CD-Review: Gold - Why Aren't You Laughing?

Besetzung

Milena Eva - Gesang
Thomas Sciarone - Gitarre
Kamiel Top - Gitarre
Jaka Bolič- Gitarre
Tim Meijer - Bass
Igor Wouters - Schlagzeug

Tracklist

01. He Is Not
02. Things I Wish I Never Knew
03. Why Aren't You Laughing
04. Please Tell Me You're Not The Future
05. Taken By Storm
06. Wide-Eyed
07. Lack Of Skill
08. Truly, Truly Disappointed
09. Killing At Least 15
10. Mounting Into Bitterness
11. Till Death Do Us Part


[Post-Punk / Post-Rock / Black Metal] Die Niederländer GOLD haben eine interessante Entwicklung hinter sich: Ging das Debüt „Interbellum“ noch eher in die Richtung okkulter Retro-Rock, waren die Nachfolgealben „No Image“ und „Optimist“ schon merklich düsterer. Nun liegt mit „Why Aren’t You Laughing?“ der vierte Longplayer der Musiker um den Ex-The-Devil’s-Blood-Gitarristen Thomas Sciarone und die charismatische Frontfrau Milena Eva vor und man darf gespannt sein, ob die Band ihre interessante Mixtur aus verschiedenen Stilen weiter verfeinern konnte.

Die drei vor dem Album-Release erschienenen Vorabsingles „He Is Not“, „Taken By Storm“ sowie der Titeltrack zeigen die musikalische Bandbreite der neuen GOLD-Platte ganz gut auf: Der erstgenannte Song gehört mit seinem Post-Rock-Feeling zu den zugänglicheren auf „Why Aren’t You Laughing?“ und bleibt sofort im Ohr hängen, während im Titeltrack die post-punkigen Elemente in den Vordergrund rücken. „Taken By Storm“ ist dann der Beweis, dass das Sextett auch härter und böser kann, ohne in belanglose Metal-Plattitüden abzudriften: Schnelles, beinahe schwarzmetallisches Tremolo-Riffing beherrscht das Arrangement und wird durch Milena Evas melodischen Gesang wunderbar kontrapunktiert.

Aber auch der Rest des Albums weiß durch und durch zu gefallen, musikalische Ausfälle gibt es nicht zu verzeichnen: GOLD bleiben ihrer im höchsten Maße atmosphärischen Melange aus Post-Rock, wavigen Post-Punk und dem einen oder anderen metallischen Ausbruch treu und haben sich im Vergleich zu „Optimist“ merklich weiterentwickelt, denn „Why Aren’t You Laughing?“ wirkt ausgesprochen homogen und ausgereift. Zu den Höhepunkten gehört sicherlich auch das intensive „Please Tell Me You’re Not The Future“, dessen Schlusspart zu den wenigen Momenten auf der Platte zählt, in denen Milena Evas Gesang drängender und expressiver daherkommt.

Instrumental und gesanglich gibt es also nichts zu meckern: Die Musiker sind ausgesprochen fähig und gerade die drei Gitarristen verstehen es, melodisch-melancholische Soundlandschaften aufzubauen, die den Zuhörer sofort in ihren Bann ziehen – die auch mal zur Soundwand werden können, wobei die Produktion aber immer einen eher rockigen und weniger metallischen Stempel aufdrückt. Gesanglich gibt sich Milena Eva auf Albumlänge meistens zurückhaltend und drängt sich nicht in den Vordergrund – wobei sich gerade in den balladeskeren Highlights wie „Truly, Truly Disappointed“ und „Killing At Least 15“ zeigt, wie gut die Frau singen kann.

Auch textlich bleiben sich die Niederländer treu: „Why Aren’t You Laughing?“ beschäftigt sich eher abermals mit den negativen Facetten der menschlichen Psyche, stets melancholisch, aber auch ironisch, manchmal fast schon zynisch aufbereitet. Keine leichte Kost, was auch das explizite Coverfoto der Künstlerin Danielle van Ark unterstreicht: es zeigt eine Frau in einer so nicht eindeutig interpretierbaren Situation – aber der Gedanke an einen Akt sexueller Gewalt liegt nahe.

So entziehen sich GOLD erfolgreich musikalischem Schubladendenken: „Why Aren’t You Laughing?“ markiert den bisherigen Höhepunkt einer Band, die tatsächlich einzigartig ist. Auch wenn Einflüsse wie The Cure, die Swans oder sogar Portishead spürbar sind, hat die Truppe ihre eigene Nische geschaffen und ist damit nur schwer mit anderen Gruppen vergleichbar. Melancholisch, atmosphärisch dicht, abwechslungsreich und doch homogen: „Why Aren’t You Laughing?“ zählt ohne Frage zu den Highlights der ersten Jahreshälfte und bietet mit seinen großartigen Melodien und kurzweiligen Arrangements auch einen hohen Langzeitspaßfaktor.

Bewertung: 9 / 10

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