CD-Review: Gold - No Image

Besetzung

Milena Eva - Gesang
Thomas Sciarone - Gitarre
Nick Polak - Gitarre
Tim Meijer - Bass
Igor Wouters - Schlagzeug

Tracklist

01. Servant
02. Old Habits
03. O.D.I.R.
04. Shapeless
05. Tar And Feather
06. The Controller
07. The Waves
08. And I Know Now
09. Don't
10. Taste Me


GOLD haben vor knapp drei Jahren ihr Debüt „Interbellum“ veröffentlicht und reihten sich damit fast nahtlos in die Retro-Rock-Welle ein, auch wenn der Sound der Niederländer etwas düsterer war als bei den meisten anderen Gruppen. Mit „No Image“ steht nun der Nachfolger an und bereits beim Blick auf das Cover bekommt man den Verdacht, dass sich hier tiefere Abgründe auftun könnten.

Tatsächlich ist „No Image“ völlig anders, als man es hätte erwarten dürfen, auch wenn das bereits vorab veröffentlichte Video zu „Servant“ schon vermuten ließ, in welche Richtung GOLD sich bewegen werden. Eben dieser Song erinnert noch am ehesten an die Retro-Rock-Wurzeln des ersten Albums. Hier schwingen The Devil’s Blood deutlich mit. Im Verlaufe des neuen Werkes verwischen diese Spuren jedoch zusehends und verstärkte Einflüsse aus Punk, Psychedelic und (Post-)Hardcore verweben sich mit dem eigentlichen Rocksound der Niederländer. Bei „Tar And Feather“ halten sogar an den klassischen Black Metal angelehnte Elemente Einzug.

GOLD gelingt somit tatsächlich ein Stilbruch par excellence. Die Songs wirken zuweilen verstörend und doch fesseln sie den Hörer bereits beim ersten Hördurchlauf. Der Gesang von Milena Eva erklingt stellenweise deutlich fragiler als noch auf „Interbellum“, nur um dann umso kräftiger anzuschwellen. Die Kälte in ihrem Gesang wirkt vermehrt als fließe ihre ganze Verachtung für die Welt und die moderne Gesellschaft in die Textzeilen. Schreie oder laute Passagen sind nicht notwendig um dies zu zeigen. Ihre Kollegen legen zudem musikalisch den Finger in die Wunde. Die Gitarren erklingen mit kräftigen, oftmals sehr harten Riffs, die nicht zum Wohlfühlen einladen, sondern aufgrund ihrer rüden Ungeschliffenheit nach Aufmerksamkeit verlangen. So stellen das hypnotisch, repetitive „Old Habits“ oder das bedrohlich ansteigende „Don’t“ weitere Highlights auf „No Image“ dar. Das abschließende „Taste Me“ beginnt überraschend zart und doch ist stets dieser bedrohliche Unterton hörbar, welcher sich dann nach und nach in den Song hineinfrisst und damit auch in den Kopf des Hörers.

Was am Ende bleibt sind ein verstörter Geist und der Eindruck, dass dieser Silberling vor allem ein Gesamtkunstwerk ist, welches eine in sich geschlossene Einheit bildet. Einige mögen es GOLD als Schwäche auslegen, dass viele der Stücke dem gleichen Schema folgen, jedoch ist dies genau der Grund, warum „No Image“ so stark die eigenen Gedanken zum Wachsen bringen kann.

Das Bands mit ihrem eigenen Stil brechen und sich neu erfinden ist in der Musik keine Seltenheit, jedoch geschieht dies meist über mehrere Alben hinweg. GOLD haben diesen Stilbruch bereits mit „No Image“ vollzogen und, ähnlich wie das angesprochene Video zu „Servant“, zeigen sie damit die Kehrseiten einer Medaille auf. Sei es nun musikalisch oder in Bezug auf unsere heutige Welt.

Bewertung: 8.5 / 10

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