CD-Review: Negura Bunget - Focul Viu (DVD)

Besetzung

Hupogrammos Disciple's – Gesang, Gitarre
Sol Faur – Gitarre
Gadinet – Bass
Negru – Schlagzeug
Inia Dinia – Keyboard
aGer – Percussion, Xylophon, Flöten, Alphorn, Gesang

Tracklist

01. Primul OM
02. Inarborat
03. Intro Bruiestru + Cunoasterea Tacuta
04. IIII
05. Al Locului
06. Norilor
07. Hora Soarelui
08. Cel Din Urma Vis
09. II / III
10. Vazduh
11. Tesarul De Lumini


NEGURĂ BUNGET sind eine Ausnahmeband, so viel ist klar – beweisen sie doch mit ihren Alben ein ums andere Mal, dass sie Meister im kreieren packender und einzigartiger Klangwelten sind. Daran hat sich, sehr zu meiner Überraschung, mit dem Weggang von Hupogrammos Disciple’s und Sol Faur garnicht so viel geändert wie gedacht – und dennoch gibt es wohl nicht wenige Fans, für die nun Dordeduh, das neue Projekt der beiden Gitarristen, für das steht, wofür der Name NEGURĂ BUNGET lange Jahre stand.

Mit Spannung dürften also viele (Ex-)NEGURĂ-BUNGET-Fans die erste und zugleich letzte DVD im alten Line-Up erwarten – neben dem „Majestit“-Rerelease das zweite Vermächtnis des zerstrittenen Dreiergespanns Negru/Hupogrammos Disciple’s/Sol Faur. Das Herzstück der Veröffentlichung, die neben der DVD-Version auch als Doppel-Live-CD, sowie in einer DVD/2CD-Edition erscheint, bildet dabei ein Konzert der Rumänen im Januar 2008 in Bukarest.

Doch bereits während, beziehungsweise direkt nach dem Intro macht sich Skepsis breit – klingt ausgerechnet das bei Livemitschnitten oft unterrepräsentierte Keyboard doch überraschend prägnant. Und auch wenn ich es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, so macht sich doch recht schnell das ungute Gefühl breit, dass hier kräftig in Form von Overdubs nachgearbeitet wurde; hat man sich aber erst auf diese These eingeschossen, findet man auch die ein oder andere Handbewegung von Inia Dinia oder den ein oder anderen Basston, die man nicht hört, beziehungsweise der im Bild nicht gespielt wird.

Ob diesem Phänomen tatsächlich ein all zu gutgemeinter Overdub zu Grunde liegt, oder an diesen Stellen schlicht der Videoschnitt nicht ganz sauber durchgeführt wurde und der trockene Ton einer Mischpultabnahme zu dem angesprochenen, dominanten Keyboardteppich geführt hat, ist für einen Aussenstehenden schwer zu beurteilen – Fakt ist: Vom organischen, natürlichen Live-Sound der Rumänen ist hier kaum noch etwas zu merken, viel eher klingt das ganze nach einem Studio-Album mit nicht zu Ende abgemischtem Schlagzeug.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die schlicht nicht vorhandene Geräuschkulisse eines Live-Konzertes: Zwar wird in den Song-Pausen fleißig geklatscht und auch mal ungestüm dazwischengeplärrt, sobald die Songs jedoch beginnen, ist Schicht im Schacht. Man könnte dem NEGURĂ-BUNGET-Publikum natürlich unterstellen, sich derart vorbildlich verhalten zu haben, dass es während der Darbietungen jedesmal muxmäuschenstill war… die eigene Erfahrung von diversen ruhigeren Konzerten (zuletzt Dornenreich mit ihrem Akustik-Set) hat mich jedoch gelehrt, dass ein solches Publikum erst noch geboren werden müsste.

Doch sei’s drum, die Ursache kann an dieser Stelle nicht ermittelt werden – die Wirkung hingegen schon, und diese führt zu einer Grundsatzfrage: Braucht man live DVDs, vor allem aber Live-CDs, von Bands, deren Live-Feeling ganz offensichtlich nicht konservierbar ist? Niemand erwartet von einer NEGURĂ-BUNGET-DVD mitgrölende, feiernde Fans oder Faxen machende Musiker, klar – aber einer Band zu Rough-Mix-Studiosound (bei nebenbei bemerkt recht einfallsloser Bühnenbeleuchtung) beim Spielen zuzusehen, oder, noch drastischer bei der reinen Audio-Version, ein Quasi-Studioalbum mit etwas ungeschliffenerem Sound zu hören, finde ich jedoch nur wenig erfüllend. Dass man darüber hinaus die Chance verstreichen lässt, das nun endgültig abgeschlossene Kapitel „NEGURĂ BUNGET in Originalbesetzung“ in Form einer Band-History revue passieren zu lassen, und den Fan stattdessen lediglich mit einer Diashow und allen Musikvideos der Truppe abspeist, zeigt nur an einem weiteren Beispiel, wie halbgar dieser Release im Kern ist.

Und so bleibt am Ende nur festzuhalten: NEGURĂ BUNGET zeigen mit ihrer ersten DVD ein letztes Mal, welch magische Atmosphäre die Band ihrerzeit umgeben hat – leider durch den Umstand, dass sich diese offenbar selbst unter besten Bedinungen nicht einfach einfangen lässt. Es ist eben nicht allein die Musik, die diese Stimmung ausmacht, sondern die Gesamtheit aller Sinneseindrücke, die ein NEGURĂ BUNGET-Konzert mit sich brachte – und diese ist, wie dieser Release trotz aller Bemühungen beweist, offensichtlich nicht auf eine Polycarbonatscheibe pressbar.

„Weil die Band in dieser Form vorraussichtlich nie wieder zusammen auftreten wird, ist „Focul Viu“ eine unverzichtbare Anschaffung für jeden NEGURĂ-BUNGET-Fan, der vor der Trennung noch nicht die Gelegenheit hatte, die Gruppe live zu erleben“ heißt es vielversprechend im Promoblatt – eine Aussage, der ich so leider nicht zustimmen kann, vermittelt diese DVD doch nicht ansatzweise den Geist einer NEGURĂ-BUNGET-Liveperformance.

Bewertung: 4 / 10

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