CD-Review: Iced Earth - Incorruptible

Besetzung

Stu Block – Gesang
Jon Schaffer – Gitarre, Keyboards, Gesang
Jake Dreyer – Gitarre
Luke Appleton – Bass, Gesang
Brent Smedley – Schlagzeug

Tracklist

01. Great Heathen Army
02. Black Flag
03. Raven Wing
04. The Veil
05. Seven Headed Whore
06. The Relic (Part 1)
07. Ghost Dance (Awaken The Ancestors)
08. Brothers
09. Defiance
10. Clear The Way (December 13th, 1862)


Schon lange sind ICED EARTH eine feste Größe im schwermetallischen Musiksektor. Krankheit und Besetzungswechsel hatten den Power-Metallern um Gitarrist Jon Schaffer, die sich mittlerweile eher dem traditionellen Heavy Metal zugewandt, sich jedoch nie ganz von ihren Power- und Thrash-Einflüssen verabschiedet haben, nichts entgegenzusetzen. Ebendieser Ausdauer und Integrität, die sich das amerikanische Quintett über die Jahre bewahrt hat, ist nun die zwölfte Platte gewidmet. Dementsprechend kommen ICED EARTH auf „Incorruptible“ ohne großes Textkonzept daher, sondern präsentieren ganz einfach zehn für sich stehende Tracks aus purem, geradlinigem Heavy Metal.

Dieser auf den ersten Blick vielleicht wenig ambitioniert wirkende Ansatz bedeutet jedoch nicht, dass ICED EARTH hier auf Sparflamme spielen. Bereits der monumentale, symphonische Auftakt zum Opener „Great Heathen Army“ legt die Vermutung nahe, dass die Amerikaner abermals etwas Großes mit uns vorhaben. Sobald die ersten Riffs, das haarsträubende Shredding, die durchgetretenen Double-Bass-Drums und die auch später noch hin und wieder zum Einsatz kommenden Judas-Priest-Screams einsetzen, weiß man, dass sich ICED EARTH tatsächlich so treu geblieben sind, wie es der Albumtitel suggeriert.
Zwar gibt es auch diesmal ruhigere Songs wie das sehnsüchtige, akustisch beginnende „Raven Wing“ oder das verheißungsvolle, mysteriöse „The Veil“, insgesamt überwiegen jedoch eindeutig die testosterongeladenen Power-Hymnen, die mit energetischen Riffs und Soli sowie treibendem Schlagzeugspiel das Blut kochen lassen. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Genre-Vetter schwingt bei ICED EARTH trotz aller Epik jedoch auch immer eine gewisse Ernsthaftigkeit, ja fast schon Melancholie mit, insbesondere in den Leadmelodien. Wie ihre bisherigen Alben lebt auch „Incorruptible“ von den Details und der Abwechslung, die nicht zuletzt Stu Blocks herausragender, facettenreicher Gesangsleistung zu verdanken ist.
Neben heroischen Nummern wie dem mächtigen „Great Heathen Army“ oder dem motivierenden, historisch inspirierten Neunminüter „Clear The Way“ findet sich mit „Seven Headed Whore“ eine gnadenlose Thrash-Granate und sogar das längere, mit schamanischen Rituallauten versehene Instrumental „Ghost Dance“ haben ICED EARTH derart unterhaltsam arrangiert, dass letztlich kein einziger Durchhänger zu verorten ist. Hinzu kommt noch der druckvolle Sound, der im neuen, bandeigenen Hauptquartier, der Independence Hall, gezaubert wurde und der das Beste aus dem knapp einstündigen Longplayer herausholt.

„Incorruptible“ ist vielleicht nicht das beste oder außergewöhnlichste Album der amerikanischen Schwermetaller, doch mit seinen Vorgängern kann es sich problemlos messen, sodass es auch in der Gesamtdiskographie eine mehr als gute Figur macht. ICED-EARTH-Fans finden hier alles, was sie an der Band lieben: einfallsreiche, aber trotzdem leicht zugängliche und eingängige Melodien, epischen, kämpferischen Gesang, stimmige Details und jede Menge Abwechslung. Von der gefühlvollen Halbballade bis zum rücksichtslos aggressiven Nackenbrecher haben ICED EARTH nach fast 30 Jahren immer noch alles drauf, von Altersschwäche keine Spur. So muss das sein!

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Bewertung: 8.5 / 10

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