Juli 2022

Review Mantar – Pain Is Forever And This Is The End

Mit ihrer neuen Scheibe „Pain Is Forever And This Is The End“ reihen sich MANTAR in die Riege der Bands ein, die an bestimmten Alben beinahe zerbrochen wären. Genauso wie Metallica, die die Aufnahmen von „St. Anger“ als Nahtoderfahrung bezeichnen, oder My Chemical Romance, die während den Recordings und der anschließenden Tour zu ihrem Über-Album „The Black Parade“ fast in einem Sumpf aus Alkohol, Drogen und Depressionen erstickt wären, standen auch MANTAR kurz vor dem Ende. Laut Fronter Hanno hat keine Sekunde der Albumaufnahmen Spaß gemacht, woran sicherlich auch die zwei Jahre Pandemie entscheidenden Anteil hatten. Doch jetzt ist es da, das neue Werk des infernalischen Duos Hanno Klänhardt und Erinç Sakarya und man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass „Pain Is Forever And This Is The End“ ein krachender Befreiungsschlag ist.

Denn mit Album Nummer vier verpassen MANTAR ihrem Sound einen frischen Anstrich und lassen neue Einflüsse Einzug halten in das Gemisch aus Black Metal, Doom, Punk und Rock. Natürlich regiert auch auf „Pain Is Forever And This Is The End“ immer noch der typische MANTAR-Wahnsinn, aber er knallt zielgerichteter. Die Cover-Scheibe „Grungetown Hooligans II“ hat hörbaren Einfluss hinterlassen, weshalb der Opener „Egoisto“ als lupenreiner Crust-Punk-Kracher ums Eck kommt. Wunderbar dreckig, aber dabei auch – man wagt es kaum zuzugeben – absolut eingängig kommt die Nummer aus den Boxen und macht damit die Marschrichtung für die folgenden Songs klar. War das Songwriting von Mastermind Hanno schon immer mitreißend, setzen besonders „Walking Corpse“ und „Piss Ritual“ dem bisherigen Schaffen noch die Krone auf. So packend, so zwingend klangen MANTAR noch nie. Man könnte fast behaupten, dass MANTAR zumindest stellenweise tanzbar geworden sind. Wem das alles viel zu eingängig und glatt erscheint, der wird mit Black-’n‘-Roll-Attacken wie „Grim Reaping“ oder „Of Frost And Decay“ seine wahre Freude haben. Satyricon zu „Now, Diabolical“-Zeiten oder auch Midnight standen hier hörbar Pate, was die Qualität der Riffs von Hanno aber keinesfalls schmälert.

MANTAR 2022 steht aber auch für eine große Portion Epik. Die beiden Vorab-Singles „Hang ‚Em Low (So The Rats Can Get ‚Em)“ und „Odysseus“ erweitern den bekannten Klangkosmos um epische und atmosphärische Elemente und besonders letzterer überrascht als Schlusspunkt von „Pain Is Forever And This Is The End“ mit Synthie-Sounds. Ebenfalls überraschend klingt Hannos Klargesang in „New Age Pagan“, der tatsächlich fast als melodisch zu bezeichnen ist. Das musikalische Spektrum der vierten Langrille ist damit recht weit gefasst, am Ende aber doch nur die logische Weiterführung des typischen MANTAR-Sounds. Erneut muss außerdem betont werden, was für ein Ausnahme-Drummer Erinç Sakarya ist. Der Mann verlangt sich und seinen Drums alles ab und hat seinen ganz eigenen Stil seit dem ersten Album immer weiter verfeinert. Hier zeigt sich ganz deutlich, welch entscheidenden Anteil Schlagzeuger am Klang einer Band haben.

Auch wenn „Pain Is Forever And This Is The End“ MANTAR fast zerstört hätte, aus Sicht der Hörer haben sich die Strapazen definitiv gelohnt. Wo dem Duo zu Beginn häufig Stagnation und beschränkte Songwriting-Fähigkeiten vorgeworfen wurden, kann davon auf Album Nummer vier keine Rede mehr sein. Stattdessen perfektionieren Hanno und Erinç ihre Trademarks und schaffen es, Raum für neue Einflüsse zu öffnen. Bleibt zu hoffen, dass MANTAR die schwierige Zeit gut verarbeiten können und uns noch weitere starke Alben wie dieses präsentieren.

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Wertung: 9 / 10

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