CD-Review: God Seed - I Begin

Besetzung

Gaahl – Gesang
Sir – Gitarre
Lust Kilman – Gitarre
King Ov Hell – Bass
Kenneth Kapstad – Schlagzeug
Geir Bratland – Keyboard

Tracklist

01. Awake
02. This From The Past
03. Alt Liv
04. From The Running Of Blood
05. Hinstu Dagar
06. Aldrande Tre
07. Lit
08. The Wound
09. Bloodline


Nachdem es im Anschluss um den Split der Norwegischen Black-Metal-Legende Gorgoroth um die Separatisten Gaahl und King recht bald still geworden war, kam die Veröffentlichung des Konzertmitschnittes „Live At Wacken“ recht überraschend. Doch gut, ist Live-Material mit Vermarktungspotential da, wird dieses ja generell gerne genutzt… warum auch nicht. Dass diese Veröffentlichung erst der Anfang gewesen sein soll, wird indes erst jetzt klar – legen GOD SEED mit „I Begin“ doch nun gänzlich unverhofft ein Studio-Album nach.

Was einen hier erwartet, ist, so lässt sich mutmaßen, kein großes Geheimnis – hatten die beiden Köpfe hinter dem Projekt doch bereits in der Zeit, in der sie bei Gorgoroth die treibende Kraft waren, einen sehr eigenen Stil entwickelt – zur Freude der Einen, zum Leidwesen der anderen, die Gorgoroth am liebsten nur mit „Antichrist“ und „Pentagram“ verbinden.
Zwei Projekte, alle glücklich? Mitnichten.
„I Begin“ wäre gewissermaßen eine Chance gewesen, in dieser Glaubensfrage endlich Frieden zu Stiften: Nachdem Gorgoroth, erneut unter der Leitung von Bandgründer Infernus, zur großen Überraschung vieler mit „Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt “ eindrucksvoll bewiesen hatten, dass truer Black Metal nicht automatisch uninspiriert klingen muss, dürften GOD SEED sich verhältnismäßig schwer tun, mit „I Begin“ all jene zufriedenzustellen, deren liebste Alben im Schrank auf Namen wie „Incipit Satan“, „Twilight Of The Idols (In Conspiracy With Satan)“ oder „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ hören.

Das „Warum“ ist schnell erklärt – schaffen es GOD SEED hier doch über die gesamte Spielzeit von einer knappen Dreiviertelstunde hinweg nicht, den Hörer derart in ihren Bann zu ziehen, wie es bei den genannten Alben stets der Fall war. Am Grundrezept wurde dabei, wenig überraschender Weise, wenig geändert – noch immer bekommt man markante Triolen-Riffs um die Ohren geschleudert – allerdings fehlt es diesen an Biss. Statt roher Aggression, wie man sie von genannten Alben gewohnt war, plätschert „I Begin“ relativ bedächtig vor sich hin. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Einbau realtiv beliebig klingender synthetischer Elemente und Samples – ein Ansatz, der King bereits bei seinem Interimsprojekt mit Shagrath, Ov Hell, nicht recht glücken wollte.
Doch dann die Überraschung, in Form des fünften Tracks, „Hisntu Dagar“: Völlig unerwartet machen GOD SEED hier einen Abstecher in fast schon Ensalvedsche Gefilde, bedienen sich eines anmutigen Cleangesangs und schaffen so inmitten des Albums ein wahres Kleinod schwarzmetallener Kompositionskunst – wenn auch in einem Stil, den man von GOD SEED ebensowenig erwartet, wie er zum Image, vor allem dem Rest der CD passt: Weiter geht es mit „Aldrande Tre“ nämlich sogleich gradliniger als sonst irgendwo auf dem Album. Ein gekonnter Bruch? Eher nein.

Zwei Projekte, alle glücklich?
Mitnichten. Denn während Gorgoroth mit ihrem aktuellen Output das Steuer noch einmal herumreißen konnten, und damit wohl tatsächlich einen Großteil ihrer alten Anhänger wiedergewinnen konnten, liefern GOD SEED mit „I Begin“ nichts Halbes und nichts Ganzes ab: Zwar beweist das fast in Richtung Progressive Black Metal tendierende „Hisntu Dagar“ eindrucksvoll, wozu King als Songwriter fähig ist – der Rest der Songs fällt jedoch über weite Strecken reichlich blass aus. Nette Ideen finden sich bei einer Spielzeit von knapp 45 Minuten natürlich immer wieder mal, im Großen und Ganzen ist jedoch kein roter Faden erkennbar, dem das Herumirren zwischen truen Riffs, elektronischen Elementen und progressiven Passagen nachvollziehbar folgt – sehr zum Leidwesen der Album-Atmosphäre.
Man muss nicht so weit gehen, zu sagen, „I Begin“ wäre grundsätzlich misslungen – von einem würdigen Nachfolger in der Tradition eines „Incipit Satan“ oder „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ kann hier jedoch ebenso wenig gesprochen werden wie von kreativem Freischwimmen. Schade.

Bewertung: 6.5 / 10

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