CD-Review: Iron Maiden - A Matter Of Life And Death

Besetzung

Bruce Dickinson - Gesang
Adrian Smith - Gitarre
Dave Murray - Gitarre
Janick Gers - Gitarre
Steve Harris - Bass
Niko McBrain - Schlagzeug

Tracklist

01. Different World
02. These Colours Don't Run
03. Brighter than a Thousand Suns
04. The Pilgrim
05. The Longest Day
06. Out of the Shadows
07. The Reincarnation of Benjamin Breeg
08. For the Greater Good of God
09. Lord of Light
10. The Legacy


Wenn die neue Platte des altgedienten Metal-Flagschiffs IRON MAIDEN eines braucht, dann ist es Zeit. Zeit, sich zu entfalten und auf den Hörer einzuwirken. Nach dem ersten Hördurchlauf wollte ich „A Matter of Life and Death“ schon als Mittelmaß, nur geringfügig besser als die unsägliche „Dance of Death“ abtun. Aber irgend etwas war da, dass mich immer wieder dazu aufforderte, die Scheibe wieder und wieder zirkulieren zu lassen. Und tatsächlich, langsam aber sicher fressen sich die majestätischen Melodien mit diesem unverwechselbaren Jungfrauen-Touch in die Gehirnwindungen des Hörers. Denn was 2006 auf die Metal-Gemeinde losgelassen wird, ist schlicht und ergreifend IRON MAIDEN at its best!

Dabei beginnt „A Matter of Life and Death“ so unscheinbar. “Different World” ist ein geradliniges Stück mit einem netten Riff und einem unglaublich eingängigen Chorus. Das es sich dabei auch um das schnellste Stück der Platte handelt, ist zwar schade, aber IRON MAIDEN sind anno 2006 nicht mehr so ungestüm wie vor 20 Jahren. Trotzdem sind die klassischen Trademarks – die galoppierende Rhythmus-Fraktion, dass die prägnanten Basslinien, das mehrläufige Gitarrenspiel und die majestätischen, operettenhaften Vocals – von Anfang an klar zu erkennen. Bereits Song Nummer zwei kann als Blaupause für das restliche Scheibchen herhalten. Der ruhige, beinahe balladeske Beginn der sich über beinahe sieben Minuten in Dramatik und Härtegrad steigert und in einem wunderbaren Solopart mit nochmals durchgedrücktem Gaspedal kulminiert, das alles ist typisch für vor allem spätere Maiden. Des Metallers liebster Bruce thront über all der Instrumentierung, stolz und selbstsicher wie ein junger Bock. Mit seinen nicht mehr taufrischen 47 Lenzen verweist er stimmgewaltig sämtliche Jung-Krakeeler auf ihre Plätze. Die Legende von der in Stücke gesungenen Discokugel scheint wieder in greifbare Nähe gerückt. Das absolut ohrwurmigste Riff der Scheiblette kann das flotte „The Pilgrim“ aufbieten. Diesen Song kann man in dem Gesamtkunstwerk, das „A Matter of Life and Death“ darstellt, noch am ehesten als Hit bezeichnen. Mister Dickinson singt hier flott und aggressiv und Mister Harris befingert seinen Bass wie eine ungestüme Geliebte. Das Gitarren-Trio Smith, Gers und Murray agiert geschlossen wie ein Mann und schafft es, sich dabei immer wieder gegenseitig in die höchsten Höhen der Axt-Kunst zu schrauben. Das ganze Treiben wird von Grinsekasper McBrain von einem unaufdringlichen, aber effektiven und abwechslungsreichen Getrommel unterlegt. Den Höhepunkt erreicht der Sechser mit dem abschließenden Epos „The Legacy“. Was hier an Ideen und Qualität abgefeuert wird, sucht schon seines Gleichen. Eingeleitet von zärtlichem Gesang und akustischer Gitarre vereint dieses Lied über beinahe zehn Minuten noch einmal alles, was „A Matter of Life and Death“ Letzten Endes zu einer der besten Scheiben in der langen und bewegten Geschichte der Eisernen Jungfrauen macht.

Der Sound wird der spielerischen Qualität der Protagonisten mehr als gerecht. Jedes Instrument ist klar definiert, die Tiefen sind druckvoll und klar. Hier fügt sich alles zu einer homogenen Einheit zusammen. So und nicht anders muss es sein. Noch ein Wort zum Cover-Artwork: Oft genug habe ich gehört, dass ich die Fans den alten Eddie im alten Design zurückwünschen. Das ist ja schön und gut und auch verständlich, aber Maiden sind nicht mehr die gleiche Band wie vor 20 Jahren. Sie haben sich enorm weiterentwickelt und das sollte auch das Cover reflektieren. Dabei muss noch angemerkt werden, dass „A Matter of Life and Death“ in der Riege der neueren Bildchen einen Treppchenplatz einnimmt.

Die Neue IRON MAIDEN ist gelandet. Nicht mit einem Knall, sondern mit einem unwiderstehlichen Sirenengesang macht sie auf sich aufmerksam und lässt die Nullnummer „Dance of Death“ vergessen. Gebt dieser Scheibe die Zeit, die sie braucht, um sich zu entwickeln und ihr werdet merken, dass ihr es mit einem der besten, klassischen Heavy Metal Stücke dieses Jahres zu tun habt. Kopfhörer auf und genießen.

Redakteur: Stefan Eder

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: