagen musste, wollte man gegen den omnipräsenten Grunge eine Chance haben. „Sigh No More“ hat jedenfalls den Charakter einer Zeitreise: Ein solches Album würde heute sicher nicht mehr aufgenommen werden (auch von GAMMA RAY nicht).

Bereits erwähnt wurde Remastering. Neben der heutzutage obligatorischen Erhöhung der Lautstärke hat Eike Freese vor allem an der Klangtiefe gedreht – der Sound wirkt im Ganzen dreidimensionaler. Hier gilt freilich, dass der Erfolg von Remastering anhand von Promo-MP3s nur schwer zu beurteilen ist. Neben einem neuen Artwork (Danke, danke, danke!) und neuen Liner Notes liegt dem Release aber auch eine Bonus-CD bei. Auf ihr befindet sich eine bunte, man mag auch sagen: etwas wirre Mischung von alternativen Fassungen der Songs. Ungefähr die Hälfte davon ist wirklich neu: Preproduction-Aufnahmen und Demoversionen mit entsprechend rauem Charme. Anderes ist dagegen bereits bekannt, wie veröffentlichte Live-Fassungen oder die Versionen der Albumtracks, die schon auf dem „Blast From The Past“-Album veröffentlicht wurden.

Im Ganzen bietet GAMMA RAY mit „Sigh No More“ alles, was man von einer Wiederveröffentlichung erwarten kann: ein respektvolles Remastering, ungehörte Bonustracks und Kommentare zu den Songs in Form von Liner Notes. Wie üblich kann man sich über die Art der Bonustracks streiten, zumal sie etwas an Vielfalt vermissen lassen. Schließlich sind alleine vier von zwölf Bonustracks Variationen von „Dream Healer“. Dennoch ist die Anniversary Edition von „Sigh No More“ eine gute Gelegenheit, eventuelle Lücken in der Diskografie dieser Ausnahmeband zu schließen, und, sollte das noch nicht der Fall sein, eine CD kennenzulernen, die vom Signature-Sound der Band abweicht. Gerade jüngere Fans der Band könnten von dem ausgeprägt anderen Klang des Zweitlings überrascht und angeregt sein.

Bewertung: 8 / 10

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