Review Incite – Wake Up Dead

Als Sohn eines berühmten Musikers aufzuwachsen hat zweifelsohne Vor- und Nachteile. Zwar öffnet einem als Nachwuchsmusiker ein prominenter Vater fraglos viele Türen, dafür muss man sich genau dafür später ständig rechtfertigen. Richie von INCITE dürfte ein Lied davon singen können – schließlich wuchs er als Adoptivsohn von Max Cavalera auf und durfte mit seiner Band schon in jungen Jahren als Support von Soulfly auftreten. So konnten die Nachwuchsthrasher früh viele Erfahrungen sammeln – werden aber bis heute mit dem Vorwurf konfrontiert, nur dank Richies Nachnamen überhaupt Beachtung gefunden zu haben.

Wie so oft ist auch dieser Vorwurf absolut gesehen natürlich haltlos: Zu sechs Studioalben, auf die es INCITE mit ihrem neuen Werk „Wake Up Dead“ nunmehr gebracht haben, kommt man nicht ohne viel Fleiß und Ausdauer; das sollte und muss man INCITE zugutehalten. Ob es mit dem gebotenen Material aber wirklich zu internationaler Bekanntheit gereicht hätte, wäre da nicht das Zauberwort „Cavalera“ im Spiel gewesen, bleibt auch nach dem Genuss von „Wake Up Dead“ zumindest fraglich. In diesem Kontext ebenso fraglich: Ob der Gastbeitrag von Max zum Track „War Soup“ nun als kreative Familien-Unternehmung oder doch als kleiner Familien-Gefallen für das Plus an Aufmerksamkeit zu sehen ist. Musikalisch gewinnt der Song durch das Feature jedenfalls eher wenig.

Dabei sei klargestellt: Natürlich ist auch dieser sechste Langspieler des Quartetts absolut „lege artis“ geschieben, gespielt und aufgenommen – schließlich dürfte Richie bei seinem Vater von der Pieke auf gelernt haben, wie man ein vernünftiges Thrash-Metal-Album anzugehen hat. Und auch seine Musiker Lennon Lopez (ex-M.O.D.) am Drumkit, Christopher „EL“ am Bass und Holy-Grail-Gitarrist Eli Santana, der 2019 bei INCITE als einziger Gitarrist für Riffs und Soli sorgt, sind nicht eben Rookies.

Stilistisch jedoch bieten INCITE einmal mehr eher wenig, was wirklich spannend wäre: Zehn Songs und 36 Minuten tollen INCITE im weiten, aber oft recht wüsten Feld des (Neo-)Thrash mit Metalcore-Einflüssen herum. Nicht nur gesanglich erinnern manche Songs an Lamb Of God („The Slaughter“), Machine Head oder gleich späte Pantera („Fuck With Me [Wake Up Dead]“), andere an Raised Fist und vergleichbare Core-Bands mit starker Metal-Schlagseite („Fallen“). Dabei haben die INCITE-Stücke durchaus Energie und können mit fingerfertiger Gitarrenarbeit aufwarten. Ein Argument, warum man sich dafür ausgerechnet INCITE anhören sollte, bleiben ebendiese jedoch schuldig: Der Drive und Groove, mit anderen Worten: die Hit-Qualitäten der genannten Bands, bleiben unerreicht.

Damit ist „Wake Up Dead“ eines der Alben der am schwersten zu bewertenden Sorte: Gut gemachte, aber leider völlig belanglose Werke, an denen objektiv betrachtet nichts schlecht ist – subjektiv aber auch wenig gut. Ohne Zweifel kann sich jeder Fan von modernem Thrash Metal die Zeit mit „Wake Up Dead“ vertreiben, und wer beispielsweise durch Zufall über INCITE zum Metal gefunden hat, wird in „Wake Up Dead“ für sich persönlich ein absolutes Jahreshighlight sehen. Allen anderen kann das Album aber aus genannten Gründen guten Gewissens völlig egal sein.

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Wertung: 6.5 / 10

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