CD-Review: Iced Earth - Plagues Of Babylon

Besetzung

Stu Block – Gesang
Jon Schaffer – Gitarre
Troy Seele – Gitarre
Luke Appleton - Bass
Raphael Saini – Schlagzeug
Gastmusiker:
Hansi Kürsch - Gesang
Russell Allen - Gesang
Michael Poulsen - Gesang

Tracklist

01. Plagues Of Babylon
02. Democide
03. The Culling
04. Among The Living Dead
05. Resistance
06. The End?
07. If I Could See You
08. Cthulhu
09. Peacemaker
10. Parasite
11. Spirit Of The Times
12. Highwayman
13. Outro


Wer hätte gedacht, dass man sich so sehr auf für 2014 angekündigte Plagen freuen kann, vor allem wenn sie uns bereits am Anfang des Jahres ereilen sollen. Was sich hier anfänglich nach der Freude auf einen möglichen Weltuntergang anhört, bezieht sich aber einzig und allein auf das „Plagues Of Babylon“ getaufte elfte Album der US-Power-Metaller von ICED EARTH. Die Mannen rund um Bandchef Jon Schaffer konnten sich ja bereits mit dem Vorgänger „Dystopia“ wieder ein wenig steigern und es stellt sich nunmehr die Frage, ob die Band einen weiteren Schritt auf dem Weg zu alter Stärke vollziehen konnte?

Betrachtet man den als Einstieg in das Album gewählten Titelsong, dann bleibt auf alle Fälle festzuhalten, dass das Selbstvertrauen hierzu allemal vorhanden ist. Nicht viele Formationen stellen ein fast achtminütiges Werk, welches größtenteils im Mid-Tempo stampfend daher kommt, an den Anfang einer Scheibe, wie es ICED EARTH hier getan haben. Dabei stellt „Plagues Of Babylon“ aber nicht einfach nur den Anfang des Albums dar, sondern vielmehr wird hiermit auch ein sechs Songs umfassendes Epos begonnen, das nicht nur thematisch an die 1998er „Something Wicked“-Saga erinnert. Das zweite Stück „Democide“ kommt auf Anhieb ein wenig flotter daher als der Opener, und überzeugt vor allem durch seine sehr guten Lead-Gitarren, treibendes Schlagzeugspiel und den starken Gesang von Stu Block. “The Culling“ setzt die begonnene Geschichte fort und wirkt ein wenig roher und rifflastiger als der Beginn des Albums, wartet aber ebenfalls mit einem sehr schönen Chorus auf und erfreut den Hörer dann sogar mit einem netten Solo. „Among The Living Dead“ hält dann eine, vor allem für Blind Guardian-Fans, schöne Überraschung bereit, denn niemand anderes als Hansi Kürsch steuert ein paar markige Schreie für den Song bei. Ansonsten kann man hier Ähnliches festhalten wie beim vorangegangenen Titel, auch wenn es wieder ein wenig heftiger zur Sache geht. Bei „Resistance“ handelt es sich womöglich um den „schwächsten“ Teil des Epos bevor „The End?“ einen absolut würdigen Abschluss bildet. Vor allem Stu Block zeigt hier wie gut er zum typischen Sound der Truppe passt. Während sein Gesang zu Beginn fast noch zerbrechlich klingt, werden die Vocals im weiteren Verlauf immer kräftiger und zum Teil aggressiver.
Der zweite Teil des Albums bewegt sich dann thematisch völlig losgelöst von den ersten sechs Songs und wird durch die fast schon obligatorische Halbballade „If I Could See You“ eröffnet und auch wenn die Lieder nicht zum Konzeptteil, gehören sind sie trotzdem ebenso hörenswert. Allen voran gilt dies für „Cthulhu“, welches von seinen starken Riffs, melodischen Lead-Gitarren und seinem schönen Chorus getragen wird. Einzig die Aufnahme von „Spirit Of The Times“ in die Tracklist wundert ein wenig, handelt es sich im Original doch um ein Stück von Jon Schaffers anderem Kind Sons Of Liberty und erscheint hierdurch wirklich ein wenig als Lückenfüller. Zum Abschluss von „Plagues Of Babylon“ hat sich der Frontmann noch einen kleinen Traum verwirklicht. Gemeinsam mit Stu Block, Russell Allen (u.a. Symphony X) und Michael Poulsen (Volbeat) singt er eine sehr gelungene Coverversion von „Highwayman“, welches im Original von Willie Nelson, Johnny Cash, Waylon Jennings and Kris Kristofferson stammt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ICED EARTH auch anno 2014 ihren typischen Sound behalten haben und erneut ein wenig von ihrer alten Stärke zurückgewonnen wurde. Die Songs klingen allesamt direkter und frischer als zuletzt und vor allem die Leadgitarren und Soli erfreuen den Hörer, denn rifftechnisch hatte die Combo noch nie etwas verlernt und Stu Block bewies bereits auf „Dystopia“ wie bockstark seine Leistung als Sänger ist. Trotz des positiven Gesamteindrucks darf man jedoch auch nicht vergessen, dass das Album gegen Ende durchaus ein wenig nachlässt und nur mit zwei Coversongs abgeschlossen wird. Ein Fakt, den man einer Truppe wie dieser durchaus ankreiden muss.

Fans von ICED EARTH dürfen beherzt zugreifen und sich eine der sechs verschiedenen Versionen von „Plagues Of Babylon“ aussuchen. Aber auch wenn man bis heute noch nichts von diesen Jungs gehört hat, kann man hier nicht viel falsch machen, da ein guter Einstieg gewährleistet ist. Wer nach dem Hören dann richtig Lust bekommen hat, darf sich auf die anstehende Tour quer durch Europa freuen.

Bewertung: 8.5 / 10

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2 Kommentare zu “Iced Earth – Plagues Of Babylon”

  1. Marc Lengowski

    Ja, ich finde die Scheibe auch nicht ganz so glücklich wie der Kollege Christoph. Genau wie du, Jokers‘ Jester, fehlen mir die Singalongs und der Hymnencharakter. Ich frage mich vor allem, warum Stu Block in einem derartig eingeschränkten Tonspektrum singt. Da haben die inzwischen einen Sänger, der (fast) wie Matt Barlow und (fast) wie Tim Owens singen kann, und sie lassen ihn auf dem Album im mittleren Stimmbereich verhungern – mir unverständlich.
    Für mich ist das Album im Ganzen auch eher solide Mittelklasse, wenn ich auch inzwischen einige Songs wirklich gelungen finde (The Cunning, Cthulhu).
    Besonders verrückt: Ich hörte das Album beim zweiten Mal mit einem Freund und wir beide fanden bei einem Song die Melodieführung total gut und dachten: endlich ein cooler Refrain. Was war? Es war „Spirit Of The Times“, also ein Coversong. So etwas ist natürlich schade für die Band, deren Album man gerade hört…

  2. Joker's Jester

    Am Anfang fand ich die Scheibe ganz grausig. Die zweite Hälfte der Songs habe ich überhaupt nicht verstanden, weil ich da bei keinem Song einen Spannungsbogen gesehen habe. Die gehen los, dann passiert ein paar Minuten lang nix und plötzlich ist der Song unvorhergesehen zu Ende. Und so ging es mir eigentlich mit jedem Titel nach „The End?“. Die erste Hälfte war da nur leicht besser, da hatten führten die Songs wenigstens auf etwas hinaus, allerdings hab ich Iced Earth trotzdem kaum wiedererkannt.

    Nach einigem Hören stellte sich dann doch ein paar Ohrwurmstellen hinaus und ich seh dass ganze nicht mehr ganz so kritisch. Allerdings feier ich die Scheibe trotzdem bei weitem nicht so euphorisch wie die Dystopia, bei der ich immer noch im Auto jedes Lied mitsinge und dabei zu schnell fahre.

    Lustigerweise ist die Plagues ja deeeeeutlich düsterer als Sing-a-long-Dystopia, und das trotz der Thematik des Vorgängers.

    Mein Fazit: Kein Totalausfall, aber leider den Erwartungen nicht gerecht geworden. Dystopia zündete wesentlich schneller und ist zumindest in meinen Ohren auch nach zwei Jahren noch super. Dass die Plagues längerfristig einen Eindruck hinterlässt, wage ich noch zu bezweifeln. Mal sehen wie ich das ganze nach der Tour beurteile.

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