CD-Review: Judas Priest - Nostradamus

Besetzung

Rob Halford – Gesang
Glenn Tipton – Gitarre
K.K. Downing – Gitarre
Ian Hill - Bass
Scott Travis - Schlagzeug

Tracklist

CD1:
01. Dawn Of Creation
02. Prophecy
03. Awakening
04. Revelations
05. The Four Horsemen
06. War
07. Sands Of Time
08. Pestilence & Plague
09. Death
10. Peace
11. Conquest
12. Lost Love
13. Persecution

CD2:
01. Solitude
02. Exiled
03. Alone
04. Shadows In The Flame
05. Visions
06. Hope
07. New Beginnings
08. Calm Before The Storm
09. Nostradamus
10. Future Of Mankind


Es ist an sich ja immer eine spannende Sache, wenn Bands der alten Garde ein neues Album veröffentlichen. Bei Judas Priest sogar umso mehr, da viele Fans wissen sollten, wie es nach dem nicht unumstrittenen Reunion-Album „Angel of Retribution“ (ich persönlich fands toll („geil“ sagt man ja nicht)) nun weitergehen sollten. Die Ankündigung, ein Konzeptalbum herauszubringen, schürte die Erwartungen nur noch umso mehr. Etwas derartiges gab es bei den Priestern noch nie, wie werden die alten Herren mit dieser neuen Herausforderung umgehen?

Eines gleich vorweg: „Nostradamus“ ist kein zweites „British Steel“, auch kein neues „Screaming for Vengeance“ und auch der Painkiller wird nicht wiedergeboren. Judas Priest haben es tatsächlich geschafft, nochmal ganz neue Seiten an sich zu entdecken. Wie bereits gesagt, handelt es sich bei „Nostradamus“ um ein Konzeptalbum, welches das Leben und Wirken des populären Propheten/Schaumschlägers (bitte zutreffendes selber raussuchen) behandelt. Wie es sich für ein derartiges Werk nun mal gehört, besteht „Nostradamus“ nicht nur aus einer bloßen Aneinanderreihung von Stücken, nein, diese sind durch in- und outtros sowie allerlei kurze Zwischenstücke miteinander verbunden, sodass sich ein gewisser roter Faden durch das ganze Album zieht. Manowar-Geschädigte können an dieser Stelle jedoch aufatmen, die Musik steht zu jeder Zeit im Vordergrund, es gibt keine ellenlangen Laberpassagen wie auf „Gods of War“.Dennoch wird diese neue Scheibe vor allem die alten Fans auf eine harte Probe stellen. Natürlich gibt es klassiche Priest-Brecher wie den Titelsong, das mächtige „Pestilence and Plague“ (cool: Rob Halford singt italienisch) oder der düstere quasi-Opener „Prophecy“. Darüber hinaus haben Priest viele neue Elemente in ihren Sound integriert. So kommt „Nostradamus“ sehr orchestral rüber, was jedoch oft auf Kosten der Priest´schen Gitarren geht, welche immer wieder stark in den Hintergrund gerückt werden. Schnelle Songs machen sich auf dem Album eher rar.
Hier wären wir schon beim wichtigsten Knackpunkt: Dieses Album erschließt sich erst nach einigen Hördurchläufen, manch einer mag von den zahlreichen, ruhigen Passagen schnell gelangweilt sein. Zusammen mit der mehr als ordentlichen Spieldauer von gut 103 Minuten entpuppt sich „Nostradamus“ als das bislang wohl sperrigste, um nicht zu sagen, progressivste Album, das Judas Priest jemals aufgenommen haben. Wer sich allerdings Zeit nimmt und einige Hördurchgänge, am besten mit Kopfhörern und im leicht abgedunkelten Zimmer auf sich nimmt, wird dafür reichlich belohnt. Man steigt langsam durch dieses massive Stück Metal und es offenbaren sich immer mehr Feinheiten, Details und vor allem Gänsehautmomente.
So ganz kann ich mich manchen Jubelreviews jedoch nicht anschließen, dafür gibt zu gravierende Qualitätsunterschiede: Neben erwähnten Hits, von denen vor allem der Titeltrack einschlägt wie eine Bombe, gibt es auch ein paar Ausfälle. Da wär zum Beispiel das ellenlange „Death“, das irgendwie nicht so richtig in Fahrt kommen will und einfach nur nervt. Gleiches trifft auch auf den Opener der zweiten Disc, „Exiled“ Zu. Und an der etwas sehr schmalzigen Ballade „Lost Love“ werden sich wohl auch die Geister scheiden.

Alles in allem ist es natürlich sehr zu begrüßen wenn eine altgediente Truppe wie Judas Priest kein „auf Nummer sicher“-Album abliefert, sondern auch nach fast 40 Jahren immernoch für Überraschungen gut ist. Nun geht die Rechnung bei „Nostradamus“ leider nun mal nicht komplett auf. Wer einen „Painkiller“-Nachfolger hören will – und nur den – der sollte besser die Hände von dieser Scheibe lassen. Auch wenn sie sicher nicht an Meisterwerke wie „Operation: Mindcrime“ oder „Metropolis pt. 2: Scenes from a memory“ heranreicht, wer auf episch angelegte Rockopern abfährt, und den einen oder anderen Aussetzer verkraften kann, wird mit „Nostradamus“ sicher seine Freude haben.

Bewertung: 7 / 10

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1 Kommentar zu “Judas Priest – Nostradamus”

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