CD-Review: Gamma Ray - 30 Years Live Anniversary (2CD+DVD)

Besetzung

Kai Hansen - Gesang, Gitarre
Frank Beck - Gesang
Henjo Richter - Gitarre
Dirk Schlächter - Bass
Michael Ehré - Schlagzeug

Gastmusiker:
Ralf Scheepers - Gesang
Corvin Bahn - Keyboard

Tracklist

CD 1:
01. Induction
02. Dethrone Tyranny
03. New World Order
04. Avalon
05. Master Of Confusion
06. Empathy
07. Rebellion In Dreamland

CD 2:
01. Land Of The Free
02. Lust For Life
03. One With The World
04. The Silence
05. Armageddon
06. Heading For Tomorrow
07. Send Me A Sign

DVD:
01. Induction
02. Dethrone Tyranny
03. New World Order
04. Avalon
05. Master Of Confusion
06. Empathy
07. Rebellion In Dreamland
08. Land Of The Free
09. Lust For Life
10. One With The World
11. The Silence
12. Armageddon
13. Heading For Tomorrow
14. Send Me A Sign


Das Cover von "30 Years Live Anniversary" von Gamma Ray

1989 und damit kurz nach dem Ausstieg von Bandkopf Kai Hansen bei Helloween gegründet, gehören GAMMA RAY zu den Urvätern des deutschen Power Metal. Seither hat sich bei den Hamburgern einiges getan, nicht zuletzt holte die Band 2015 mit Frank Beck einen weiteren Sänger an Bord, weil Herrn Hansens Stimme alters- und/oder lebensstilbedingt nicht mehr ganz taufrisch ist. Hinzu kommt, dass der Bandleader seit einigen Jahren auch wieder bei Helloween involviert ist, weshalb es um GAMMA RAY einigermaßen still geworden ist. Den 30. Geburtstag ihres Debüts „Heading For Tomorrow“ im vergangenen Jahr wollte sich die Truppe aber nicht einmal durch die Corona-Pandemie vermiesen lassen, weshalb die entsprechende Jubiläums-Show am 27. August 2020 aus dem Düsseldorfer „ISS Dome“ als Streaming-Konzert übertragen wurde. Selbiges erscheint nun unter dem Titel „30 Years Live Anniversary“ auf Doppel-CD und DVD.

Ähnlich wie Destruction haben sich GAMMA RAY also dazu entschlossen, eine volle Live-Produktion vor leerer Halle auf die Bühne zu bringen und was im Thrash Metal funktioniert, muss im Power Metal ja nicht verkehrt sein. Zunächst lohnt ein Blick auf die Setlist: Da hier die letzten 30 Jahre und nicht das Debüt selbst gefeiert werden, spielt die Band „Heading For Tomorrow“ auch nicht als Ganzes, mit drei Songs ist die Platte aber das am stärksten vertretene Album. Mit „Lust For Live“, „The Silence“ und dem Titeltrack wurden obendrein starke Nummern ausgewählt. Klar, mit „Rebellion In Dreamland“ und anderen Evergreens vom gleichnamigen Hit-Album oder „New World Order“ und „Send Me A Sign“ finden sich auch hier allerhand Titel, die zum standardisiertesten Standardrepertoire von GAMMA RAY gehören. Dafür verzichten die Hamburger diesmal gänzlich auf Helloween-Material und bieten dafür selten Gehörtes wie „Empathy“ von „To The Metal“ oder „Avalon“ vom nach wie vor aktuellen „Empire Of The Undead“.

Klanglich fällt „30 Years Live Anniversary“ prinzipiell genau so aus, wie man es von einer vernünftigen Live-Aufnahme erwartet: Der Sound ist angenehem fett, heavy und ausgeglichen und lässt auch die nötigen Raumanteile nicht vermissen – so fällt es leicht, sich vorzustellen, dass diese Platte in einer tatsächlichen Konzerthalle mitgeschnitten wurde. Was etwas sauer aufstößt, ist, dass zwischen den Songs Publikumsjubel zu hören ist und das kann bei einer reinen Streaming-Show ja wohl kaum sein. Bei einer Band wie GAMMA RAY kann zwar durchhaus angenommen werden, dass das als Witz gemeint ist und die Entscheidung ist auch irgendwie nachvollziehbar, denn die Aufnahme fühlt sich vor allem auf CD dank eingespielten Publikums tatsächlich etwas mehr wie ein „herkömmliches“ Live-Album an. Trotzdem: So viel Ehrlichkeit, zuzugeben, dass hier unter widrigen Umständen vor leerer Halle gespielt wurde, muss eigentlich sein, weshalb der Applaus aus der Dose schlichtweg unnötig ist.

In Sachen Optik erfüllt „30 Years Live Anniversary“ alle Kriterien für eine amtliche Live-DVD – minus ausgelassenes Publikum, versteht sich. Somit fällt der künstliche Jubel beim Genuss der DVD auch noch einmal deutlich unangenehmer auf, fühlt sich das hier doch wie die Hintergrundlacher einer Sitcom der 90er an. Davon abgesehen machen GAMMA RAY eine hervorragende Figur: Die Band um Kai Hansen weiß ihre Bühne selbstverständlich zu nutzen und auch der zusätzliche Sänger Frank Beck wirkt zu keiner Zeit deplatziert – weder gesanglich, noch räumlich. Zudem wird die Performance der Hanseaten hier durch hervorragenden Schnitt in Szene gesetzt, der stets zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Musiker in den Fokus nimmt.

Am Ende kann man zu solcherlei Corona-Livealben stets das gleiche Fazit ziehen: Wenn wie im Falle von „30 Years Live Anniversary“ der Aufwand eines vollwertigen Konzertes betrieben wird, dann ist das auf jeden Fall um Welten besser als eine ebenso langweilige wie gelangweilte Proberaum-Performance. GAMMA RAY haben sich in Sachen Performance, Sound und Schnitt redlich Mühe gegeben, ihren Auftritt so „normal“ wie unter den Umständen irgendwie möglich zu gestalten und mit Primal-Fear-Sänger Ralf Scheepers sogar einen hochkarätigen Gast und ehemaligen Weggefährten eingeladen. Mit dem Publikum fehlt natürlich auch ein essenzieller Teil der Live-Atmosphäre, weshalb auch „30 Years Live Anniversary“ am Ende Platzhalter für einen vollwertigen Konzertmitschnitt bleibt.

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Bewertung: 7 / 10

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3 Kommentare zu “Gamma Ray – 30 Years Live Anniversary”

  1. paddy

    hallole,
    hab das mal irgendwo im web gelesen.
    war eben auf gammaray.org und unter scream for us wurden die fans aufgefordert mit freunden ihr gegroele aufzunehmen, welches dann in der live cd zwischen den songs eingefuegt wird.
    hatte es also doch noch richtig in meinem nicht mehr so frischen schaedel :-)
    ein lob an eure seite. gefaellt mir sehr.

  2. paddy

    mein lieber herr autor.
    die fans durften im vorfeld schon ihr jubel und geschreie aufnehmen und an die Gruppe schicken und wurde dann ins album mit abgemischt.
    das war gewollt und keinesfalls als getrickst gemeint.

    1. Thomas Meyns Beitragsautor

      Hallo Paddy,

      na sowas, das habe ich tatsächlich nicht gewusst – vielen Dank für die Erläuterung! Wo genau kann man das denn nachlesen?

      Zwar fühlt sich das dann immer noch ein bisschen komisch an, ergibt aber schon deutlich mehr Sinn und ist für Fans natürlich eine feine Sache.

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