CD-Review: Nyss - Princesse Terre (Three Studies Of Silence And Death)

Besetzung

L. C. Bullock – Gesang
Þórir Nyss – Instrumente

Tracklist

01. I
02. II
03. III


Von den verschiedenen, über den Erdball verteilten Black-Metal-Szenen ist jene in Frankreich mit Sicherheit die experimentellste. Blut aus Nord, Deathspell Omega, aber auch Alcest und viele andere Vordenker haben das Genre inzwischen weit vorangetrieben. Seit 2015 mischen auch NYSS in dieser illustren Runde mit und alles deutet darauf hin, dass sie der Spielart ebenfalls neue Facetten zu entlocken imstande sind. Nachdem die Experimental-Black-Metaller 2016 sage und schreibe vier EPs veröffentlicht haben, legt das Duo mit „Princesse Terre (Three Studies Of Silence And Death)“ nun sein Debüt-Full-Length vor – das mit nur drei Songs zu insgesamt 30 Minuten eigentlich auch eher den Charakter eines Minialbums hat.

So obskur wie das gerade in seinem kirchlichen Kontext subversiv bedrohlich wirkende Artwork klingen auch die lediglich mit römischen Ziffern betitelten Songs, die NYSS für ihren Einstand erdacht haben. Auf gesellschaftskritische Spoken-Word-Samples folgen erbarmungslose schwarzmetallische Gewalteskapaden mit messerscharfen Tremolo-Riffs, mechanisch präzisen, brachialen Schlagzeugrhythmen und gramerfüllten, irrwitzigen, aber auch vielfältigen Screams und Growls. Obwohl NYSS auch für die Verhältnisse ihrer Musikrichtung bemerkenswert brutal klingen (was mitunter dem schnittigen, wuchtigen Sound zu verdanken ist), schlagen die vielversprechenden Newcomer nie zu sehr über die Stränge.

Vielmehr scheinen die Franzosen genau zu wissen, wie lange sie ein Motiv aufrecht erhalten können, ohne es über Gebühr auszureizen. Ihr Gespür für die richtige Balance zwischen Aggressivität und Abwechslung stellen NYSS auf jedem der drei Tracks an zahlreichen Stellen unter Beweis. Aber auch die im Black Metal so wichtige Atmosphäre kommt auf „Princesse Terre“ keineswegs zu kurz. Diesbezüglich tun sich insbesondere die schleppenden, Doom-artigen Passagen, die bedrückenden und beschwörenden Klargesänge („II“) und die eisig kalten Keyboards, mit denen NYSS auch den härteren Parts einen gespenstischen Anstrich verpassen, hervor.

Auch als sphärisch zu bezeichnende Leadgitarren, eigentümliche Melodien und einfallsreiche Bassspielereien („III“) finden ihren Platz in den durchwegs stimmig arrangierten Tracks. Den Vorwurf überladenen oder ziellosen Songwritings müssen sich NYSS dennoch nicht gefallen lassen, denn die Übergänge von Ambient zu Doom und Black Metal könnten flüssiger nicht sein.

Selbstverständlich ist „Princesse Terre“ trotz seiner knapp bemessenen Laufzeit weder allzu eingängig noch leicht zu erfassen. Trotzdem haben es NYSS geschafft, eine Brücke zwischen härte, Vielfalt und Stimmung zu schlagen und damit ihre Musik nachvollziehbar und spannend zu gestalten. Neue Maßstäbe setzen die zwei Nachwuchs-Schwarzmetaller zwar nicht unbedingt, aber interessant sind ihre einfallsreichen und packenden Kompositionen allemal. Wer an modernem, aber mitnichten kommerziellem Black Metal interessiert ist, sollte sich das nicht entgehen lassen, zumal der nächste Release bestimmt nicht lange auf sich warten lassen wird.

Bewertung: 8 / 10

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