CD-Review: Lamb Of God - Wrath

Besetzung

Randy Blythe - Gesang
Mark Morton - Gitarre
Will Adler - Gitarre
John Campbell - Bass
Chris Adler - Schlagzeug

Tracklist

01. The Passing
02. In Your Words
03. Set To Fail
04. Contractor
05. Fake Messiah
06. Grace
07. Broken Hands
08. Dead Seeds
09. Everything To Nothing
10. Choke Sermon
11. Reclamation


LAMB OF GOD – ein Name, der vor allem Metalcore-Fans schon lange ein Begriff ist (immerhin treiben die Knaben nun bald zehn Jahre unter diesem Namen ihr Unwesen), seit ihrem letzten Album, „Sacrament“, aber wohl auch jedem Thrasher etwas sagt: Nicht nur auf eben jenem Opus bewies die Truppe eindrucksvoll, dass man sich vom Metalcore der Anfangstage zu waschechtem Thrash weiterentwickelt hatte, sondern auch auf Tour mit den Legenden dieses Genres, Slayer, konnten LAMB OF GOD überzeugen.

Nun steht er also ins Haus, der Nachfolger jenes mehr als gelungenen Albums, das man wohl als Meilenstein in der Geschichte dieser Band bezeichnen muss. Und, wie das bei Meilensteinen eben so ist, ist die Rolle des Nachfolgers eine undankbare, wird er doch stets an seinem glorreichen Vorgänger gemessen. Nicht ganz zu unrecht, da man einer Band, die einmal ein derartiges Album erschaffen hat, auch ein zweites Meisterwerk zutrauen kann. Um es kurz zu machen und den Leser nicht unnötig auf die Folter zu spannen: LAMB OF GOD vollbringen mit „Wrath“ nicht einmal vergleichbares.

Schon „In Your Words“, das einem beeindruckend belanglosen Akustik-Gitarren-Intro folgt, überrascht den Hörer: Ist das erste Riff noch klassisch LAMB OF GOD, mutet der Gesang mehr als sonderbar an: Der Versuch melodisch zu schreien scheitert schon im Ansatz, so dass man es mit einer mehr als nervig-leihernden Gesangsline zu tun bekommt, in deren Stil sich der Gesang, im Wechsel mit klassischen LOG-Gesangs-Parts, über den gesamten Song fortsetzt.
Nun muss man leider sagen, dass der Gesang nicht als Einzeltäter agiert: Denn auch die musikalische Komponente mischt kräftig mit und enttäuscht mit belanglosen Riffs und abgedroschenen Melodien. Leider nicht die verzeihbare Ausnahme auf „Wrath“, sondern die Regel: Egal, welchern Song man sich anhört: es fehlt an Biss im Riffing, an Agression im Gesang und insgesamt an Charakter, Individualität und Gefühl. War „Sacrament“ noch geprägt vom sehr individuellen Gitarrenspiel von Mark Morton und Will Adler, könnte das Gro der Songs auf „Wrath“ auch aus der Feder diverser anderer Musiker stammen. Erst „Contractor“ kommt von Anbeginn an direkt auf den Punkt und weiß im weiteren Verlauf durch einen, elegant in das Geknüppel eingebauten groovigen Mittelpart zu überzeugen.

Spätestens jetzt ist zumindst klar, was unklar ist: Das Ziel der Band, ja, eigentlich schon die Marschrichtung. Das Werk klingt moderner – nicht unbedingt positiv zu werten – und undefiniert: War „Sacrament“ ein frisches, spritziges Album mit klaren Bezügen zu klassischem Thrash, klingt „Wrath“ mit dem ständigen Versuch der melodischen Gesangsführung und diversen Breaks und Tempowechseln, chaotisch, zerfahrenen und doch auf Grund der eher mäßigen Riffs relativ monoton und harmlos. So dümpelt „Warth“ also vor sich hin, erwähnenswert vielleicht noch „Dead Seals“, das für kurze Zeit den Geist von „Sacrament“ aufleben lässt und sowohl musikalisch als auch durch den traditionellen Gesang erfreulich gewohnt klingt. Als dann auch noch „Everything To Nothing“ überraschend groovend und kraftvoll daherkommt, gefolgt von dem auch nicht gerade schlechten „Choke Sermon“, zeigt sich, dass man gegen Ende der Patte wenigstens noch einmal ein wenig Gas gegeben hat und so das Schlimmste verhindert. Etwas unerwartet nach diesem erfreulichen Agressionszuwachs im hinteren Drittel der Platte, eröffnet „Reclamation“ nicht in Rausschmeißer-Manier, sondern, wie das Instro, mit Akustikgitarren, um nach einem relativ durchschnittlichen Song in Akustikgitarren und Meeresrauschen zu enden.

So bleibt am Ende neben einem Hauch Karibik die Erkenntnis, dass man auf „Wrath“ nicht die Band zu hören bekommt, die noch ein Album vorher zu begeistern wusste. Das hier Gebotene klingt durch die Bank eher nach LAME OF GOD. Dabei ist „Wrath“ sicherlich alles andere als ein schrecklich schlechtes Album – wahre Stärken oder gar Höhepunkte mit Klassiker-Potential hat es jedoch ebensowenig. Man kann das „Weiterentwicklung“ nennen – oder die Kapitulation vor „Sacrament“ in seiner Prägnanz und Stärke: „Wrath“ windet sich ängstlich im Dreck der Durchschnittlichkeit, versucht einem direkten Vergleich mit dem Vorgänger durch die neuen Stilmittel auszuweichen und vergisst sich dabei selbst, so dass es zu einem mehr oder minder charakterlosen Wanderer zwischen den Welten verkommt. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

Bewertung: 5 / 10

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