CD-Review: Iron Savior - Rise Of The Hero

Besetzung

Piet Sielck – Gesang, Gitarre
Joachim Küstner – Gitarre
Jan Sören Eckert – Bass
Thomas Nack – Schlagzeug

Tracklist

01. Ascendence (Intro)
02. Last Hero
03. Revenge Of The Bride
04. From Far Beyond Time
05. Burning Heart
06. Thunder From The Mountains
07. Iron Warrior
08. Dragon King
09. Dance With Somebody
10. Firestorm
11. The Demon
12. Fistraiser


IRON SAVIOR standen schon immer in der Tradition bester deutscher Power-Metalbands. Das ist überhaupt kein Wunder, wenn man sich den kreativen Kopf hinter dem Projekt anschaut: Piet Sielck hat nicht nur in der Vorgängerband von Helloween gespielt, sondern leitet das Hamburger Powerhouse Studio, in dem schon Gamma Ray aufgenommen haben. Weitere Meriten sammelte Sielck an der Gitarre bei Savage Circus und bei diversen Gelegenheiten zur Unterstützung Blind Guardians – und genau das hört man dem aktuellen Album „Rise Of The Hero“ auf den ersten Ton an.

Gemeint sind freilich nicht die späteren Outputs von Blind Guardian, sondern das Werk bis „Nightfall“. „Rise Of The Hero“ führt viele Titel, bei denen die Harmonien im Refrain, der Einsatz des Chors und nicht zuletzt die Intonation von Sielck selbst hart an die Krefelder erinnern („Revenge Of The Bride“, „From Far Beyond Time“). In anderen Songs hingegen fühlt man sich unweigerlich an Grave Digger erinnert („Thunder From The Mountains“). Wie aber macht sich ein solches Mashup?

Die Antwort auf diese Frage lautet: eigentlich ganz ordentlich, wenn auch wenig überraschend. „Rise Of The Hero“ hat zudem in der Produktion ordentlich Wumms bekommen – kein Wunder, bei der Masse an Erfahrung, die Sielck im Produzieren hat. So feuern IRON SAVIOR dem Genrefreund besonders im zweiten Drittel der CD eine Salve nach der anderen um die Ohren: „Burning Heart“ drückt aufs Gaspedal und hat einen eingängigen Refrain, „Thunder From The Mountain“ klingt im Ganzen so göttlich nach frühen Großtaten von Blind Guardian, dass man die leichte Anlehnung an Grave Diggers „Heavy Metal Breakdown“ im Refrain sofort verzeiht, und der Midtempo-Stampfer „Iron Warrior“ walzt über jede Kritik hinweg.

Leider aber, so scheint es, haben IRON SAVIOR damit ihr Pulver verschossen. Lediglich die Coverversion von Mando Diaos „Dance With Somebody“ lässt noch einmal aufhorchen, ansonsten rauscht der Rest von „Rise Of The Hero“ am Hörer etwas vorbei. Das ist schade, gerade wenn man die vorher zitierten kompositorischen Leistungen noch im Ohr hat und auf das nächste Prachtstück wartet. Dafür ist der Wiederkennungswert von „Firestorm“ oder „The Demon“ aber einfach zu gering.

Deshalb schaffen es IRON SAVIOR nicht recht aus ihrer Nische heraus. „Rise Of The Hero“ kann mit den erwähnten Stärken punkten und ist für Fans des alten Stils von Blind Guardian & Co sicher eine Empfehlung wert, alle anderen aber können die Band weiter links liegen lassen, ohne allzu viel zu verpassen.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

9 Kommentare zu “Iron Savior – Rise Of The Hero”

  1. Piet Sielck

    Freunde der Sonne, hier liegt ein klarer Fall für REZIEINSCHREITMÄN vor:
    1. Revenge Of The Bride hat einmal genau nichts mit Blind Guardian zu tun. So einen Unfug hab ich selten gehört…
    2. Thunder From The Mountains hat ebenfalls genau nichts mit Grave Digger zu tun. So eine Unsinn habe ich noch seltener gehört…
    3. Fistraiser hat noch viel weniger als einmal nichts mit Blind Guardian zu tun. Weder textlich noch musikalisch gibt es auf keinem einzigen BG Album einen Track, der auch nur annähernd vergleichbar wäre…
    Wer also auf powermetal steht, kann diese Seite auch weiterhin getrost ignorieren ohne viel zu verpassen ;-)
    Best, Piet m/

  2. Marc Lengowski Post Author

    Hallo Piet,

    ich nehme einfach mal an, dass du es wirklich bist – man weiß das im Internet ja nie so genau. Es ist aber letztlich auch egal, denn jeder, der das hier liest, hat ein Recht auf eine Antwort.

    Zuerst einmal: Dass dir nicht jede Rezension gefällt, die du liest, ist normal. Mir gefallen ja auch nicht alle ALben, die ich so zu hören bekomme. Sobald man aber mit einem Werk – sei es eine CD oder eine Rezension – an die Öffentlichkeit geht, macht man sich angreifbar. Das galt für dich durch meien CD-Kritik, das gilt für mich durch deinen Kommentar.

    Was die einzelnen Punkte angeht, so muss ich mich zuerst bei dir und den anderen Lesern entschuldigen – aber nur für den dritten Punkt deiner Kritik. Hier habe ich mich nämlich geirrt. Durch einen Notizfehler und hastiges Korrekturlesen habe ich einen Titel verwechselt: Gemeint war nicht etwa „Fistraiser“, sondern „From Far Beyond Time“. Das war ein ärgerlicher Fehler und der tut mir leid. Ich habe es inzwischen auch in der Rezension ausgetauscht.

    Was deinen erste und zweiten Punkt angeht, so fällt es mir viel schwerer, sie nachzuvollziehen. Ab davon, dass es in meinen Augen gar kein Problem wäre, an Blind Guardian und Grave Digger zu erinnern, liegt aber vielleicht ein Missverständnis vor. Ich wolle nie sagen, dass ihr einfach BG oder GD nachspielt! Wenn dem so wäre, wäre die Bewertung auch schlechter gewesen. Was ich geschrieben habe, ist, dass ihr an einzelnen Stellen an sie erinnert.

    Deshalb geht der von dir ins Spiel gebrachte 1:1-Vergleich auch fehl. Es geht nicht um enges Reproduzieren, sondern um Ähnlichkeiten. Die liegen einerseits, wie ich schrieb, in der Intonation des Gesangs und im Einsatz der Chöre („Revenge Of The Bride“). Man könnte da auch noch die ruhigere Passage ab 03:09 hinzunehmen, wenn du genauer wissen willst, was die Assoziation bei mir auslöst.

    Andererseits liegt es – wie ich schrieb – in einer „leichten Anlehnung“ im Refrain an GD bei „Thunder From The Mountains“. Warum ich mich beim Hören mehr an GD erinnert fühle als du beim Schreiben, bleibt aber vielleicht auch für immer ein Geheimnis der Rezeptionsästhetik.

    In jedem Fall sehe ich nicht, dass die beiden Vergleiche (deine Nummern eins und zwei, drei war mein Fehler) völlig fehlgehen. Aber dagegen hast du dich ja auch gar nicht verwahrt, sondern gegen die konkreten Beispiele. Solche Vergleich sind im Übrigen in Rezensionen ein übliches Stilmittel, da man ja einen Höreindruck mit Worten beschreiben muss, wofür Vergleiche hilfreich sind. Auch helfen sie Lesern, die euch noch gar nicht kennen, bei der Einordnung.

    Mir ist aber noch nicht klar, wie du dadurch zu einem so fatalen Urteil kommst – deines ist nämlich viel weitreichender als meins. Ich habe die Scheibe den Fans des Power Metals doch gerade empfohlen, nicht etwa von ihr abgeraten!

    Im Ganzen etwas überrascht:
    Marc

    1. Piet Sielck

      Hey Marc,
      eben weil es ja in einer Rezi hauptsächlich darum geht, bisher nicht mit dem Thema vertrauten Lesern einen Eindruck zu vermitteln, finde ich die zitierten Vergleiche unpassend. Hört jetzt jemand nach Deiner Rezi Revenge Of The Bride in freudiger BG Erwartung, schwebt bei diesem armen Menschen doch ein Fragezeichen über dem Kopf. Und wo Du bei TFTM Grave Digger hörst, erschließt sich mir eben auch nicht. Das mit den Vergleichen geht schon grundsätzlich in Orndung, aber hier stimmten sie einfach nicht und haben einen – wie ich finde – recht verfälschten Gesamteindruck zurückgelassen. Wer auf BG werke von der Tales, Somewhere oder auch Imaginations steht, der hat doch mit z.B. Burning Heart, Iron Warrior, Dragon King etc. nix am Hut. Natürlich bietet die Scheibe für solche Vorlieben auch Songs an, aber eben nicht nur… Und den letzten Satz finde ich schlicht und ergreifend unhöflich und überflüssig. Belass es doch für zukünftige Rezis – für welche Band auch immer – bei der Empfehlung für das von Dir ausgemachte Klientel und lass die „Links liegen lassen“ Empfehlung für den Rest weg. Vielleicht hilft es Dir, Dich gedanklich mal in die Situation eines x beliebigen Künstlers zu versetzen, der monate- bzw. auch mit unter jahrelang an seinem Zeug herumgeschraubt hat und nun irgendwo lesen muss, dass man diese, seine Arbeit getrost „Links liegen lassen“ könne. Egal, ob man den Output gut oder schlecht findet, vermisse ich da den gebotenen grundsätzlichen Respekt vor einer Leistung. Aber vielleicht hast Du das auch gar nicht so abwertend gemeint, wie es rüber kommt. Mein Kommentar ist auch nicht als Aufreger zu verstehen, sondern vielmehr als Denkanstoß. Und Hey, wenn ihr Journos uns armen armen Künstler kritisiert, dann dürfen wir das gelegentlich umgekehrt auch mal ;-).
      In diesem Sinne beste Grüße,
      Piet

      1. Marc Lengowski Post Author

        Hey Piet,

        natürlich darf man uns im Allgemeinen und mich im Besonderen kritisieren ;-) Nicht zuletzt haben wir ja die Kommentarfunktion. Das hat auch den Vorteil, dass zukünftige Leser gleich sehen, dass man über den Einfluss anderer Bands auf euer aktuelles Album unterschiedlicher Meinung sein kann.

        Es ist richtig, dass ich in der Rezension den BG-Aspekt relativ stark gemacht habe – das war aber nie abwertend gemeint, sondern liegt einfach daran, dass ich ihn sehr prominent finde. Und dass ihr nicht durchgehend so klingt, schreibe ich ja auch. Blind Guardian bringt man doch eher selten mit Begriffen wie „Midtempo-Stampfer“ (zu Iron Warrior) oder einem Mando-Dia-Cover in Verbindung. Auch „Burning Heart“ wird im Text ja in einem anderen Zusammenhang aufgerufen.

        Letztlich heißt „für Fans von“ ja auch nicht, dass man eine völlig gleiche Band bekommt, sondern dass es Ähnlichkeiten, aber auch einige Unterschiede gibt. Vielleicht hätte man letztere noch etwas stärker betonen können – dass die Menschen aber nach der Rezension von eurem Album enttäuscht sein werden, glaube ich ehrlich gesagt nicht.

        Da ich jetzt sehe, dass dich besonders der letzte Satz aufregt, lass mich dazu noch etwas sagen. Dich oder deine Band zu beleidigen, lag mir fern. Wenn das so rübergekommen ist, tut mir das leid. Der letzte Satz weist für mich aber doch auf eine elementare Funktion von Musikmagazinen hin: Es gibt so viele Outputs, dass man als Fan selbst einer einzelnen Subrichtung Schwierigkeiten hat, alles zu hören. Deshalb versuchen wir, Orientierung zu geben.

        Welche CDs sind für Genrefans geeignet? Das sind meist die mit den Noten von 6-8. Andere, die auch genreübergreifend Interesse wecken oder potentielle Genreklassiker (oder zumindest absolute Prachexemplare ihrer Art) sind oder aber besonders innovativ sind, das sind die mit den höheren Noten, mit denen ich aber eher sparsam umgehe. Die „reinen“ Genrescheiben hingegen sind oft für Menschen, die nicht dem Subgenre entstammen, wenig interessant, weil sie keine Anknüpfungspunkte finden. Für die Fans hingegen sind sie gute Wahl. Darauf zielte mein Hinweis.

        Ob „links liegen lassen“ eine sehr harte Formulierung dafür ist, darüber hatte ich ehrlich gesagt nicht zu viel nachgedacht. Man schreibt ähnliche Varianten häufig und versucht schon deshalb, mal etwas anders zu formulieren. In jedem Fall wollte ich damit nicht die viele Arbeit diskreditieren, die du und deine Jungs in die Scheibe gesteckt hast – es ging mir darum, im Interesse des Lesers die Zielgruppe zu umreißen.

        Was ist jetzt hingegen weiß: Es ist interessant und anregend, auch die Meinung des Künstlers zu hören.

        Viel Spaß bei der Releaseparty!
        Marc

        1. Piet Sielck

          Hey Marc,

          erstmal finde ich es super, das wir uns hier austauschen können. Neben REZIEINSCHREITMÄN bin ich gelegentlich auch mal KONTENANCEVERLIERMÄN ;-). Von daher möchte ich mich ebenfalls für meine auch nicht eben unharsche Kritik entschuldigen. Das war eigentlich auch eher leicht ironisch gemeint, was aber sicherlich nicht so rübergekommen ist. Die Vergleiche waren für mich einfach nicht stimmig und im Zusammenhang mit dem abschließenden Satz kam das alles viel negativer rüber, als es offensichtlich von dir gemeint war. Das glaube ich dir auch aufrichtig nachdem wir uns jetzt ausgetauscht haben.

          Letztendlich ging es mir auch gar nicht so sehr um meine Band. Es ging mir mehr darum, für alle Künstler hier mal eine Lanze zu brechen und eine gewisse Sensibilität anzumerken, denn für unser eins ist unser kreative Output sowas wie Kinder. Wenn die angeflapst werden, setzt sofort der Verteidigungsreflex ein ;-). Es lag und liegt mir weiterhin vollkommen fern, dich oder andere zu einer mir gefälligeren Bewertung meines Tuns zu bewegen. Ganz im Gegenteil. Geschmäcker sind verschieden und das ist auch gut so, denn sonst wäre das Leben langweilig :-).

          Cool, das wir die Kuh vom Eis haben und sich jeder nun vom anderen verstanden fühlt.

          In diesem Sinne alles gute für dich und beste Grüße aus Fuhlsbüttel,

          Piet

  3. Tyr

    Ich hoffe inständig, diese Kommentare sind nicht wirklich von Piet Sielck. Denn – alter Verwalter – wie peinlich ist es bitte, als Musiker über eine Rezension zu jammern? Fremdschämen galore!

    1. Piet Sielck

      Hey Tyr,
      dann wünsche ich frohes Fremdschämen. Und vielleicht liest Du noch mal genauer nach: ich kritisiere hier keineswegs die Bewertung, sondern lediglich ein paar handwerkliche Fehler und im besonderen den letzten Satz, der für welche Band auch immer einfach nicht in Ordnung geht.
      Best, Piet

  4. David

    Nun,
    eine CD Review zu erstellen ist nicht immer ganz einfach… Vor allem wenn es eine einzelne Person macht. Ich kann Piet da voll verstehen, alleine der letzte Satz ist mehr als unfreundlich.

    Ich weiß ja nicht wie lang sich der Reviewer mit dem Album beschäftigt hat, aber man sollte es schon mehrmals anhören, und vor allen wenn man gute Laune hat ;)

    Wie auch immer, egal um welchen Künstler es geht.. Respekt vor der Leistung sollte da sein, auch wenn einem persönlich das Album oder einige Songs nicht gefallen!

    In dem Sinne.. Bis heute Abend Piet ;)

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: